Auffällige Nitratwerte im Altenaffelner Trinkwasser

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24 Milligram Nitrat pro Liter wurden im Affelner Wasser gefunden. Der Grenzwert liegt zwar bei 50 Milligramm pro Liter, in Werdohl sind es hingegen nur 4,2 Milligramm.

Neuenrade -  Das Neuenrader Trinkwasser ist deutlich mit Nitrat belastet. Die Nitrat-Werte des Neuenrader Wassers sind dabei teils drei Mal, in einem Fall sogar fast sechs Mal so hoch wie in Werdohl.

Wird in Affeln in dem aktuellen Trinkwasserauszug von 2014 (der für 2015 liegt noch nicht vor) ein Nitrat-Wert von 24 Milligramm pro Liter gemessen, so liegt der Jahresmittelwert in Werdohl bei gerade einmal 4,2 Milligramm pro Liter. Der Grenzwert nach der Trinkwasserverordnung liegt bei 50 Milligramm pro Liter.

Was die Trinkwasserversorgung anbelangt, so sind die Neuenrader zu einem großen Teil Selbstversorger. Daten liefern die Stadtwerke: Von den rund 700 000 Kubikmetern Wasser, welche in Neuenrade verkauft werden, müssen knapp 130 000 Kubikmeter hinzu gekauft werden. Drei Tiefbrunnen und zwei Quellen fördern immerhin 570 000 Kubikmeter Wasser. Das muss natürlich in einem Wasserwerk aufbereitet werden, hinzu kommen vier Hochbehälter. Das Leitungsnetz ist mit 73 Kilometern bei 3000 Hausanschlüssen ziemlich umfassend. Zwei Druckerhöhungsanlagen und drei Pumpstationen sorgen dafür, dass immer genügend Wasser fließt.

Jährlich veröffentlichen die Stadtwerke einen Auszug aus der aktuellen Trinkwasseranalyse. Da wird das Wasser auf seine Inhaltsstoffe gecheckt. Cadmium, Quecksilber, Aluminium, Blei, Nitrat, Nitrit oder Sulfat – auf derartige Stoffe etwa wird das Nahrungsmittel untersucht und der Milligramm-Anteil pro Liter wird gemessen. Zur Einordnung gibt es dazu die Grenzwerte. Die gute Nachricht: Ob Neuenrade-Ost, Neuenrade-West, Affeln oder Altenaffeln – nirgendwo werden die angegebenen Grenzwerte überschritten. Zum Teil sind Stoffe gar nicht nachweisbar oder nur in sehr geringen Mengen vorhanden und liegen weit unter den Grenzwerten.

Beim Nitrat allerdings gibt es auffällige Werte – vor allem im Vergleich mit Werdohl. So reicht in Affeln mit 24 Milligramm pro Liter die gefundene Menge fast an die Hälfte des Grenzwertes von 50 Milligramm heran. Niedriger sind da schon die Werte in Altenaffeln (16 mg), Neuenrade-West (13 mg) oder Neuenrade-Ost (14 mg). Im Vergleich zu den Zahlen aus 2013 gibt es hier keine großartige Entwicklung. Nur in Affeln erhöhte sich der Nitrat-Anteil um einen Milligramm pro Liter.

Gesundheitsamt gibt Entwarnung

Beim Fachdienst Gesundheitsschutz und Umweltmedizin des Märkischen Kreises (Gesundheitsamt) bleibt man gelassen. Das Wasser könne man unbedenklich trinken, hieß es. Überall seien die Nitratwerte erhöht. Nitrat scheint aber nicht ganz ungefährlich zu sein. Auf der Webseite des Fachdienstes warnt der Märkische Kreis vor den Gesundheitsgefahren durch erhöhte Nitratbelastung im Trinkwasser: Nach dem Hinweis auf den Grenzwert von 50 mg/l heißt es: „(…) Im menschlichen und tierischen Organismus kann sich unter bestimmten Voraussetzungen aus Nitrat in geringen Mengen Nitrit bilden. Nitrit hemmt die Sauerstoffatmung der Zellen, in dem es eine Verbindung mit dem Blutfarbstoff eingeht. Für Erwachsene bedeutet dies keine akute Gefährdung. Bei Säuglingen kann Nitrit jedoch in den ersten Lebensmonaten den Sauerstofftransport des Blutes beeinträchtigen und zur Blausucht führen“.

Und weiter: In Säuglingsnahrung, die mit nitrathaltigem Wasser zubereitet worden sei, könne auch außerhalb des Organismus durch Bakterien „bei längerem Stehen und Wiederaufwärmen Nitrit gebildet werden“. Salat, Spinat oder Rettiche enthielten zudem natürlicherweise Nitrat, sodass die Möglichkeit besteht, über die Nahrung zu viel Nitrat aufzunehmen. Zusammen mit erhöhten Nitratkonzentrationen im Trinkwasser könne es dann zu einer übermäßigen Nitrataufnahme kommen.

Damit steige im Verhältnis auch die Entstehung von Nitrit und – unter bestimmten Voraussetzungen – auch die Bildung von sogenannten Nitrosaminen an. Tierversuche würden belegen, so heißt es in der Veröffentlichung aus 2013 des Fachdienstes Gesundheitsschutz und Umweltmedizin, dass viel Nitrosamine eine krebsauslösende Wirkung hätten. Aus Vorsorgegründen sei daher eine Verringerung der Nitratzufuhr anzustreben.

Aus dem Kreisgesundheitsamt hieß es, dass es natürlich Meldepflichten und Alarmpläne gebe. Was die Grenzwerte anbelange, so würden diese von der Trinkwasserkommission in Abstimmung mit EU-Experten festgelegt. Der aktuelle Nitratgrenzwert sei 2001 an die EG-Richtlinie angepasst worden.

Woher das Nitrat stammt, scheint Experten klar. So heißt es beim Umweltbundesamt: „Grundwasservorkommen unter landwirtschaftlich genutzten Flächen sind häufig hohen Belastungen ausgesetzt, die durch die intensive Bodennutzung verursacht werden.

Hauptproblem sind aus Sicht des Gewässerschutzes diffuse Nährstoffeinträge aus stickstoffhaltigen Düngemitteln, die häufig nicht standort- und nutzungsgerecht ausgebracht werden.

Deutliche Belastung bei mehr als 10 mg/l Nitrat

Es gibt in Deutschland ein Messstellennetz. Messwerte mit mehr als zehn Milligramm Nitrat pro Liter – wie in Neuenrade – gelten demnach als deutliche Belastung. Etwa 35 Prozent des bundesweiten Messstellennetzes weisen jene Belastung zwischen 10 und 50 Milligramm pro Liter auf. Rund 50 Prozent sind gering belastet.

Inzwischen gibt es Verordnungen für Landwirte, mit denen der Stickstoffeintrag begrenzt werden soll. Auch die Gülleauftragungstechniken werden verbessert.

Weitere Informationen finden Interessierte im Internet unter www.umweltbundesamt.de/themen/wasser/gewaesser/grundwasser/nutzung-belastungen/naehr-schadstoffe.

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