Entpflichtung von Harald Steinhoff mit viel Emotionen

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Entpflichtungszeremonie: Pfarrer Harald Steinhoff (links) wird hier von Superintendent Klaus Majoress (re.) gesegnet.

Neuenrade - Ausverkauft – könnte man sagen. Die Rede ist nicht von einem Fußballspiel oder einem Konzert, die Rede ist vom Gottesdienst zum vierten Advent im evangelischen Gotteshaus.

Dass die Gäste sogar auf den Stufen der Treppen und im Turm Platz nehmen mussten, lag an einem besonderen Gottesdienst: Es war für Pfarrer Harald Steinhoff der Abschied aus dem aktiven Dienst. „Entpflichtung“, so nannte es der Superintendent des Kirchenkreises Klaus Majoress sachlich korrekt.

Doch bei aller Sachlichkeit spielte die Menschlichkeit am Sonntagvormittag ein viel größere Rolle. Steinhoff hat das Leben in der Gemeinde über 35 Jahre lang geprägt, füllte die Pfarrstelle seit 1980 aus – mit Hingabe. Die Atmosphäre während der Gottesdienstes glich der eines Konzerts, wenn die Großen der Branche ihr Publikum mitreißen. Nur diesmal spielte ein Pfarrer die Hauptrolle. Und die Gemeinde sang vielleicht einen Tick lauter, mit noch mehr Hingabe und schuf eine Stimmung, die nur eines bedeuten konnte: Danke.

Nicht nur der Superintendent und die zahlreichen anderen Gratulanten sagten dem langjährigen Amtsinhaber Dank, seine „Schäfchen“ zollten ihrem Hirten auf ihre Art Respekt. Steinhoff genoss es sichtlich, zu reden, zu beten, zu predigen und zu singen. Es war ein Fest, das Klaus Majoress mit einer sehr persönlichen Ansprache bereicherte. Er zückte ein altes Pressefoto, auf dem der junge Vikar Harald Steinhoff zu sehen war, erinnerte an die ersten persönlichen Begegnungen und den Kartoffelsalat während seiner Ernennung zum Superintendenten. Als er nach Plettenberg kam, 1988, da sei Harald Steinhoff bereits eine Institution gewesen, warf Majoress den Blick fast drei Jahrzehnte zurück. Schöne und schwierige Zeiten habe Steinhoff in seiner Zeit als Pfarrer durchlebt, sein Wunsch, im Großraum Sauerland wirken zu dürfen, hatte sich erfüllt. Steinhoff habe Spuren hinterlassen und das Leben in der Gemeinde geprägt.

Majoress letzte Worte verhallten noch, da standen die Menschen bereits und ließen einen brandungsartigen Applaus durch das Gotteshaus schallen. Es blieb wenig Zeit für persönliche Glückwünsche und Umarmungen, schließlich sollte das Programm im Gemeindehaus nahtlos mit dem offiziellen Festakt fortgesetzt werden. Dort reichten die Plätze bei Weitem nicht aus, um allen Menschen Platz zu bieten, die an Steinhoffs „Entpflichtung“ Teil haben wollten. Einer der ersten Redner am Pult war natürlich das Neuenrader Stadtoberhaupt. Zusammen mit Pfarrer Reinhold Simon sei Steinhoff ein Geburtshelfer der Ökumene in Neuenrade gewesen. Als starke Persönlichkeit, als ruhender Pol beschrieb ihn Wiesemann und wünschte ihm für seinen nächsten Lebensabschnitt, dass er die nun vorhandene Freizeit mit all dem verbringen möge, was ihm Freude bereite. „Eine Ära ende heute“, begann Josef Brockhagen von der katholischen Gemeinde.

Nicht nur für die evangelische Gemeinde, auch für die katholische und die Stadt. Im Laufe der Jahre habe sich bewahrheitet, dass Harald Steinhoff ein 24-Stunden-Pfarrer sei, als „Seelensorger“ stets im Dienst, meinte Brockhagen und erinnerte an einige bewegende Momente. In den kommenden Tagen wird das langjährige Gemeindeoberhaupt wohl noch mehrfach an Momente aus den vergangenen 35 Jahren zurückdenken. Zu überwältigend schienen gestern manche Situationen und Begegnungen.

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