Bürgerinitiative Rettet den Kohlberg: Geklagt wird auf jeden Fall

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Dr. Frank Hoffmann, Vorsitzender der Bürgerinitiative „Rettet den Kohlberg, referierte zu den geplanten Windkraftanlagen.

NEUENRADE - „Die Stadt Neuenrade handelt gegen ihre Bürger“, meinte Dr. Frank Hoffmann bei seinem rund 70-minütigen Vortrag im Rahmen der FWG-Mitgliederversammlung am Mittwochabend im Hotel Wilhelmshöhe.

Der Vorsitzende der Bürgerinitiative „Rettet den Kohlberg“ begründete: „Die Einnahmen, die sie aus den Windenergie-Anlagen generieren würde, müssten die Menschen doppelt und dreifach mit dem Wertverlust ihrer Immobilien zurückzahlen.“ FWG-Politiker Michael Hammer dagegen stellte fest: „Man bekommt den Eindruck, dass es in der Bevölkerung in Neuenrade absolut keinen Widerstand gegen die Windkraft-Anlagen gibt.“

Hoffmann räumte ein, dass es in der Bürgerinitiative nur „sieben oder acht“ Mitglieder aus Neuenrade gebe, die meisten kämen aus Dahle. Der Referent begann seinen Vortrag mit einer Schilderung von Zahlen und möglichen Auswirkungen der Windkraft-Anlagen auf dem Kohlberg-Giebel. „Knapp 40 Mal in der Minute wird ein Rotorblatt am Turm vorbeirauschen“, rechnete der Vorsitzende der Bürgerinitiative aus. Er unterstrich: „40 Mal werden sich Licht und Schatten im betroffenen Gebiet drum herum abwechseln.“

 Auch entstehe beim Betrieb ein „Dauerlärm“, da sich die Anlagen bereits bei Windstärke 2 in Bewegung setzen würden. Der Lärm werde in Neuenrade allerdings „nur halb so hoch sein wie in Dahle und am Kohlberghaus“, unterstrich Hoffmann. Die Türme der Anlagen hätten ein Betonfundament mit einem Durchmesser von 24 Metern, welches „bis zu 18 Meter tief in den Boden“ reichen würde. Die Bauarbeiten dazu würden das Gelände nachhaltig verändern. Hoffmann könne aber noch nicht absehen, wie sehr, denn: „Es gibt bisher noch überhaupt keine Angaben zur Anbindung an das Stromnetz.“ Es sei nicht einmal klar, ob diese ober- oder unterirdisch erfolgen solle.

Hoffmann garnierte seinen Vortrag immer wieder mit Angriffen auf Windkraft-Befürworter, Politiker und Presse. So habe ein Redakteur des Altenaer Kreisblattes die zu erwarteten Einnahmen aus der Windkraft-Anlage auf dem Kohlberg „erfunden“. Ratsmitglieder und Politiker im Kreis müssten gegen ihre eigene Überzeugung aufgrund von „Druck aus Düsseldorf“ handeln. Und die Ortsvorsteher aus Affeln und Altenaffeln würden den Standort Kohlberg unterstützen, damit die Anlagen nicht in ihre Ortsteile kämen, was der Referent mit den Worten anprangerte: „Man kann sich denken, was für einen Charakter solche Menschen haben.“

FWG-Politikerin Ruth Echterhage schilderte, dass die Mitglieder ihrer Partei von jenen der Mehrheitsfraktion im Neuenrader Rat unter Druck gesetzt würden. Partei-Vorsitzender Detlef Stägert pflichtete ihr bei. Kritisierten sie die geplanten Windkraft-Anlagen auf dem Kohlberg, werde ihnen gesagt: „Wenn die Anlagen nicht gebaut werden, müssen wir das Freibad schließen. Wir brauchen die Einnahmen, um diese freiwilligen Leistungen zu erhalten.“ Befürworter von Windkraft-Anlagen würden die Gefahr von im Winter von den Rotorblättern herabfallenden Eisstücken leugnen, behauptete Hoffmann. Als scheinbaren Gegenbeweis präsentierte der Referent ein Foto, welches im vergangenen Winter im Siegerland gemacht worden sei. Es zeigte ein von zwei Händen gehaltenes Eisstück. „Eines steht fest“, betonte Hoffmann: „Wenn Sie das abbekommen, geht das nicht gut aus.“

Der Referent hob hervor: „Es steht fest: Wenn das genehmigt wird, werden wir zusammen mit den großen Umweltverbänden dagegen klagen, obwohl die Finanzierung des Gerichtsverfahrens noch nicht vollständig gesichert ist.“ Deshalb brauche die Bürgerinitiative auch noch weitere Mitglieder.

Indes sei es aus Sicht Hoffmanns noch nicht klar, dass die Genehmigung überhaupt erteilt werde. Und wenn doch, bezweifele er die Lukrativität der Windkraft-Anlagen auf dem Kohlberg für mögliche Investoren.

Bevor der Gast bei der Mitgliederversammlung der FWG sprach, die von 19 Interessierten besucht wurde, berichteten Partei-Vorsitzender Stägert und Fraktionsvorsitzender Bernhard Peters von den jüngsten Aktivitäten der Partei. So hätten sie im Rat gefordert, dass die Stadt mit Mitteln aus dem Landes-Investitionsprogramm „Gute Schule 2020“ die Neuenrader Schulen barrierefrei umgestalte. Stattdessen würde mit diesen Mitteln das Dach der Schule in Affeln saniert. Für Peters sei das eine „Frechheit“, da „das Programm gedacht ist zur Modernisierung – nicht zum Erhalt von Schulen“.

 Weiter riet der Fraktions-Sprecher jedem Bürger Neuenrades zum Besuch des Stadtmuseums. Dann berichtete er von einem Ausflug der FWG-Silberdisteln auf dem Biggesee, an dem im Sinne der Generationen-Verständigung auch einige Kinder teilgenommen hätten. Am 31. Oktober haben die FWG-ler in ihrem Knusperhäuschen Halloween gefeiert. Der Vorsitzende Stägert zeigte sich angesichts von „400 Besuchern“ überwältigt von der Resonanz: „Wir mussten drei Mal unsere Vorräte an Süßigkeiten auffüllen.“

Angelaufen sei nun die Neuauflage der Wunschbaumaktion in der Vorweihnachtszeit. Peters verriet: „Erste Wünsche sind bei uns bereits eingereicht worden.“

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