„Genauso wohnen wie in den eigenen vier Wänden“

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Um die aktuell elf Bewohner der Demenz-Wohngemeinschaft Am Stadtgarten kümmern sich die ambulanten Pflegekräfte rund um die Uhr.

Neuenrade - „Der Zulauf an Einwohnern für die Wohngemeinschaft war größer, als wir das selbst gedacht hätten. Elf von zwölf Wohnungen sind bereits belegt“, sagte Ralf Lohscheller von der Geschäftsleitung des Perthes-Werkes. Seit 2013 betreibt die evangelische Altenhilfe am Stadtgarten eine spezielle Wohngruppe, in der Demenzkranke leben und ambulant betreut werden.

Der Bedarf an betreuten Demenz-Wohnplätzen in Neuenrade sei definitiv da gewesen, das zeige die rasche Belegung. Einen Ausbau strebe man jedoch aktuell nicht an, sagt der Leiter des Perthes-Werkes, die in ganz Westfalen mehr als 70 Pflege-Einrichtungen betreuen. In der Einrichtung am Stadtgarten sind immer zwei ambulante Pflegekräfte, zudem nachts eine feste Kraft für die momentan elf Bewohner zur Stelle. „Wir lassen die Bewohner, die jeweils ihr eigenes Zimmer bewohnen, nicht alleine. Zudem wird in den Gemeinschaftsräumen die Geselligkeit gepflegt“, sagt Lohscheller.

Zukünftig möchten die Mitarbeiter der ambulanten Pflege, die für die Bewohner der Einrichtung zuständig sind, verstärkt auf den Einsatz ehrenamtlicher Kräfte setzen. „Wer will und kann, kann sein Talent gerne im Umgang mit den Bewohnern einbringen und anwenden.

„Wir wollen den Leuten ihre Freiheiten lassen. Trotz Krankheit sollen sie genauso wohnen, wie in den eigenen vier Wänden“, sagte Ruth Echterhage, Vermieterin der Wohnflächen, über die Grundidee der Einrichtung. „Wir freuen uns über neue Hilfe von außen. Obligatorisch ist ein Vorabgespräch, bei dem jedoch definiert wird, inwieweit die Hilfe eingebracht werden kann“, sagte Pflegedienstleiterin Anke Wippermann. Zudem diene das Gespräch dem gemeinsamen Kennenlernen. „Das soll beidseitig - sowohl vom Ehrenamtler wie auch den Bewohnern - gewollt und kann zeitlich frei interpretierbar sein“, so Wippermann. Von 30 Minuten bis 30 Tage Engagement sei alles möglich; „Alles geht nach entsprechender Absprache“, so Wippermann.

Neben der physikalischen Therapie mit Matthias Kotyk und dem Einsatz der Kreativpädagogin Barbara Vedder, die Echterhage mit eingebunden hatte, soll das freiwillige Engagement ein weiterer wichtiger Stützpfeiler werden. Dieser soll den Bewohnern im Alltag positive Eindrücke vermitteln. „Wir möchten auch vermitteln, dass Demenz keine Krankheit ist, wo jeder Erkrankte sabbernd im Bett liegt. Die Bewohner sind alle rüstig, brauchen aber etwas Führung im Alltag“, meint Wippermann. Sowohl beim Kochen oder Backen, als auch bei anderen Aktivitäten seien sie aber aktiv ins Geschehen eingebunden und würden den Tagesablauf mitgestalten. „Die Zufriedenheit der Bewohner zeigt, dass das Modell gut ist“, so Echterhage.

Von Benny Finger

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