Bedenken und Zweifel an Windkraftanlage auf dem Kohlberg

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Bauamtsleiter Marcus Henninger erläuterte das Gesamtverfahren und die Hintergründe, welche die Stadt zur Ausweisung des Areals bewogen haben. Der Aufstellungsbeschluss war im Mai. Noch bis 4. September läuft die „Frühzeitige Bürgerbeteiligung“.

Neuenrade - 200 Meter hohe Windkraftanlagen auf dem Kohlberg. Das ist nicht nach jedermanns Geschmack und so machten einige Bürger ihren Bedenken und ihrem Ärger am Donnerstagabend bei einer von der Stadt Neuenrade anberaumten Info-Veranstaltung Luft. Und für einen Dahler schien schon jetzt klar. „Ihr werdet als diejenigen in die Geschichte eingehen, die den Kohlberg versaut haben.“

Rund 80 Bürger, viele parteipolitisch nicht unbeleckt, darunter auch etliche aus Dahle/Evingsen, die Neuenrader Verwaltungsspitze, Planer und Projektentwickler waren in den großen Saal des Kaisergartens gekommen, um sich über den aktuellen Stand der Planungen zu informieren – und zu diskutieren.

Zunächst erläuterte Neuenrades Bauamtsleiter Marcus Henninger, noch einmal die Hintergründe. Er verwies auf die Regionalplanung, die Neuenrade als Top-Areal für Windkraftanlagen ausweist und erläuterte, dass den Kommunen ein Planungsinstrument in die Hand gegeben wurde, mit dessen Hilfe eine Konzentrationsfläche für Windkraft ausgewiesen werden kann. Nur dort dürfen Windkraftanlagen dann entstehen. Bürgermeister Antonius Wiesemann dazu: „So verhindern wir eine Verspargelung Neuenrades“.

Planer der VDH Projektmanagement erläuterten dann die Planungen und Vorgehensweisen (Ausschlussprinzip nach harten und weichen Kriterien) bis zum aktuellen Verfahrensstand mit der frühzeitigen Beteiligung der Bürger und der Träger öffentlicher Belange. Und sie präsentierten die Visualisierung. Von Blickpunkten aus in Neuenrade und Dahle wurden die Windräder in die Ansichten eingearbeitet. Und in der Tat sind die Rotoren/Windkraftanlagen von Dahle aus (Niedermöllerstraße oder Dahler Schule) gut zu sehen. Den besten Blick auf die Windkraftanlage hätte man allerdings vom Neuenrader Berentrop-Parkplatz aus oder eben vom Oberen Beuler Weg. Indes: Eine Nahansicht, beispielsweise vom Quitmansturm aus, fehlte gänzlich.

Kritik gab es an einigen Darstellungen, weil die Anlagen teilweise hinter Gebüsch verborgen waren. Somit war auch schon die Fragerunde eröffnet, bei der sich zeigte, dass die Kritiker in der Mehrheit waren und häufig ihr Ansinnen mit den Worten „Ich bin ja für Windenergie, aber....“ einleiteten. Der einzige, der sich kategorisch und lautstark für die Vorrangfläche aussprach, war der Bündnisgrüne Dietrich Maurer.

Fledermäuse und Eisbrocken

Zurück zu den Kritikern, die eine ganze Latte von Fragen hatten – und das betraf eine ganze Reihe von Bedenken, die von Infraschall bis Fledermausgefährdung reichten. Überhaupt die Geräuschentwicklung nahm größeren Raum bei den Bedenken ein, ebenso der Schattenwurf. Was die Beantwortung der technischen Fragen betraf, stand dafür Joachim Schulenburg von der SL Windenergie GmbH zur Verfügung. Ein eloquenter Experte – eingeladen wegen der technischen Expertise –, der häufig Bedenken mit ein zwei Sätzen abbügelte. So könne man der Gefährdung der Fledermäuse durch Fledermausdetektoren entgegentreten. Und als Wilfried Bracht, ein Dahler, das Horrorszenario vom gesperrten Kohlberg entwarf, weil Eisbrocken von den Windanlagen durch die Gegend geschleudert würden, konterte Schulenburg mit der schlichten Abschaltung der Windenergieanlagen bei Frost.

Hier äußert ein Bürger Zweifel, ob die Neuenrader ausreichend informiert seien.

Von Infraschall wollte Schulenburg gar nichts wissen, denn auch Kühlschränke würden doch Infraschall ausstoßen. Den Hinweis auf Studien vom Umweltbundesamt zu dem Thema nahm er eher nur zur Kenntnis, sagte, dass es da noch nichts wissenschaftlich Gesichertes gäbe zu schädlichen Auswirkungen auf Menschen. Was die herkömmliche Lärmemmission – was eine Anwohnerin und auch Bernhard Peters von der FWG vorgebracht hatten – anbelangt, so räumte er natürlich ein, dass die Anlagen Geräusche machen würden. Indes – so mussten auch die Zuhörer technische Vorbildung haben, um den Ausführungen immer korrekt folgen zu können. Das scheint ohnehin ein Dilemma zu sein: Als Normalbürger mit so einer komplexen Angelegenheit konfrontiert, scheint es schwierig, sich hier ein fundiertes Urteil zu bilden. Und auch eine gesunde Skepsis gegenüber Experten kam zum Vorschein. So ließ man durchblicken, dass man ja auch von der Atomkraft gesagt habe, sie sei sicher. Und so wurde auch Schulenburg mit Skepsis angehört, auch weil er als Projektentwickler Eigeninteressen habe. Detlef Stägert (FWG) wies noch auf einen Umstand hin. Demnach stünde den Waldbauern in Affeln noch Entschädigung wegen entgangenen Gewinns zu, weil doch dort jetzt keine Windanlagen gebaut würden. Das wurde sowohl von Seiten der Verwaltung verneint als auch von Projektentwickler Schulenburg. Dort hätten eh nie Windräder gebaut werden können, wegen der aktuellen Datenlage. Eine Klage hätte der Investor verloren, deshalb habe er seine Anträge zurückgezogen.

Affeln – das war auch mehrfach ein Thema. Seitens der Altenaer gab es unterschwellig den Vorwurf von einer planerischen Verlagerung der Windkraftfläche zum Kohlberg. Doch seitens der Verwaltung wurde immer wieder bekräftigt, dass dort auch gar kein Wind-Areal möglich sein würde (wegen Schwarzstorchvorkommen und für die Luftfahrt wichtiges Drehfunkfeuer).

Zurück zum Kohlberg: Bedenken äußerten Bürger auch wegen des enormen Errichtungsaufwandes der Windkraftanlagen und des daraus resultierenden Flurschadens. Natürlich werde es Flurschaden geben, erläuterte wieder einmal Schulenburg. Aber keinesfalls würden russische Lastenhubschrauber eingesetzt. Und er versicherte auch, dass es keine Überlandleitung zur Anbindung ans Stromnetz geben würde.

Windkraftanlagen mit Bürgerbeteiligung

Immer wieder aufs Tapet kam an dem Abend die Frage nach möglichen finanziellen Vorteilen für Neuenrade. Doch hier konnte naturgemäß nicht viel von der Verwaltung kommen. Kämmerer Gerhard Schumacher verwies darauf, dass man ein Bürgerwindkraftprojekt anstrebe. Was mögliche Renditen anbelangt, so sei da noch nichts klar. Verträge würden über 25 Jahre laufen, mit Rückbauklausel, falls der Vertrag nicht verlängert werde.

Und immer wieder kam der Hinweis an die Altenaer, dass die sicher auch demnächst mit Windkraftanlagen-Investoren zu tun bekommen würden – Altena habe schließlich keine Konzentrationsfläche ausgewiesen

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