"Das ist eine mögliche Win-Win Situation"

+
Moaffak Kassem ist der erste Flüchtling, der bei H. Büsche GmbH ein Praktikum absolvieren kann. Produktionsleiter Frank Opolka (rechts) ist sehr zufrieden mit dem neuen Praktikanten.

Neuenrade - Moaffak Kassem zeigt sein sympathisches Lächeln und strahlt von einem Ohr zum anderen. Der 25-jährige Syrer im dunkelblauen Arbeits-Shirt mit aufgedrucktem Büsche-Schriftzug signalisiert Zufriedenheit.

Er ist der erste Flüchtling, der in dem Unternehmen H. Büsche GmbH & Co. KG ein Praktikum absolvieren kann. Seit einigen Wochen ist er in der Firma an der Neuen Mühle tätig. In der Schleiferei hat er erste Firmenluft geschnuppert und in der Produktion kommt er zum Einsatz, wenn spezielle Teile der inneren Fensterdekoration für den Gardinenbereich erstellt werden. Das Praktikum ist auf das Ergebnis einer Anfrage von Bürgermeister Antonius Wiesemann zurück zu führen.

Gemeinsam mit der städtischen Zelius-Flüchtlingshilfe hatte sich Neuenrades erster Bürger bei 14 örtlichen Unternehmen nach möglichen Praktikumsplätzen für Asylbewerber erkundigt. Neun der angeschriebenen Firmen hatten geantwortet, acht Firmen ermöglichten für interessierte Flüchtlinge mit einer Betriebsbesichtigung den Einblick in ihr Unternehmen. Darunter war auch die H. Büsche GmbH, die 1872 gegründet wurde und in Neuenrade zu den Traditionsfirmen zählt. Geschäftsführer Fernando Sanchez stand der Anfrage aus dem Rathaus grundsätzlich positiv gegenüber, Produktionsleiter Frank Opolka organisierte Einzelheiten und Moaffak Kassem ist seit zwei Wochen als Praktikant tätig.

Zur Realisierung der Praktikantentätigkeit hat er auch maßgeblich selbst beigetragen. Es sind seine erstaunlich guten Deutschkenntnisse, mit denen der ehemalige Collage-Schüler aus dem vom Bürgerkrieg zerbombten Syrien aufwarten kann. Obwohl er erst acht Monate in Deutschland beziehungsweise Neuenrade lebt, hat er sich mit Hilfe der ehrenamtlich tätigen Zelius-Deutschlehrer ein beachtliches Sprachwissen angeeignet und kann sich gut verständigen.

Die Tätigkeit als Praktikant ist auf beiden Seiten auf fruchtbaren Boden gefallen. Der junge Syrer berichtet von „netten und freundlichen Arbeitskollegen, zu denen ich Kontakt gefunden habe.“ Das Arbeiten in der Lackiererei findet er besonders interessant. Auch Fernand Sanchez kann Moaffak ein gutes Zeugnis ausstellen und spricht von einer „möglichen Win-Win Situation, von der sowohl der Flüchtling aber auch das Unternehmen profitieren kann.“ Der Mann an der Spitze der Büsche-Geschäftsleitung geht generell davon aus, dass „sich die nach Deutschland geflüchteten Menschen integrieren lassen und das auch selbst wollen.“ Realisierbare und gute Chancen für die Flüchtlinge sieht der Geschäftsführer, wenn „sie unsere deutschen Grundwerte leben und anerkennen und die Bindung zum Unternehmen vorhanden ist.“

Die H. Büsche GmbH & Co. KG ist mit ihren Mitarbeitern multinational aufgestellt, die Beschäftigten setzen sich aus acht Nationen zusammen. Zur Firmenphilosophie zählt auch die Ausbildung, um mit dem eigenen beruflichen Nachwuchs im Wettbewerb flexibel aufgestellt zu sein, zumal sich das berufliche Ausbildungsziel durchaus ändern kann. Die geforderten Voraussetzungen scheinen auf Moaffak Kassem zu zutreffen. Büsche-Produktionsleiter Frank Opolka bescheinigt ihm „Pünktlichkeit, Freundlichkeit und einen positiven Gesamteindruck.“ Gerne würde es das Traditionsunternehmen sehen, dass Moaffak sein Praktikum verlängert, vielleicht sogar den nächsten Sprung in den Azubi-Status schafft und möglicherweise als Maschinen-/Anlageführer zur Qualität der Büsche-Produkte beitragen kann.

An der Firma H.Büsche scheint das nicht zu hapern, gleichwohl muss sich der Flüchtling aus Syrien auf eine Pause einstellen, da er zunächst einen weiteren 600-Stunden-Deutschkurs behördlich bewilligt bekam. Aber bei der H. Büsche GmbH & Co. KG hat er mit Blick in seine Zukunft auf jeden Fall den Fuß in der Tür....

Weitere Infos zum Thema Praktikumsplätze gibt es unter Tel. 0 23 92 / 6 14 87 oder www.s.horny@neuenradeweb.de

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare