Eine Familie - wieder vereint

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Integrationsbeauftragte Sandra Horny, Integrationslotse Uwe Clausen, K. Abdulrahman mit seiner Frau A. Ali und den Kindern Sherwan, Fatema und Hilen.

Neuenrade - Dem Krieg in Syrien glücklich entflohen, müssen Khaled Abdulrahman und seine Frau Amena Ali für die Wiedervereinigung ihrer Familie einen Kampf ganz anderer Art aufnehmen – gegen die Bürokratie.

 Einen Kampf, den die Familie sicher nicht ohne Uwe Clausen, den Neuenrader Integrationslotsen, gewonnen hätte. Auf nach Deutschland machten sich Abdulrahman und seine Frau im Frühjahr – und mussten ihre Kinder in dem bekannten Flüchtlingscamp der UNHCR (Uno-Flüchtlingshilfe) im Nord-Irak zurücklassen. Denn die Schleuser weigerten sich, die Kinder mitzunehmen. Das sei zu gefährlich für die Kinder.

So ließen die Eltern ihre Sprösslinge schweren Herzens bei Verwandtschaft im Flüchtlingscamp zurück, um sie eben später nachzuholen. Im Transporter wurde das Ehepaar schließlich nach Deutschland geschleust, landete am Ende in Neuenrade. Dort, beim Integrationslotsen Uwe Clausen, äußerten sie den Wunsch auf Familienzusammenführung – was nicht mal eben so geht. Denn bevor sie nicht als Flüchtlinge anerkannt sind, ist das gar nicht möglich.

Clausen hängt sich rein und der Kampf mit der Migrations-Asylbürokratie beginnt. Es ist Ende Mai. Clausen wird bis zum Spätherbst zig Telefonate führen, E-Mails verschicken und Hartnäckigkeit üben. Er hat minutiös dokumentiert, was nötig war, um schließlich drei Kinder mit ihren Eltern zu vereinen. Eins ist sicher: Ohne Hilfe wäre das Ehepaar gescheitert. Reichlich Dokumente müssen beigebracht werden und ein Dolmetscher bekommt viel Arbeit. Im Juni werden Abdulrahman und Frau endlich als Flüchtlinge anerkannt und am 25. Juni erhält das Ehepaar die Aufenthaltserlaubnis. Parallel dazu recherchiert Clausen, was man noch für das Antragsverfahren für die Familienzusammenführung benötigt.

Wieder sind Dolmetscher involviert. Passkopien, Impfbescheinigungen, Heiratsurkunde, Familienbuchauszüge und mehr müssen beigebracht werden. Für die Einreise benötigen die Kinder Visa – und die gibt’s plötzlich nicht mehr beim Generalkonsulat in Erbil (nah beim Camp), sondern nur noch in der Botschaft in Ankara. Und in Ankara gibt es einen Termin für die Visa-Beantragung erst im Frühjahr 2016. Clausen versucht zu erreichen, dass aus humanitären Gründen in Erbil doch Visa erteilt werden können, denn wie sollen die Kinder nach Ankara kommen? Schließlich bittet er Pro ASYL um Hilfestellung. Die kümmern sich intensiv und auch das Diakonische Werk in Lüdenscheid mit der Fachabteilung Migration ist involviert. Die raten zu einem Fachanwalt. Schließlich findet Clausen eine arabisch sprechende Anwältin in Essen.

Die schreibt an das Ausländeramt Märkischer Kreis „zur Ausstellung einer Vorabzustimmung zur Einreise der Kinder nach Deutschland zwecks Beschleunigung des Verfahrens bei der Botschaft“. Und – obwohl das Auswärtige Amt das so den örtlichen Behörden empfiehlt – wird das Ersuchen trotz mehrerer Eingaben vom Kreis abgelehnt – eine Ersatzbescheinigung wird aber letztlich ausgestellt. Die Anwältin versucht nun über das Auswärtige Amt eine Sondergenehmigung für die Visa-Erteilung in Erbil zu erhalten – mit Erfolg. Im Oktober schließlich erhalten die Kinder nach weiteren Wirren schließlich die Visa. Doch die Mutter darf die Kinder nicht abholen, erhält kein Visum für den Nord-Irak – letztlich riskiert sie es und fährt dennoch. Ein syrischstämmiger Deutscher hilft mit, die Kinder zu holen.

Und am 31. Oktober feiert die Familie endlich Wiedervereinigung: Vater Khaled, Mutter Amena, Sherwan, Fatema und Hilen schließen sich am Düsseldorfer Flughafen in die Arme. Abdulrahman ist den Deutschen sehr sehr dankbar für die Hilfsbereitschaft. Und er dankt vor allem Uwe, der mit seinem Einsatz dafür gesorgt hat, dass seine Familie eine Zukunft hat. Die Kinder gehen inzwischen zur Schule und die Eltern haben viel vor sich: 960 Stunden Integrationskurs mit Politik und Deutsch. Hochmotiviert ist die gesamte Familie. Abdulrahman, gelernter Friseur, will schnell Deutsch lernen, eine Arbeit finden, eine Perspektive für seine Familie erwirtschaften. Zudem: Flucht und Familienzusammenführung – all das hat Geld gekostet, auch die anwaltliche Hilfe ist nicht kostenlos. Khaled Abdulrahman scheint optimistisch, dass er das alles bewältigen wird. Nur mit einer Sache hadert die Familie – an das Wetter in Deutschland, daran müssen sich Khaled und Co erst noch gewöhnen. - Von Peter von der Beck

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