Alte Apothekengefäße für einen guten Zweck 

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Bernd Buntenbach und Dr. Sven Simons präsentieren hier Tonkrüge aus ehemaligem Apothekenbestand.

Neuenrade - Original Apothekengefäße können am verkaufsoffenen Sonntag am einstigen Standort der Gertruden-Apotheke, direkt neben der Gertruden-Passage, erworben werden.

Für Freunde und Anhänger des promillehaltigen Buba-Bitter dürfte der Erwerb von besonderem Interesse sein: In einigen der Gefäße war als flüssiges Endprodukt der Buba-Bitter gelagert, jener Kräuterschnaps, der seit Jahrhunderten bei den Neuenradern und den Besuchern des Gertrüdchens beliebt ist.

Mit dem 2008 erfolgten Verkauf der Gertruden-Apotheke an Alexandra Simon wurde die formelle Übergabe vollzogen. Für den langjährigen Betreiber Bernd Buntenbach blieb dennoch einiges an „Aufräumarbeit“ übrig, es sind Dinge aus dem Arbeitsalltag der Apotheker, von dem er sich nicht so einfach trennen konnte und auch nicht wollte. Dazu zählen die original Apothekengefäße aus Glas, Porzellan, Ton oder auch Mörser, die zur Aufbereitung von Medizin dienten. Aus drei Apothekengenerationen stammen die etwa 100 Gefäße, die Bernd Buntenbach am Sonntag im Raum der einstigen Apotheke verkaufen will. „Da hängt einfach zuviel Herzblut dran, um diese Dinge in den Glascontainer zu werfen, also werden wir sie verkaufen und den Erlös einem gemeinnützigen Zweck in Neuenrade zuführen“ ist seine Entscheidung gefallen.

Wenn Bernd Buntenbach von seinen Vorgängern spricht, dann mit dem erforderlichen Respekt und gebührender Achtung. 1912 war es der Apotheker August Münninghoff, der in der I. Straße die Gertruden-Apotheke betrieb. Ihm folgte 1927 Alfons-Maria Münninghoff (der Großvater von Bernd Buntenbach) und 1952 war es Vater Karl Buntenbach, der die Apotheke übernahm und 1986 seinem Sohn Bernd übergab.

Es ist ein Stück Gertruden-Historie, das am Sonntag käuflich erworben werden kann. In den zurückliegenden Tagen hat Bernd Buntenbach zusammen mit dem Apotheker Dr. Sven Simon nochmals die Gefäße gesichtet, einer weiteren Nutzung im Apothekenalltag können die Originalgefäße aber nicht zugeführt werden, auch wenn sie in geringer Stückzahl als Dekoration in den Neuenrader Apotheken ihren Platz gefunden haben. So richtig von diesen Gefäßen zu trennen mag sich niemand aus dem Berufsstand der Apotheker.

Die Herstellung des Buba-Bitter bleibt weiterhin das Geheimnis der Apotheke, auch wenn sich im Laufe der Jahre viele Anekdoten und Geschichten um den Kräuterschnaps gerankt haben. Allerdings lüfteten sowohl Dr. Sven Simon als auch Bernd Buntenbach dem Autor gegenüber etwas den Schleier der geheimnisvollen Exklusivität: Eine der ungenannten Zutaten, so Dr. Simon unter dem Siegel der Verschwiegenheit, ist die Arznei Engelwurz (einer Pflanzenart innerhalb der Familie der Doldenblütler), die auf der nördlichen Halbkugel als Volksmedizin verwandt wird. Und auch Bernd Buntenbach zeigte sich als Ur-Neuenrader noch aufgeschlossener. Erstmals präsentierte er in einer durchsichtigen Plastiktüte kleingehackte Kräuter und verriet, dass sich „dieses Kräutergemisch aus 18 Kräutersorten zusammensetzt.“ Die Mixtur wird mit dann Alkohol gestreckt und als 32-prozentiger Schnaps auf Gertrüdchen angeboten.

Der Verkauf der originalen Apothekengefäße erfolgt am Sonntag zwischen 13 und 18 Uhr am alten Standort der Gertruden-Apotheke. Der Erlös wird dem Förderverein Freibad Neuenrade zur Verfügung gestellt, sobald dessen Gründung im Sinne des Vereinsrechts erfolgt ist.

Von Udo Schnücker

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