Ausschuss empfiehlt 5000 Euro Geldbuße für Friedhofsverband

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Ortstermin auf dem alten Evangelischen Friedhof in Neuenrade

Neuenrade - 5000 Euro Geldbuße für den Evangelischen Friedhofsverband Lüdenscheid-Plettenberg plus die Auflage, Ersatzpflanzungen vorzunehmen plus entsprechend Vorschriften, wie weiter mit den Bäumen auf dem alten Evangelischen Friedhof zu verfahren ist – diese Empfehlung sprach am Montagabend der Bau-, Planungs- und Stadtentwicklungsausschusses für den Rat aus.

Unisono hieß es, dass man sich so ein Vorgehen wie es die Friedhofsverwalter im Vorfeld des Ausschusses geleistet hätten, nicht gefallen lassen. Da müsse man ein Zeichen setzen.

Zum Hintergrund: Der Baumbestand des alten Evangelischen Friedhofes sollte überarbeitet werden. Die Friedhofsverwaltung stellte einen entsprechenden Antrag. Doch bevor der zuständige Fachausschuss darüber befinden konnte, war die Kappung der Bäume und Fällung diverser Bäume in Auftrag gegeben worden. Als der Bürgermeister durch einen Anruf davon erfuhr, ließ er die Arbeiten dort stoppen. Da war schon ein Baum gefällt und etliche Bäume so stark coupiert worden, dass quasi nur noch die Stämme standen.

Damals wurde ein Beschluss gefasst: Demnach sollte die Friedhofsverwaltung einen neutralen Sachverständigen beauftragen, der die Pflegemaßnahmen begleitet, dem Ausschuss sollte ein Konzept zum weiteren Verfahren vorgelegt werden und für die sechs bereits zurückgeschnittenen Bäume sollten Ersatzpflanzungen vorgenommen werden.

Das Kurzgutachten gabs von dem Baumsachverständigen Michael Birke. Der verwies darauf, dass die betroffenen Linden durch frühere Maßnahmen quasi vorgeschädigt waren und Ständer-Äste mit Kronen gebildet hätten. Wegen diverser Einfaulungen hätte man laut Gutachter die Bäume durch Rückschnitt ohnehin in verkehrssicheren Zustand bringen müssen. Das sei ja nun geschehen, das könne so fortgeführt werden, da so „gestalterisch eine Brücke geschaffen werde“ zwischen dem pflegeintensiven Baumbestand und den geforderten Nachpflanzungen. Zudem würden die Höhlungen in den Linden nach dem Beschnitt keine Gefährdung der Standsicherheit bedeuten. Der Gutachter verweist aber im Bereich des Friedhofareals nahe der Neubauten (Bahnhofstraße 43a) auf Risiken hin. Dort könnte die Standsicherheit der Bäume gefährdet sein. Genaues wisse man allerdings erst nach einem teuren Zugversuch. Insgesamt empfiehlt er, die ohnehin von der Kirche vorgenommen Maßnahmen so fortzuführen.

Montag dann hatten sich die Ausschussmitglieder im Beisein von Baumexperte Michael Birke und Vertretern des Kreiskirchenamtes auf dem Friedhof ein Bild von der Situation gemacht. Dabei zeigten sich die ehrenamtlichen Politiker zum Teil entsetzt angesichts der Stümpfe, die nach einem offensichtlich zu radikalen Schnitt übrig geblieben waren. Da habe jemand Geld sparen wollen, wurde gemutmaßt. Zudem war man erbost über die Vorgehensweise ohne Genehmigung / Begutachtung durch den Ausschuss. Das ärgert eben die Kommunalpolitiker. „Tatsachen schaffen und dann damit davonkommen wollen“, hieß es am Rande des Ortstermins.

Und eben in Sachen Baumbehandlung war man der Ansicht, dass man bei der Kappung der Bäume viel vorsichtiger hätte vorgehen müssen. Beim Ortstermin waren sich die Vertreter des Friedhofsverbandes keiner Schuld bewusst. Da habe man nach bestem Wissen und Gewissen auch im Hinblick auf die Verkehrssicherungspflicht, zum Teil in Abstimmung mit der Stadt gehandelt, hieß es gestern.

Indes: Bürgermeister Antonius Wiesemann, selbst Fachmann auf diesem Gebiet, sagte mehrfach, dass man sich mit diesem Thema gar nicht befasst hätte, wenn die Baumschnittarbeiten nicht so dermaßen radikal ausgefallen wären.

In Sachen Höhe der Geldbuße gab es im Ausschuss noch eine Debatte. Die Höhe sollte zunächst die Verwaltung festlegen, die war davon nicht so angetan, sodass letztlich im Ausschuss die Entscheidung für die 5000 Euro fiel.

Von Peter von der Beck

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