Anlageberater wegen Betrugs vor Gericht

En 40-jähriger Neuenrader muss sich jetzt vor einem Erweiterten Schöffengericht im Amtsgericht Lüdenscheid verantworten.

Neuenrade - Weil er als Mitarbeiter anfangs in die Beratungstätigkeit des in Lüdenscheid ansässigen Unternehmens eingebunden war, musste sich ein 40-jähriger Neuenrader jetzt vor einem Erweiterten Schöffengericht im Amtsgericht Lüdenscheid verantworten – gemeinsam mit einem 43-jährigen Mitangeklagten. Grundlage der Vorwürfe war ein mutmaßlicher Betrug zu Ungunsten einer Frau aus Altena.

Zu Zeiten, in denen Hauseinbrüche Konjunktur haben, ist der Sparstrumpf unter dem Kopfkissen nur ein bedingt taugliches Mittel, um Erspartes zu retten. Für viele Anleger im Märkischen Kreis und darüber hinaus wäre diese Art der Vermögensverwaltung allerdings erheblich klüger gewesen als die Investition in eine Hochrisikoanlage. Denn sie verloren in den Jahren 2010/2011 durch den Konkurs einer Kapitalanlagegesellschaft Beträge zwischen 2000 und 35 000 Euro.

Eine Frau aus Altena hatte nach der Auflösung ihrer Lebensversicherung durch den Konkurs der Anlagegesellschaft rund 5000 Euro verloren. Im Amtsgericht stellte sie sich aber vor den Neuenrader Mitarbeiter des Lüdenscheider Beratungsbüros: „Ich kann nichts Schlechtes über ihn sagen.“ Er habe sie im Rahmen einer Rundum-Betreuung sogar über die Möglichkeit aufgeklärt, einen Kinderzuschlag zu beantragen.  „Fühlen Sie sich betrogen, oder sagen Sie sich ‚falsch investiert’?“, wollte Richter Jürgen Leichter wissen. Sie fühle sich eher von der Kapitalgesellschaft als von deren Mitarbeitern betrogen, entgegnete die Zeugin.

Der Neuenrader Anlageberater erklärte, dass er selbst den Versprechungen der Kapitalgesellschaft erlegen sei. „Auf den ersten Blick passte das“, antwortete er auf die Frage, ob er denn ein Verlustrisiko gesehen habe. Und er erklärte das scheinbar so verlockende Geschäftsmodell: Kunden, die unzufrieden mit den Erträgen ihrer Lebensversicherungen und Bausparverträge waren oder von den Beratern gemacht wurden, kündigten ihre Verträge und legten die freigewordenen Beträge neu an. „Warum sollte ich mich von meiner Lebensversicherung trennen?“, lautete die Frage auf dem Werbeprospekt.

Bei den Beratungsterminen wurde ein Werbefilm der Fondsgesellschaft gezeigt, die für ihr Geschäftsmodell warb: Angeblich sollten sanierungsbedürftige Gebäude günstig erworben, renoviert und gewinnbringend weiterverkauft werden. Den Kunden wurde vorgegaukelt, dass selbst bei einem Konkurs dieser Gesellschaft ihre Einlagen sicher seien. Doch die Behauptung, dass die Ausfallversicherung in diesem Fall zahlen würde, erwies sich als trügerisch.

Zwei Verfahren werden eingestellt

Einiges sprach dafür, dass der Angeklagte aus Neuenrade zunächst an dieses Geschäftsmodell glaubte. Dass er selber aber schnell wieder ausstieg aus dem Geschäft, deutet darauf hin, dass er tatsächlich Konsequenzen aus seinem aufkeimenden Misstrauen zog. Das Gericht stellte das Verfahren gegen ihn deshalb ohne Auflagen ein.

Eingestellt wurde auch das Strafverfahren gegen seinen 43-jährigen Mitangeklagten, der erheblich mehr Kunden betreut hatte. Weil er dabei mutmaßlich seine Sorgfaltspflichten verletzt hatte, muss er allerdings eine Geldauflage von 3000 Euro zahlen. Gar nicht vor Gericht erschienen war der 69-jährige Hauptangeklagte, der nach Aussage aller Zeugen die Verkaufsgespräche maßgeblich geführt hatte. Über seinen Aufenthaltsort gibt es nur Spekulationen, die von Altena bis Paris reichen.

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