Eine Ausstellung, die zum Verstehen beiträgt

Mahmoud, Mustafa und Khaled schildern auf diesen Plakatwänden ihren Weg von Syrien nach Deutschland

Neuenrade - Die Ausstellung „#Ankommen in Neuenrade“ in der Stadtbücherei und Zelius hat am Wochenende mehrere hundert Neuenrader nachhaltig beeindruckt. Neun Flüchtlinge und Familien hatten auf Plakatwänden ihre Fluchtgeschichte mit Worten und Fotos dokumentiert.

Die Reaktion der Besucher war zustimmend und reichte von stillem Schweigen bis hin zu Feststellungen. „Dass jede hier gezeigte Fluchtgeschichte jetzt auch ein Gesicht bekommen hat, weil der geflüchtete Mensch unter uns lebt und wir jetzt noch mehr verstehen“ – so brachte es eine Seniorin auf den Punkt. Die Ausstellung, die im Rahmen der Veranstaltung #Neuenrade trifft sich stattfand, ist überwiegend auf Initiative von Andrea Lück zurück zu führen. Gemeinsam mit weiteren Ehrenamtlern und Flüchtlingen erarbeitete sie eine Plattform, mit der ein Dialog zum besseren Miteinander und Kennenlernen möglich wird. Grundlage dazu sind die Fragen zu den Fluchtgründen, zum Weg nach Neuenrade, zu den Erlebnisse bei der Ankunft in Neuenrade und zu den Perspektiven und Wünschen für die Zukunft.

Dazu zählte auch die Möglichkeit, dass Flüchtlinge ihre Heimat darstellen konnten. Es sind die sehr persönlichen Erzählungen und Fotos, mit denen der Besucher erreicht wird. Die Gefahr um Leib und Leben auf der Flucht wird auf einmal spürbar, der betroffene Flüchtling ist nicht mehr anonym, er hat ein Gesicht und kann angesprochen werden. Einzelne Schicksale erreichten die Ausstellungsbesucher besonders. So hat die Schilderung, dass die Luft auf der Ladefläche eines Lkw auf einmal dünn wurde, weil der Lüftungsschlitz geschlossen war und der Erstickungstod drohte, viele Besucher ganz besonders erschüttert: „Für uns ist es kaum vorstellbar, dass Menschen in einem Kühlcontainer so lange ausgehalten und nur im letzten Moment etwas mehr Luft bekommen haben,“ sagen Annette Rach und Sabine Reininghaus und ziehen nach dem Rundgang durch die Ausstellung ein gefühlvolles Fazit.

Ein anderer Besucher meint, dass „ich mit der Ausstellung die geflüchteten Menschen jetzt wesentlich besser verstehe“ und eine Seniorin ergänzt, dass „es überhaupt gut ist, dass diese Aktion hier gemacht wird und dass sich die Leute einsetzen und mitmachen. Uns geht es doch gut hier und wir klagen auf hohem Niveau.“ Zu den Besuchern zählte auch MdB Dagmar Freitag (SPD). Der Sozialdemokratin ist die Flüchtlingsarbeit in Neuenrade bekannt, speziell die Arbeit in der Stadtbücherei und Zelius. Zur Ausstellung #Ankommen in Neuenrade“ fand sie klare Worte: „Diese Ausstellung trägt dazu bei, dass die Menschen vor Ort weiter zusammenwachsen“ sagte die Bundestagsabgeordnete. Die Ausstellung mit den persönlichen Erlebnissen zeige auch die Bereitschaft der Flüchtlinge, dass sie etwas zu sagen und etwas mitzuteilen hätten. Neuenrade könne stolz auf diese Veranstaltung sein.

Die kontinuierlich gute Arbeit von Zelius-Chefin Sandra Horny und der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe sei der Beweis, dass Vieles machbar seien, sagte Freitag. Ausdrücklich lobte die SPD-Politikerin auch die Arbeit von Bürgermeister Antonius Wiesemann (CDU). Er habe über Parteigrenzen hinweg gezeigt, wie menschliches Handeln gehandhabt werden könne. Dagmar Freitag hatte zuvor beim Rundgang weitere Informationen von Andrea Lück (Organisationsteam) erhalten.

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