Flüchtlingsunterkunft im ehemaligen Honeywell-Gebäude

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Hier, im ehemaligen Honeywell-Gebäude, das Muschert & Gierse gehört, dürfen Flüchtlinge untergebracht werden. 

Neuenrade - Die Flüchtlingssituation in Neuenrade hat sich schlagartig entspannt. Die Stadt mietet Teile des ehemaligen Honeywell-Gebäudes an, das sich nun in Besitz von Muschert & Gierse befindet.

Ein Viertel des Gebäudes - vor allem die Büroräume -  sollen von Flüchtlingen bewohnt werden. Die anderen drei Viertel des Industriekomplexes im Küntroper Industriegebiet werden als Drahtlager an die Drahtwerke Elisental vermietet. Wie Iris Middendorf aus der Inhaberfamilie von Muschert & Gierse auf ausdrückliche Nachfrage bestätigte, habe man diesen Entschluss gefasst, um der Stadt Neuenrade zu helfen. Vor allem habe man auch gehandelt, um mit dafür zu sorgen, dass die Sporthallen weiter für den Schul- und Vereinssport zur Verfügung stehen, betonte Middendorf.

Die Zusage an die Stadt sei nicht spontan erfolgt, man habe die Angelegenheit nicht übers Knie gebrochen. Middendorf bestätigte auch, dass man es einfacher hätte haben können. Bereichern werde man sich sicher nicht. Nicht ganz einfach hätten sich zudem im Vorfeld die Verkaufsverhandlungen mit dem Honeywell-Konzern gestaltet. Der hatte den Neuenrader Standort schon vor längerer Zeit aufgegeben, die Vermarktung an eine Agentur gegeben. Bei Muschert & Gierse hatte man ohnehin Interesse an dem Objekt bekundet, weil es in direkter Nachbarschaft des unlängst von einem verheerendem Brand heimgesuchten Unternehmens liegt.

Bei der Stadtverwaltung, allen voran Bürgermeister Antonius Wiesemann, fiel den Verantwortlichen dabei ein Stein vom Herzen, weil durch diese neuen Kapazitäten der „Druck aus dem Kessel“ genommen werde. Kämmerer Gerd Schumacher sagte, dass man noch im Oktober/November da gesessen und Betten gezählt habe. Doch jetzt habe man eben den Puffer fürs Frühjahr.

 Nun ist es an der Stadt die Büroräume herzurichten. Die Fläche beträgt immerhin 600 Quadratmeter. Für eine Bewohnbarkeit ist es dabei nötig, zu den vorhandenen Toiletten weitere sanitäre Anlagen wie Duschräume zu schaffen. Auch möchte man einen Aufenthaltsraum herrichten. Über die möglichen Umbaukosten wollte der Kämmerer noch nicht spekulieren, sagte aber, dass man belastbare Zahlen rechtzeitig zur Haushaltseinbringung vorlegen werde. Marcus Henninger, Bauamtsleiter der Stadt Neuenrade, schätzt, dass im Küntroper Industriegebiet maximal 50 Flüchtlinge untergebracht werden. Das hänge auch von der familiären Zusammensetzung ab, er gehe einmal von 40 Personen aus. Das halte er für wahrscheinlich. Zudem sehe man die Anbindung an die Flüchtlingsunterkunft im Gasthof Schweitzer mit der ehrenamtlichen Betreuung.

Dazu sei das ehemalige Honeywell-Gebäude gut per Bus und sogar per Bahn erreichbar, auch der Fußweg zur Stadt sei sicher zumutbar, hieß es gestern bei einem Gespräch. Gestern wurde auch noch einmal von Kämmerer Schumacher betont, dass entgegen den Gerüchten die Stadtverwaltung an niemandem mehr als die ortsübliche Miete zahle. „Woanders mag es Abzocke geben, bei uns aber nicht“, betonte Schumacher. Versuche habe es gegeben, da habe man aber einfach den Hörer wieder aufgelegt, ergänzte Bürgermeister Wiesemann.

Froh ist man bei der Stadtspitze, dass es in Neuenrade eine derart engagierte Unternehmerschaft gibt, die soziale Verantwortung wahrnehme. Sei es in Sachen Flüchtlinge oder Schule oder Kultur. Es gibt Unternehmer, die komplette Kulturveranstaltungen finanzieren, Gasthöfe für die Flüchtlingsunterbringung kaufen und sanieren, Vereinen massiv helfen, die Einrichtung von Fachräumen an Schulen finanzieren und noch viel mehr.

Grund sei wohl, dass sich die meist mittelständische Unternehmerschaft ihrer Stadt verbunden fühle. „Andere Kämmerer staunen über das, was bei uns möglich ist“, sagte Schumacher. Der Bürgermeister stimmte ihm da zu....

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