Gewaltige Löschaktion

Am späten Vormittag wurde nach Brandnestern gesucht. – Foto: von der Beck

Neuenrade - Erschöpfte Feuerwehrmänner, Neugierige, Muschert + Gierse-Mitarbeiter, riesige Löschwasserpfützen, Polizisten, Entsorgungsfahrzeuge, eine Drehleiter mit Feuerwehrmann, der immer wieder mit Schaum einen Löschangriff startet, dazu aufgerollte Schläuche: Am Montagvormittag bot sich noch ein Katastrophenszenario an der Hönnestraße.

Doch zu diesem Zeitpunkt hatte die Feuerwehr den Industriegroßbrand an der Hönnestraße beim Oberflächenveredler Muschert+ Gierse weitgehend unter Kontrolle. Übernächtigte Feuerwehrmänner waren schon damit befasst, ihre Ausrüstung zu sortieren und aufzuladen.

In der Nacht zuvor war die Feuerwehr mit zeitweise acht Löschzügen im Einsatz, setzte Löschwasser en masse ein. Zeitweise 8000 Liter pro Minute wurden ins Feuer gepumpt, insgesamt sechs Kilometer Brandschläuche wurden dafür per Hand verlegt. Wasser wurde aus der Kläranlage, der Hönne, aus Löschwasserbehältern benachbarter Firmen entnommen. Gar das Freibadbecken musste leergepumpt werden, sämtliche Hydranten wurden angezapft.

Einsatzleiter und Stadtbrandinspektor Carsten Runte: „Ich möchte nicht wissen, was im Sommer passiert wäre“. Sprich, es hätte wohl nicht genug Löschwasser gegeben.

Koordiniert wurde die Brandbekämpfung, bei der die Arbeit von 350 Einsatzkräften mit dem gewaltigem Fuhrpark, einschließlich fünf Drehleitern, von der benachbarten Firma Bültmann aus. Geführt von Runte war hier ein achtköpfiger Stab im Einsatz, der kurzfristig dort eingesetzt wurde.

Sogar Katastrophenalarm war ausgelöst worden. Und mit dem konnten viele Neuenrader/Garbecker nichts anfangen. Runte berichtete von zahlreichen Anrufen bei der Feuerwehr und bei ihm zuhause. Den anhaltenden Heulton konnte niemand zuordnen.

Die Bevölkerung wird bei dieser Sirenart aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten und Radio/ Fernsehen/Internet einzuschalten. Im Rahmen der Brandbekämpfung waren zeitweise ungewöhnliche Maßnahmen erforderlich: So wurde eine benachbarte Tankstelle geöffnet, damit die Feuerwehrfahzeuge mit Diesel versorgt werden konnten.

Verpflegt wurden all die Einsatzkräfte vom DRK-Balve. Als der Ortsverband alarmiert wurde, hatten dessen Mitglieder gerade eine Großübung hinter sich, und wussten, dass die dabei verwendete Feldküche noch zur Verfügung stand.

Während einige der Helfer in Küntrop mit den nach-alarmierten DRK-Einheiten aus Werdohl und Altena zur Verfügung standen, wurde in der DRK-Unterkunft die Versorgung mit Heißgetränken und anderer Allgemeinverpflegung für alle Rettungskräfte sicher gestellt. Besonders dankbar für ein kühlendes Getränk waren die Atemschutzgeräteträger, die nach ihrem Einsatz ihre kiloschwere Ausrüstung ablegen und sich ausruhen konnten.

Am Vormittag wie gesagt war dann nur noch der Großhubwagen der Neuenrader Feuerwehr weiter vor der Fabrikhalle, der wurde zum Teil von der Kripo (die ist immer nach Bränden vor Ort) genutzt, um Fotos zu machen, überwiegend kam jedoch die Feuerwehr zum Einsatz, welche die Dachverkleidung aufmachte, um nach Brandnestern zu suchen.

Was den Brandschutz anbelangt, so gehört die Firma Muschert + Gierse sicher zu den Vorzeigebetrieben. Regelmäßige Brandschutzübungen finden hier statt. Mitarbeiter des Unternehmens sind auch bei der Feuerwehr aktiv.

Iris Middendorf, aus dem Kreis der Inhaberfamilie, ist sich sicher, dass noch mehr passiert wäre, wenn sich die Feuerwehr nicht so gut im Betrieb auskennen würde.

So waren bereits die ersten Brandmeldungen um 17 Uhr bei zwei Bereitschaftsmitarbeitern aufgelaufen und die Feuerwehr war in Bereitschaft versetzt worden. Während des Feuerausbruchs wurde nicht produziert, erst um 20 Uhr wäre die Arbeit angelaufen.

Optimismus und Tatendrang war am Montag bei Muschert + Gierse, zu spüren: Erste Maßnahmen wurden ergriffen, um die Produktion wieder anlaufen zu lassen. Und seitens der Inhaberfamilie wurde betont, das sich kein Mitarbeiter Sorgen machen müsse.

Auch bedankt man sich ausdrücklich bei der Feuerwehr, allen voran bei Einsatzleiter Carsten Runte, bei der Polizei, beim THW, beim DRK, Johannitern, der Firma Bültmann und AEZ sowie allen Mitarbeitern.

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