Eine Autorin öffnet ihr Herz

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Nicole Staudinger.

Neuenrade - Berührend, persönlich und nah – so lässt sich wohl die Lesung mit der Autorin Nicole Staudinger beschreiben, die anlässlich des 20. Geburtstages des Freundeskreises „Augenblick mal“ am Samstag im Café Grote im Hagebau-Markt in Neuenrade stattfand.

Genau genommen war das Treffen mit der Frau, die auch als Schlagfertigkeitstrainerin arbeitet, viel mehr als nur eine Lesung. Obwohl die zweifache Mutter natürlich auch aus ihrem Buch „Brüste umständehalber abzugeben“ vorlas und somit ihre Krebserkrankung thematisierte. Doch die einzelnen Kapitel wurden immer wieder unterbrochen durch erklärende Anmerkungen, Fragen waren ausdrücklich erwünscht.

Und auf die Fragen, die ihre Zuhörer stellten, antwortete Staudinger in bemerkenswerter Weise. Offen und direkt berichtete die Autorin von sich, ihrer Familie und dem Leben mit Karl Arsch. So hatte sie den Tumor in der Brust getauft.

„Ich habe Krebs“, diese Feststellung sei der totale Schock gewesen. Mit 32, als Mutter zweier Kinder und erst kurz zuvor als Schlagfertigkeitstrainerin selbstständig geworden. „Ich finde Schuhe schön und auch Handtaschen, aber doch keinen Tumor“. Das habe sie gedacht, als die Ärzte ihren Tumor als „schön“ bezeichneten.

„Sicher, die Lymphen sahen gut aus, der Tumor war klar abgrenzbar, aber schön?“, fragte die Autorin in die Runde. Es waren solche Momente, die die Lesung ausmachten. Bewegend und humorvoll zugleich berichtete Staudinger auch von ihrem Besuch bei Dr. Bertram. Dieser habe ihr versicherte, sie werde das schaffen. „Ich habe mich sofort in ihn verliebt, ein Traummann“, versicherte die Autorin und sorgte so für ein Schmunzeln in manchen Gesichtern – während die Blicke gleichzeitig betroffen auf ihr ruhten.

Mit Sicherheit einer der besonderen Momente, die während der Lesung immer wieder zu Tage traten. Ob der Besuch beim Friseur, das ohnmächtige Warten auf den nächsten Termin oder das Gespräch mit dem Nachbarn, Staudinger schaffte es die Zuhörer zu berühren.

Nicht nur während sie las, sondern auch im persönlichen Gespräch. Im Raum herrschte sowohl bei der Autorin als auch bei den Besuchern eine bemerkenswerte Offenheit, egal ob es um Stimmungstiefs, wenig empathische Ärzte oder die Wahl des Freundeskreises ging. Die Autorin öffnete den Anwesenden ihr Herz, und die Zuhörer taten es ihr gleich.

Die nächste Veranstaltung des Freundeskreises Augenblick mal... ist am 23. und 24. November. Dann wird Frieda Braun mit ihrem Programm „Sprechpause“ auftreten. Karten gibt es für 15 Euro ab 4. Oktober an der Bürgerrezeption (Rathaus)

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