Der Brexit und die lokalen Folgen

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Der Brexit würde lokale Auswirkungen haben.

Neuenrade - Es ist erstaunlich, welche Beziehungen nach England bestehen. Die Insel ist mit dem Kontinent viel mehr vernetzt, als sich manch einer vorstellen mag.

Das fängt bei den wirtschaftlichen Beziehungen an und hört bei persönlichen Beziehungen auf. Dabei bedingt das eine natürlich oft das andere und reicht dabei selbstredend auch bis Neuenrade. Und so hätte ein möglicher Austritt Großbritanniens aus der EU (Brexit = Britain + Exit) auch Konsequenzen für Neuenrade und Umgebung.

Da gibt es die wirtschaftliche Verflechtungen. So hat die E-Holding einen Vertrieb auf der Insel, das Werdohler Unternehmen Stauff hat gleich zwei Niederlassungen dort und ist wohl mit den Engländern gut im Geschäft. Auch exportorientierte Unternehmen wie Kohlhage machen sicher das eine oder andere Geschäft mit Großbritannien. Und indirekt, über die Automobilindustrie, sind die Verbindungen und Abhängigkeiten durchaus bemerkenswert.

Bei der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer gibt es jedenfalls einen, der sich damit schon intensiv befasst. Frank Herrmann ist dort Leiter des Fachbereiches International. Und der verweist darauf, dass im Falle eines Austritts der Briten aus der Europäischen Union eines sicher ist: „Es wird zu einer Abwertung des Pfundes gegenüber dem Euro kommen.“ Eine Inflation werde auf der Insel erwartet. Die Konsequenz: „Deutsche Produkte würden sich erheblich verteuern. Das ist ein durchaus realistisches Szenario.“

 Herrmann sagte weiter, dass England nach den Niederlanden und Frankreich recht wichtig für heimische Unternehmen sei und verweist auf die Vernetzungen. Herrmann zitiert auch eine Erhebung beim deutsch-britischen Handelskontor. Die Mehrheit dort rechne bei einem Brexit mit negativen Folgen, auch hieß es, dass einige ihre Investitionen dort dann einschränken würden. Aber Herrman ist optimistisch: „Wir gehen davon aus, dass der Brexit nicht passiert.“

 Theo Wingen, Geschäftsführer bei den Drahtwerken Elisental und auch Chef des Neuenrader Arbeitgeberverbandes, bleibt erst einmal gelassen, auch wenn Elisental ein Zehntel des Umsatzes mit den Briten mache. Man werde abwarten und reagieren, wenn es nötig sei. Ähnliches gelte für die Unternehmer, mit denen er darüber gesprochen habe. Und er gehe davon aus, dass bei einem Brexit in den nächsten zwei Jahren erst einmal nicht viel passieren werde.

Politisch bewertet Wingen einen Brexit als negativ. Mit dem Ausscheiden Englands verlöre Deutschland einen wichtigen Partner in der EU. Aber: Theo Wingen ist zuversichtlich, dass die Engländer in der EU bleiben werden.

Woher diese Austrittsbestrebungen der Engländer kommen, vermag zumindest Petra Hollex-Leach zu sagen. Die Inhaberin des Henblas (Country-Hotel, Restaurant & Pub) ist aufgrund familiärer Beziehungen der englischen Seele sicher näher, als der Durchschnittsdeutsche. Die Austrittsbestrebungen der Engländer fußten demnach sicher auch auf einem gewissen Nationalstolz.

Dabei spielten rationale Gründe auch nicht die Rolle. Dort würde man aus dem Bauch heraus agieren und eine Entscheidung treffen. „Wir sind Great Britain, wir lassen uns da nichts sagen,“ beschreibt sie dabei das Gefühl vieler Engländer angesichts der EU. „Die Engländer sind schon ein stolzes Völkchen“, sagt Hollex-Leach. Gleichwohl rechnet sie mit einem Verbleib der Briten in der EU. Es werde auf jeden Fall eine knappe Entscheidung.

Von Peter von der Beck

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