Bürgerinitiative sammelt Unterschriften gegen Windräder

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Zahlreiche Zuhörer kamen am Donnerstagabend ins Restaurant Wilhelmshöhe zur Infoveranstaltung über Windkraft.

Neuenrade - Sie seien Befürworter der Windenergie, betonten Dr. Frank Hoffmann, Jörg-Martin Ihde und Dr. Henry Tauber auf der Info-Veranstaltung der Bürgerinitiative „Rettet den Kohlberg“. Trotzdem hätten sie bereits eine Unterschriften-Aktion gegen die Errichtung der Windräder auf dem Neuenrader Kohlberg gestartet.

„Wir haben schon viele Hundert Unterschriften gegen die Anlage gesammelt.“ Diese würden „bald an die Politik übergeben“. Das sagte Dr. Frank Hoffmann zum Abschluss der Info-Runde am Donnerstagabend im Restaurant Wilhelmshöhe. Denn er sei „zumindest gegen solche einzelnen Anlagen.“

Hoffmann verglich die bestehende Windkraftanlage in Leveringhausen mit den geplanten Rädern auf dem Kohlberg. Jenes in Leveringhausen sei zwar lediglich ein Viertel so hoch, erbringe aber auch bloß ein Zehntel der Leistung. Die neuen Windräder haben ein Höhe von 206 Metern. Zum Vergleich: Die Spitze des Kölner Doms ist 157 Meter hoch.

„Durch diese sechs Windräder wird ein riesiges Naherholungsgebiet zerstört. Betroffen ist ein Raum, zu welchem auch der Höhenflug, der Babywald und die Springer-Trinkwasser-Quelle gehören. Mit Ruhe und Beschaulichkeit ist es dann ein für alle Male dort vorbei“, sagte Hoffmann deutlich. „Wir wollten an den geplanten sechs Standorten Lufballons in 200 Metern Höhe anbringen, doch dann wurde uns gesagt, die dürften nicht höher als 30 Meter sein.“ Damit erzeugte der Dahler bei den gut 35 Anwesenden Gelächter.

Hoffmann erklärte, „die Spitzen der Rotorblätter drehen sich mit 279 Kilometern pro Stunde“. Das führe zu „enormen Lärm“ – allerdings in 90 Metern Höhe. Dahle und Neuenrade seien etwa 900 Meter von den Windrädern entfernt, das Kohlberghaus rund 700 Meter. Dort seien die Rotorbewegungen mit noch 30 bis 35 Dezibel zu hören. In einer ruhigen Wohnlage herrschte ein Geräuschpegel von 50 Dezibel. Die Rotorgeräusche würden von etwa 70 Prozent der Anwohner – so eine Studie aus Niedersachsen – nachts als „dominant“ wahrgenommen. Hoffmann prognostizierte: „Ich befürchte, wenn die Dinger errichtet werden, werden sich viele noch wundern.“ Auf eine Nachfrage zur Schlafqualität im Umfeld einer Windkraftanlage aus Reihen der Zuhörer sagte Hoffmann: „Die Unterlagen im Internet sind alle in Englisch. Das kann ich also nicht so genau sagen.“

Geschäftsführer des Kohlberg-Hauses: Jörg-Martin Ihde

Jörg-Martin Ihde, Geschäftsführer des Kohlberg-Hauses, ging auf den Infraschall ein. Dieser sei fürs menschliche Ohr nicht hörbar, werde allenfalls „diffus“ wahrgenommen. Die 68 Bewohner des Kohlberg-Hauses seien allerdings „sowieso sensibler als andere.“ Zu den Infraschall-Folien, die Hoffmann auflegte, gab es Nachfragen: „Warum soll ein Wissenschaftler, der alleine eine Auffassung vertritt, denn mehr Recht haben als alle anderen?“ Die Antwort des Referenten war gespickt mit Vermutungen, Annahmen und Konjunktiv-Formulierungen: „Die genaue Bedeutung dieser Grafik kenne ich nicht. Aber man sieht ja ganz eindeutig, dass das gefährlich ist.“ Beweise und Gefahr belegende Studien gebe es indes nicht.
Dr. Henry Tauber ging dann abschließend noch speziell auf das Thema Artenschutz ein. Im betroffenen Gebiet Kohlberg-Giebel lebten sechs Fledermaus-, 26 Vogel- und eine Reptilien-Art, welche schützenswert seien. Windkraftanlagen seien zumindest für eine Fledermaus- und eine Vogelart tödlich. Durch Rotoren von Windrädern würden laut Naturschutzbund Deutschland pro Anlage und Jahr vier Vögel getötet. Tauber bezweifelte diese Zahl jedoch. Er selbst gehe von einer hohen Dunkelziffer aus und rechne mit mindestens zehn Mal so vielen toten Vögeln im Jahr.

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