Getränkemarkt-Raub: Kammer verhängt Haftstrafen

Neuenrade - Mit Haftstrafen bis zu vier Jahren ging am Mittwoch der Prozess gegen drei Angeklagte aus Hemer und Hagen zuende, die am 7. März 2015 in unterschiedlichen Rollen den Kaufpark-Getränkemarkt in Neuenrade überfallen hatten.

„Wir sehen einen Erziehungsbedarf oberhalb einer Bewährungsstrafe“, sagte der Vorsitzende Richter Marcus Teich und wies entsprechende Anträge der Strafverteidiger Andreas Trode, Julia Kusztelak und Ralph Giebeler zurück. 

Vier Jahre Haft und damit die höchste Strafe kassierte der 22-Jährige, der den Kassierer des Marktes mit einer Luftdruckpistole bedroht und versucht hatte, ihn mit der Waffe zu schlagen. Er wurde deshalb wegen schwerer räuberischer Erpressung in Tateinheit mit versuchter gefährlicher Körperverletzung verurteilt.

Die Kammer ging aufgrund der Bilder der Beobachtungskamera davon aus, dass er „aus Frust“ ernsthaft versucht hatte, das Opfer mit der relativ schweren Waffe am Kopf zu treffen. Ziel sei aber erkennbar nicht gewesen, noch mehr Geld ausgehändigt zu bekommen. Denn nach dem Schlag, dem der Mitarbeiter ausweichen konnte, habe der Täter den Markt zügig mit fast 400 Euro verlassen.

Der zweite Täter hatte den Markt als erster betreten und dem Mann mit der Pistole signalisiert, dass keine Kunden mehr da waren. Er wurde für diesen Tatbeitrag zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und neun Monaten verurteilt. Das Gericht hielt ihm zugute, dass er im Ermittlungsverfahren über seine Mittäter ausgepackt hatte, und wertete seine Tat als minderschweren Fall. Dadurch konnte die Strafe unterhalb der Mindeststrafe von drei Jahren bleiben.

Dem 20-Jährigen, der die Idee zu dem rundum dämlichen Überfall gehabt hatte, hielt der Richter vor, dass die Tat ohne ihn gar nicht stattgefunden hätte. Er habe diesen Plan hartnäckig verfolgt, ohne dass seine materielle Situation einen Anlass dafür gegeben hätte. Am Tattag fuhr er seine beiden Mittäter zum Getränkemarkt und wartete auf ihre Rückkehr. 

„Das geht weit über einen Dumme-Jungen-Streich oder eine Schnapsidee hinaus“, befanden die Richter und verhängten eine Jugendstrafe: zwei Jahre und sechs Monate. Für alle drei Angeklagten galt dabei: „Sie sind keine 14- oder 15-Jährigen mehr. Wenn man erwachsen ist, muss man sich den Konsequenzen auch stellen.“

Mit den verhängten Strafmaßen folgte die Kammer im Wesentlichen den Anträgen von Staatsanwältin Sandra Ley. Die Behauptung der Angeklagten, dass die Waffe ungeladen gewesen sei, sei nicht zu widerlegen, stellte sie in ihrem Plädoyer fest.

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