Erschossener Einbrecher / Psychische Folgen

Schütze schildert das Tatgeschehen

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Vor Gericht erzählte der Affelner Hausbesitzer von der Tatnacht.

Neuenrade - Als am 26. April ein 18-jähriger Albaner beim Einbruchsversuch in ein Haus in Affeln erschossen wurde, nahm eine Mordkommission die Arbeit auf. Von diesem weitreichenden Vorwurf blieb allerdings erwartungsgemäß nichts übrig, wie im Strafverfahren gegen einen 48-jährigen Mittäter des Getöteten deutlich wurde.

Er sei mündlich von der Staatsanwaltschaft Hagen darüber informiert worden, dass eine Notwehr-Situation vorgelegen habe, berichtete der 63-jährige Hausbesitzer im Amtsgericht Lüdenscheid. Er und seine Frau erzählten von den Ereignissen jener Nacht, die weitreichende psychische Folgen für sie hatten.

Unsicheres Gefühl gehabt

Er habe zuvor schon ein ganz unsicheres Gefühl gehabt, erinnerte sich der Zeuge. Deshalb habe er zwei Nächte lang eine Waffe neben dem Bett gehabt, die er morgens vorschriftsgemäß zurück in den Tresor gelegt habe. In der Tatnacht, gegen zwei Uhr morgens, sei er durch ein Geräusch geweckt worden. Vom Flur aus habe er in das verdächtige Zimmer gerufen: „Haut ab, oder ich schieße!“ 

Strafverfahren "formal" nicht eingestellt

Beim Betreten des Zimmers habe er ein Messer aufblitzen sehen. „Ich wollte einen Warnschuss in die Wand abgeben.“ Der allerdings traf den 18-jährigen Einbrecher tödlich. Oberstaatsanwalt Dr. Gerhard Pauli bestätigte, dass das daraus resultierende Strafverfahren „formal“ noch nicht eingestellt sei. Der Zeuge wollte sich daraufhin zunächst gar nicht äußern und von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch machen. 

Das Ehepaar sagte dann aber doch umfassend aus, um die Ereignisse jener Nacht aufzuklären. „Wir haben zwei Wochen bei der Schwägerin gewohnt, weil wir gar kein Vertrauen mehr zu unserem Haus hatten“, erinnerte sich der 63-Jährige an die Zeit unmittelbar nach dem Einbruch. 

Er und seine Frau seien seitdem immer in Lauerstellung und litten an Schlafstörungen. „Das ist schon eine große Beeinträchtigung der Lebensqualität.“ Die Idee, das Haus zu verkaufen, hätten sie dennoch verworfen: „Ich lasse mich von diesen Burschen nicht aus dem Haus jagen!“, sagte der Zeuge. Seine ein Jahr jüngere Frau stimmte ihm zu: „Ich möchte mein Zuhause verteidigen.“ 

"Bei jedem Geräusch stand ich neben dem Bett"

Auch sie habe zunächst nicht gewusst, ob sie es aushalten würde, im Haus zu bleiben. „Bei jedem Geräusch stand ich neben dem Bett.“ Nach dem Einbruchsversuch habe sie zunächst versucht, „ganz tough“, also tapfer und hart gegen sich selbst zu sein. Mittlerweile müsse sie aber gestehen, dass das Ganze sie doch sehr belastet habe: „Man darf das nicht unterschätzen. Jeden Tag kommt eine Geschichte, dass man daran erinnert wird.“ 

Die Zeugin erläuterte auch, warum der zu 14 Monaten Haft ohne Bewährung verurteilte Mittäter möglicherweise der Anstifter zu der Tat war: Seine Tochter habe ihr vor einigen Jahren in einem Atelier in Plettenberg Modell gesessen, berichtete die Hobby-Malerin. Aus dieser Zeit kannte sie dann auch die Familie des 48-Jährigen Mittäters.

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