24-jähriger Neuenrader unterhielt florierenden Drogenhandel

Neuenrade/Altena - Keinen Supermarkt, aber eine Art Krämerladen mit einer recht breiten Palette an verschiedenen Drogen unterhielt ein junger Neuenrader jahrelang in seiner Wohnung an der Werdohler Straße. Grammweise deckten mindestens 14 Kunden ihren täglichen Bedarf an kleinen Konsumeinheiten. Im Angebot waren Marihuana und Haschisch, Aufputschmittel und Psilocybin-Pilze – ein halluzinogenes Gewächs, das immer mal wieder in Betäubungsmittel-Strafverfahren auftaucht.

Weil der heute 24-Jährige bei den ersten Verkäufen im Sommer 2010 vermutlich noch unter das Jugendstrafrecht gefallen wäre, hatte er sich im Amtsgericht Altena nun vor einem Jugendschöffengericht zu verantworten. Durch den langen Zeitraum von 2010 bis zur Sicherstellung von 16 Ecstacy-Tabletten in seiner Wohnung am 9. September 2014 hatte der junge Mann viel Zeit, die Anzahl der verbotenen Verkaufsvorgänge in die Höhe zu treiben: 653 sollten es laut Anklage gewesen sein – stattliche 478 Taten blieben nach dem strafprozessualen Aufräumen und einem umfassenden Geständnis übrig.

Sieben geladene Zeugen konnten dadurch wieder nach Hause geschickt werden – nur der Blick auf die jüngste Konsumentin offenbarte, dass diese immer noch die Statur eines Kindes hatte. Wer im Alter von mindestens 21 Jahren Drogen an Minderjährige abgibt, begeht ein Verbrechen, das von erheblicher Strafe bedroht ist. Allerdings handelte es sich nur um wenige Gelegenheiten, bei denen die 17-Jährige beim Angeklagten eingekauft hatte. Und einiges sprach dafür, dass der 24-Jährige sich tatsächlich „gar nichts dabei gedacht“ hatte. Natürlich fragte Richter Dirk Reckschmidt ihn nach seinen Motiven. Die Antwort war interessant: „Ein ‚Hobby’ kann ich nicht sagen“, zuckte der 24-Jährige vor einer allzu flapsigen Antwort zurück, um dann doch auf dieser Spur zu bleiben: „ein Zeitvertreib?“

Tatsächlich brauchten die Ermittler sehr lange, bis sie diesem gewerbsmäßigen Handel mit Betäubungsmitteln auf die Spur kamen. Das Wort „schwunghaft“ passte auf dieses relativ erfolgreiche Geschäftsmodell. Außerdem erzielte der Angeklagte erst nach dem Ende seiner Ausbildung zufriedenstellende Einkünfte aus seiner beruflichen Tätigkeit. Zuvor hatte er seinen Eigenkonsum durch die Verkäufe finanziert. „Wenn es nicht jeweils diese Kleinmengen gewesen wären“, - wäre die Situation für den Angeklagten noch erheblich ungemütlicher geworden, deutete Richter Dirk Reckschmidt an.

Das Jugendschöffengericht ging bei seiner Entscheidung deshalb von minderschweren Fällen aus, sodass am Ende eine Haftstrafe von einem Jahr und zehn Monaten übrig blieb. Da der 24-Jährige in Lohn und Brot ist und selber keine Drogen mehr konsumiert, setzte das Gericht die Strafe zur Bewährung aus.

Um in diesem Punkt auf Nummer Sicher zu gehen, muss der Neuenrader als Bewährungsauflage in den kommenden Jahren regelmäßige Drogen-Tests absolvieren und 1000 Euro an die Justizkasse zahlen.

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