Henna-Nacht des Elfi-Kulturvereins in der Stadtbücherei

Die Elif-Mitglieder demonstrierten in der Stadtbücherei eine traditionsreiche Henna-Nacht.

Neuenrade - Ein blumiger Duft lag bei der Henna-Nacht des Elfi-Kulturvereins in der Stadtbücherei in der Luft. Die Mitglieder des Vereins brachten dabei den Besucherinnen einen weitverbreiteten muslimischen Brauch näher.

Die Coffee-Night im März hatte bei den Veranstaltern und Besuchern so guten Anklang gefunden, dass Sandra Horny, Leiterin der Stadtbücherei und Zelius, sowie den Vertretern des Elif-Kulturvereins aus Plettenberg, die für den Ablauf des Abends verantwortlich waren, eine Wiederholung vorschwebte. Die Elif-Mitglieder demonstrierten in der Stadtbücherei eine traditionsreiche Henna-Nacht. Henna ist viel mehr, als eine bloße, kunstvolle, farbige Verzierungen auf der Haut, erfuhren die mehr als 30 Besucherinnen am Mittwochabend. Denn diese Nacht ist unter Muslimen ein weit verbreiteter Brauch, den ausschließlich Frauen feiern.

Elif Ögüt.

Einen Tag vor der Hochzeit treffen sich Braut, Verwandte und Freundinnen, um einen symbolischen Akt zu begehen. Die Braut verabschiedet sich in dieser Nacht offiziell von ihrer Mutter – etwas Melancholie schwingt bei der Zeremonie also mit. Während die Braut im Kreis ihrer Verwandten und Freundinnen sitzt, werden traurige Lieder angestimmt, um die Braut zum Weinen zu bringen. „Sie ist zu diesem Zeitpunkt noch verschleiert“, sagt Elif Ögüt vom Kulturverein.

„Manchmal traut sich jemand unter den Schleier zu gucken, um zu sehen, ob die Braut wirklich weint.“ Doch ob nun Tränen fließen oder nicht, das bleibt meist das Geheimnis der Braut. „Jetzt kommt die Schwiegermutter ins Spiel“, erklärt Elif Ögüt den weiteren Festverlauf. Die Handflächen der Braut werden von zwei Frauen mit Henna bemalt. Doch die Braut, die ihre Hände zu Fäusten ballt, ziert sich, und öffnet laut Henna-Nacht-Protokoll ihre Hände erst, wenn sie von ihrer künftigen Schwiegermutter eine Goldmünze in die Hand gesteckt bekommt.

Derya Ersoy träufelte den Besucherinnen Rosenöl in die Hände.

Die Henna-Farbe, mit der die Handflächen der Braut bemalt wird, wird vor der feierlichen Zeremonie von einer glücklich verheirateten Frau angesetzt, um ihr Glück auf die Ehe der Braut zu übertragen. „In anderen Regionen kann es auch eine ältere, angesehene Dame sein, die diese Aufgabe übernimmt“, weiß Elif Ögüt um die regionalen Unterschiede. Die Henna-Nacht spiegelt die Kultur des Verabschiedens und des Willkommensein wieder. In diese Tradition passt somit auch, dass der Vater des Bräutigams um die Hand der Braut bittet. „Damit symbolisiert er, dass er hinter der Entscheidung seines Sohnes steht“, so Elif Ögüt.

Die Farbe rot spielt während der Henna-Nacht eine wichtige Rolle. Nicht nur der pflanzliche Farbstoff wird von ihr beherrscht, sondern die komplette Zeremonie. Rot steht für die große Liebe, viele Kinder, Wohlstand. Braut und Gäste tragen einen roten Schleier und rote Kleider, der Festsaal ist rot geschmückt – so wie die Stadtbücherei an jenem Abend. In der orientalischen Atmosphäre fiel es den Besucherinnen leicht, in die fremde Kultur einzutauchen. Außerdem wusste Elif Ögüt einiges über die Henna-Pflanze, ihre Herkunft, ihre heilende Wirkung und Symbolkraft zu berichten. Und, wie es sich für eine richtige Henna-Nacht gehört, waren die Besucherinnen dazu eingeladen, sich am reichhaltigen Büfett mit süßen und deftigen Speisen zu bedienen.

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