Freiwilligendienst in Südafrika

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TheresaLoch leistet seit sieben Monaten ihren Freiwilligendienst in Südafrika.

Küntrop/Mbombela - Seit sieben Monaten arbeitet die Küntroperin Theresa Loch als Freiwilligendienstleistende in Mbombale, Südafrika

Küntrop / Mbombela -  Nach dem Abitur entschloss sie sich, für ein Jahr im Rahmen eines Freiwilligendienstes von der Organisation „weltwärts“ in Südafrika entwicklungspolitische Arbeit zu leisten. Im August vergangenen Jahres brach sie nach Mbombela auf. In ihrem nachfolgenden Bericht erzählt sie von ihrer Arbeit , ihren Erfahrungen und ihrem Leben in Südafrika.

 Ich hatte bereits die Chance, an vielseitigen Projekten und Programmen mitzuwirken. Zurzeit liegt der Fokus auf der Etablierung eines Umweltjugendnetzwerkes, welches Bewusstsein unter Jugendlichen, Kapazitäten und tiefes Verständnis schaffen soll. Da die Organisation bei der ich tätig bin, GeaSphere, Ankerorganisation für dieses Projekt ist, sind meine Mitfreiwilligen und ich größtenteils für die Planung, Organisation und Kommunikation der Workshops und Exkursionen verantwortlich. Darunter fallen Aufgaben wie Ausarbeitung der Agenda, Kontaktaufnahme mit sämtlichen Teilnehmern, Aussenden der Einladungen, Organisation des Transports und Verpflegung aber auch die Planung des Inhalts und Kontextes der bei den Workshops vermittelt werden soll.

Bei den ersten beiden Workshops kam es vor allem auf das Kennenlernen und Vorstellen der neuen Organisationen und deren Teilnehmer an. Wir diskutierten unsere Leitprinzipien, Ideen und Grundsätze, sodass wir nun ein etabliertes Netzwerk haben. Das Mpumalanga Environmental Youth Network hat inzwischen seine eigene Website, Email-Liste, etc. und nimmt an Diskussionen rund um Umweltthemen teil. Die erste Projektphase wurde inzwischen erfolgreich abgeschlossen und auf die nächste wird bereits hingearbeitet. Das Jugendnetzwerk spielt insofern eine wichtige Rolle in Mpumalanga, dass es ein Netzwerk von Jugendlichen, welches sich spezifisch mit Umweltproblematiken befasst, nicht gibt. Zwar gibt es einige Organisationen, wie zum Beispiel die Pfadfinder Mpumalanga, welche Umweltschutz als einen Teil ihrer Aufgabe ansehen, doch ist die Kombination von Jugendlichen und dem Fokus auf umweltbezogene Themen neu.

Es ist ein großartiges Projekt, welches die Partizipation der Jugend stärkt und fordert. Der unterschiedliche Bildungsstandard wird in diesem Zuge als Chance und nicht Problem gesehen. Den Jugendlichen wird somit eine Stimme verliehen, um ihre eigene Zukunft in die Hand nehmen zu können. Mit dem Wissen um lokale Umweltbelastungen und -bedrohungen wie zum Beispiel das Verdrängen des natürlichen Graslandes durch die Plantagenwirtschaft bekommen die Jugendlichen ein Verständnis für die Notwendigkeit des Umweltschutzes. Dementsprechend entstand durch die Jugendlichen der Slogan „Imvelo-Yethu“, was so viel wie „unsere Natur“ bedeutet. Die Worte kommen aus SiSwati, eine der meist gesprochen Banthu-Sprachen in Mpumalanga. Neben der Arbeit beschäftige ich mich tagtäglich weiterhin mit interkultureller Verständigung.

Das Leben in der südafrikanischen Kultur bereitet Freude, ermutigt zu neuen Ansichten und Ideen und ist somit ein wichtiger Teil meines Freiwilligendienstes. Mein Leben in Sudwala, recht außerhalb der Stadt, offenbart stets neue Aspekte Südafrikas. Vor allem die große Verbundenheit zur Natur spielt für viele eine wichtige Rolle. Auch wenn es Elefanten, Löwen und Geparden im südlichen Afrika quasi nur noch im Nationalpark oder auf Game-Farmen gibt, überraschen einen im Sudwala-Valley tagtäglich Grünmeerkatzen, Paviane, Galagos (auch Buschbabys genannt), Spinnen und hin und wieder eine Schwarze Mamba. Durch das richtige Verhalten sind sämtliche Gefahren jedoch leicht zu vermeiden.

Glücklicherweise wird die Wasserversorgung, trotz Dürre, hier bei mir kein Problem sein, da unser Berg seine eigene Quelle besitzt. In der benachbarten Community ist dies jedoch, vor allem durch die Dürre, ein größer werdendes Problem: Der Anteil der Schadstoffe (wie z.b. Schwefel oder Stickstoff), die durch die Industrie in den Fluss gelangen, werden durch dessen niedrigen Stand zu hoch.

Nicht nur die Wasserversorgung ist in vielen Siedlungen und Townships ein Problem, sondern auch die Abfallbeseitigung. Vor allem letzteres ruft oft Unmut auf, da das Konzept des Mülltrennens auf den ersten Blick wenig Sinn ergibt, wenn die Regierung doch alles zusammen einsammelt und gemeinsam verbrennt.Jedoch werden einzelne Kompost-und Recycling-Initiativen in Angriff genommen und von den Gemeinden selbst umgesetzt. Vor allem die Idee des kompostierens findet immer mehr Annahme, da die nährstoffreiche Erde gut für eigene Kleingärten ist. Mülltrennung und an sich das Sammeln von Abfall bleibt indessen ein recht großes Problem Südafrikas, auch in Zusammenhang mit sämtlichen anderen Aspekten der Infrastruktur und politischen Unruhen. Johannesburg hadert seit Wochen mit der Müllabfuhr, sodass große Teile der Stadt mit Müll überlaufen waren. Ich persönlich bekomme von der Müllentsorgung recht wenig mit, wir haben unseren eigenen Kompost, trennen Glas und Altpapier. Dies ist jedoch nicht der Standard; auf den äußerst schlecht riechenden Müllhalden wird alles verbrannt.Mit meiner Organisation versuche ich für all dies Bewusstsein zu wecken; in Zusammenarbeit mit lokalen und lang etablierten Netzwerken wie Youth Against Climate Change oder dem Southern African Green Revolutionary Council fällt die Kontaktaufnahme zu den Gemeinden oft leichter.

Die Kommunikation untereinander ist durch gleiche Ziele und ähnliche Ideen nährreich und meistens erfolgreich. Die Verstetigung des neuen Netzwerkes in diese Freundschaften und Absprachen gehört mit zu meinen Aufgaben und bereitet mir durch die Vielseitigkeit weiterhin Spaß an dem was ich tue. Mein Leben in Südafrika bleibt somit interessant und eröffnet beinahe tagtäglich neue Perspektiven bezüglich globalen Verstrickungen wie aber auch bezüglich Mitmenschlichkeit und der Beziehung von Mensch und Natur.

Von Theresa Loch 

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