Viel Betrieb im Neuenrader DRK-Kleiderladen

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Cordula Weier (rechts) und Lilia Birukov machten gestern die Kasse des DRK-Warenhauses. Sie haben gut zu tun. Der Kleiderladen wird derzeit vor allem von Flüchtlingen gut besucht.

Neuenrade - Schon in der Nähe des Schulzentrums an der Niederheide fallen Männer und Frauen mit prall gefüllten Taschen und Einkaufstüten auf.

 Und sie kommen auch tatsächlich vom Einkaufen – sie haben sich im DRK-Kleiderladen an der Niederheide eingedeckt. Kinderkleidung, warme Winterjacken, federnlose Decken für Betten aber auch Teppiche, Geschirr und Hausrat sind begehrt bei denen, die häufig nur mit Papieren in der Tasche und dem, was sie am Leib tragen, in Neuenrade angekommen.

Mit Bargeld und Gutscheinen (20 Euro pro Schein) kommen sie und kaufen ein im DRK-Laden. Der liegt im Kellergeschoss der Turnhalle Niederheide und ist für jeden zugänglich. Hier kann sich jeder für kleines Geld einkleiden. Umsonst ist hier nichts, aber eben auch jene, die wenig haben, können sich hier etwas leisten. Es gibt hier zeitlose Mode zu kaufen, neuwertige und neue Kleidung. Ob Jeans oder Pumps, Bettwäsche oder Jacken, Tassen, Teller oder auch Schleichfiguren, Bilderbücher und Jacken.

Und so stehen die jungen Frauen aus Albanien mit Kinderwagen und Kindern am Eingang, haben nun alles, was sie brauchen, eine syrischen Familie mit zwei Kindern ist auch versorgt. Im Laden wuseln etliche Frauen zwischen den Ständern herum, halten Jacken in die Höhe. Auch Männer gibt es vereinzelt, die im Laden herumirren und durchaus von den DRK-Frauen kleidungstechnisch beraten werden. Und doch es gibt nicht immer alles hier: Gleichwohl können sie viel besorgen – die DRK-Frauen. So besteht Interesse an Fahrrädern aller Größen und die Helferinnen wissen natürlich, wo sie die besorgen können und wer etwas anzubieten hat.

 Dass für Kleidung und Waren bezahlt werden muss, hat zum einen mit Wertschätzung zu tun und zum anderen auch mit dem Stolz der Menschen. Maria Brockhagen: „Die Menschen müssen die Freiheit haben, ihre Sachen selbst auszusuchen“. Brockhagen, die gestern vertretungsweise aushalf aber auch Cordula Weier, Lilia Birukov und Ludmilla Lysenko mussten am Dienstagnachmittag ganz schön ran. Es galt wieder Jeanshosen, Schuhe oder Bettwäsche einzusortieren. Zudem müssen die Sommersachen raus, dafür Wintersachen rein. Da ist reichlich Handarbeit gefragt. Benötigt werden auch rudimentäre Englischkenntnisse, um sich mit den Käufern an der Kasse zu verständigen. Die klingelt an diesem Tag ganz sicher ordentlich: Die Einnahmen fließen zurück in die Sozialarbeit des DRK. Das bedeutet: Wer hier einkauft, tut auch etwas Gutes.

Jemand, der auch Gutes tut und auch gut zu tun hat, dessen Telefon nicht mehr still steht, viel unterwegs ist in diesen Tagen, das ist Cedar Khoury. Ihre Familie stammt aus Palästina, sie spricht fließend Arabisch und ist deshalb in diesen Tagen sehr begehrt bei arabisch sprechenden Flüchtlingen in Neuenrade. Khoury dolmetscht und hilft reichlich, kümmert sich um so manche Familie. Sie begleitet Flüchtlinge bei Behördengängen. Und sie erzählt, dass die auch begeistert sind von Neuenrade und den dortigen Bedingungen. Das sei nicht in jeder Stadt so, weiß Khoury aus den Erzählungen. Und so hilft sie, wo sie kann. Sie kümmere sich auch um traumatisierte Kinder, die schlimme Sachen erlebt hätten auf IS-Gebiet.

Und sie erfährt von den Hoffnungen der Menschen: „Manche wollen zurück, wenn in Syrien wieder Frieden herrscht und manche wollen einfach nur für ihre Kinder eine friedliche Zukunft“, sagt Khoury. Von Peter von der Beck

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