Familienbetrieb Klüter wird sich auf dem Gertrüdchen präsentieren

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Wilhelm Klüter ist froh, dass sein Sohn Alexander den Hof später einmal übernehmen wird und den Familienbetrieb fortführt.

Neuenrade - In einer Serie stellen wir die Neuenrader Bauernhöfe vor, die auf dem Gertrüdchen vertreten sein werden. Dort werden sie sich und ihre Arbeit vorstellen - und für die Besucher greifbar machen.

130 Milchkühe, 100 Tiere Nachzucht, Hühner und Forstwirtschaft: Das alles lässt sich auf dem Hof Klüter nur bewirtschaften, wenn alle mit anfassen. Ein echter Familienbetrieb – Generationenkonflikte sind da vorprogrammiert. „Ich bin natürlich total froh, dass mein Sohn den Hof später einmal weiterführen wird. Aber wir sind nicht immer einer Meinung“, erzählt Wilhelm Klüter. Die unterschiedlichen Ansichten der Generationen seien aber kein großes Problem. Eher seien sie bereichernd, da jeder von dem anderen lerne und man sich gegenseitig inspiriere.

„Die Landwirtschaft hat sich in den vergangenen Jahren extrem gewandelt. 1983 waren wir mit 60 Kühen im Laufstall riesengroß und top modern“, erinnert er sich. Das ist heute nicht mehr so. Da gehört man mit 60 Kühen zu den kleineren Betrieben und der Laufstall ist Standard. Irgendwann musste die Familie eine Entscheidung treffen: „Unser Ziel war es, so groß zu werden, dass man einen Mitarbeiter beschäftigen kann und so auch mal einen Abend oder ein Wochenende frei machen kann“, erklärt Klüter. Das ist gelungen und dennoch sieht der Landwirt das permanente Wachstum kritisch: „Klar, wer am Markt bestehen will muss wachsen oder Nischen suchen. Aber irgendwo muss dieses permanente Wachsen auch enden. Die Flächen sind ja auch nur begrenzt.“ 

Der Kampf um Flächen sei unter den Landwirten längst eröffnet – und die kleineren Betriebe blieben leider oft auf der Strecke. Eine falsche Entwicklung wie Klüter findet. Und auch sonst sei von Bauernhofromantik nicht mehr viel zu spüren. Seit er 15 Jahre alt ist, arbeitet er im Stall. Seither hat sich viel verändert. Immer mehr Bürokratie, strenge Auflagen und der Preiskampf der Discounter lassen ihn schon hin und wieder verzweifeln. „Bei 28 Cent für den Liter Milch und Steuern wird es langsam knapp.“ Landwirtschaft und Milchvieh sind und bleiben dennoch seine große Leidenschaft. Und so froh wie Wilhelm Klüter ist, dass sein Sohn Alexander den Betrieb weiterführen möchte, gibt er doch zu bedenken:

Auf dem Hof Klüter leben 130 Milchkühe, die auch nachgezüchtet werden. Dieses Kälbchen ist auf dem Bild gerade einen Tag alt und muss das Laufen noch etwas üben.

„Von Tradition kann man nicht leben. Der Strukturwandel setzt sich fort. Sollte es irgendwann nicht mehr gehen, wonach es derzeit nicht aussieht, machen wir halt Schluss.“ Beim Gertrüdchen will er mit seiner Familie das Gespräch mit den Bürgern suchen, die Arbeit der Landwirte vorstellen und mit Vorurteilen aufräumen. „Mit dieser Art von Öffentlichkeitsarbeit haben wir bereits gute Erfahrungen auf dem Bauernmarkt in Hemer gemacht. Ich freue mich auf spannende Begegnungen.“ Eines ist jedenfalls sicher: Klüters Leidenschaft für Landwirtschaft und Vieh ist ansteckend.

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