Drücken Windräder Preise von Immobilien?

Die Bürgerinitiative "Rettet den Kohlberg" protestiert gegen die Errichtung eines Windparks auf dem Kohlberg.

Neuenrade - Im Widerstand gegen den Windpark ist ein Argument der Bürgerinitiative „Rettet den Kohlberg“ die Wertminderung von Immobilien, die sich in der Nähe von Windrädern befinden.

„Ich denke schon, dass damit zu rechnen ist. Pauschal auf jeden Fall“, äußert sich Makler Helmut Schäfer, der mit Immobilien in Balve und Neuenrade vertraut ist, zu dem Sachverhalt. „Noch ist das für uns natürlich nicht greifbar. Aber man kann schon mit 10 bis 20 Prozent Verlust rechnen, wobei jeder Fall individuell zu bewerten wäre. Es gibt auch ähnliche Fälle, in denen Häuser in unmittelbarer Nähe zu Transformatoren oder Hochspannungsleitungen schwer oder nur über den Grundstückspreis – wenn überhaupt – zu verkaufen waren“, sagt Schäfer und fügt hinzu: „Es sei denn, der Käufer ist ein Befürworter und interessiert sich zum Beispiel für Windräder“.

Faktoren, die den Wert senken könnten, seien laut Schäfer unter anderem Schlagschatten, eventuelle Lärmbelästigung, Eiswurf oder Infraschall. Eiswurf könne durch beheizte Rotorblätter verhindert werden. Infraschall, ein für das menschliche Ohr nicht wahrnehmbarer tieffrequenter Luftschall im Frequenzbereich unter 16 Hertz, verursacht laut einem Faktenpapier zu Windenergieanlagen und Infraschall des Ministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft und Natur- und Verbraucherschutz NRW keine gesundheitlichen Schäden, wenn er von Windenergieanlagen ausgeht. Der Infraschall-Pegel von Windrädern läge weit unterhalb der Wahrnehmungsschwelle des Menschen.

Gesundheitliche Auswirkungen wie Ermüdung oder eine Abnahme der Atemfrequenz konnten nur bei Menschen, die den Infraschall hören oder spüren können, nachgewiesen werden. Nur extrem hohe Infraschall-Pegel, die bei Windrädern nicht entstehen, könnten laut Faktenpapier zu Ohrendruck, Schmerzen beim Hören und Gehörschäden führen.

Laut Flyer der Bürgerinitiative „Rettet den Kohlberg“ seien auch der Lärmpegel sowie Schattenwurf und nächtlich blinkende Flugsicherungsleuchten störend. Diese und ähnliche Faktoren hat die Universität Kopenhagen mit einer Langzeitstudie in Dänemark als wertmindernd bestätigt.

In der Studie, die in dem Magazin „Land Economics“ im Dezember 2014 veröffentlicht wurde, wurde ein Wertverlust von bis zu 14 Prozent festgestellt. Zwischen 2000 und 2011 wurden dazu die Preise von 12 640 Häusern und Wohnungen im Abstand von bis zu 2 500 Meter zu Windenergieanlagen beobachtet. Dabei stellte man fest, dass der Preis stärker fiel, je näher eine Immobilie zu einer Windenergieanlage stand beziehungsweise je höher die Lärmbelästigung war.

Selbst der ästhetische Aspekt spielte bei dem Wertverlust eine Rolle und drückte den Preis um bis zu 3 Prozent, wenn eine Immobilie mit Blick auf einen Windpark verkauft wurde. Seit 2008 gibt es in Dänemark auch eine Kompensation für den Wertverlust durch Windräder.

Helmut Schäfer wiegt ab: "Man kann sich schon vorstellen, dass ein Windrad in sichtbarer Nähe stört und den Preis beeinflusst. Im Grunde ist es aber zu befürchten."

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