Schalke-Tassen: Daraus wird natürlich nicht getrunken

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Volker Pfeiffer präsentiert eine Auswahl seiner Schätze: Die rechte Tasse ist die Erste seiner Sammlung und die Tasse links ist eine Sonder-Edition nach dem Uefa-Cup-Sieg und hat das Mannschaftsfoto mit dem Europa-Pokal als Motiv.

Neuenrade - Nein, getrunken wird nie daraus. Und auch gespült werden die Schätze niemals. Geschützt in einer Vitrine stehen sie – die 80 Schalke-04-Tassen, die der Affelner Volker Pfeiffer inzwischen angesammelt hat. Geplant war das ursprünglich gar nicht.

„Die erste Tasse habe ich Anfang der 80er-Jahre gekauft“, erzählt der 53-Jährige. „Die hat Jahre da gestanden, war lange alleine“, erinnert sich der Fußballfan. Und irgendwie ergab es sich auch, dass er nie seinen Kaffee darin füllte. Dann kam 1997 der Sieg des Uefa-Cups und die dazu herausgebrachte Sondertasse. 2001 und 2002 kamen zwei DFB-Pokalsiege und somit weitere Tassen dazu.

„Ab da habe ich gedacht: Die kann ich ja auch sammeln“, erinnert sich Pfeiffer, wie sich mehr oder minder zufällig seine Leidenschaft entwickelte. Unterdessen hat der in Werdohl geborene und in Neuenrade aufgewachsene Schalker 80 Pötte und Becher in seiner Vitrine stehen. Das heißt: Der Glasschrank ist längst mehr als voll. Ein paar Exemplare seiner Sammlung stehen schon rund um den Trophäenschrank.

Pfeiffer holt sein erstes Exemplar aus dem Schrank, verweist darauf, dass das Logo des Vereins seines Herzens damals noch mit drei schmalen und nicht nur einem dickeren Ring umrundet war. Und er betont auch die Rundungen dieses Premieren-Bechers: „Das Teil hat noch eine richtige Tassenform, das können die doch heute gar nicht mehr“, spöttelt er.

Sein Blick fällt auf einen Kaffee-Pott in seinem Schrank. Darauf zu sehen ist das Konterfei des ehemaligen Gelsenkirchener Torwarts Manuel Neuer. „Den will ich eigentlich immer noch mal zukleben“, gesteht er mit einem Grinsen. Nicht jede Tasse gefällt ihm also. Eine hat er sogar bewusst gar nicht erst gekauft. „Darauf war das Logo vom Sponsor Gazprom und in kyrillischer Schrift stand da ‘Glück auf’, oder so. Die fand ich hässlich.“ Ob er denn eine Lieblingstasse habe? Der 53-Jährige überlegt lange, schüttelt dann den Kopf und sagt: „Nein, eigentlich nicht.“

Pfeiffer ist also kein Komplettist. Das liegt auch daran, dass er nicht weiß, wie viele offizielle Schalke-Tassen es überhaupt gibt. „1999 bin ich Mitglied auf Schalke geworden. Da habe ich dann mit einer Frau in der Verwaltung telefoniert. Die hat mir die Frage aber auch nicht beantworten können“, erläutert er. Neben offiziellen Tassen hat er auch noch eine von seinem Fanclub: Bei Königsblau Werdohl gehört Pfeiffer sogar zum Vorstand.

Dann holt er ein dunkelblaues Exemplar aus dem Schrank: „Nullvier“ steht darauf. „Dafür bin ich extra ins Theater gegangen“, erzählt Pfeiffer. Nur bei der Musical-Aufführung 2003/04 im „Musiktheater im Revier“ gab es diesen Becher. Andere Schätze hat er bei einem Internet-Auktionshaus ersteigert. „Bis zu 20 Euro bin ich bereit, für eine Tasse zu zahlen. Aber alle, die da angeboten werden habe ich schon“, sagt er und lacht.

Sein erster Schalke-Kaffee-Becher könnte also nicht sein ältester sein. Pfeiffer weiß es nicht. Ärger mit seiner Frau Angelika bekommt der zweifache Großvater wegen der wachsenden Sammlung nicht. „Sie interessiert sich nicht für Fußball, hat keine Ahnung davon. Aber sie sieht meine Leidenschaft gelassen.“ Selbst sammele sie Puppen.

Limitierte Auflage mit Fischer Autogramm

Manche seiner Schmuckstücke sind mit Mannschaftsfotos oder den aufgedruckten Autogrammen der vormaligen Spieler versehen. Eine besondere Unterschrift hat der Neuenrader aber selbst ergattert. Er holt hinter der Vitrine einen zusammengerollten Din-A2 Kunstdruck hervor. Das Bild, nur in 2000er-Auflage erschienen, zeigt Klaus Fischer bei seinem berühmten Fallrückzieher, dem Tor des Jahrhunderts, erzielt am 16. November 1977 beim Länderspiel Deutschland gegen die Schweiz. Ende der 80er- und Anfang der 90er-Jahre war Fischer als (Co-)Trainer auf Schalke. „Genau zu der Zeit verkaufte der Maler die Kunstdrucke vor dem Parkstadion“, blickt Pfeiffer zurück. „Und 15 Minuten, nachdem ich einen gekauft hatte, bin ich hinter der Haupttribüne Fischer in die Arme gelaufen. Ich bin wohl der einzige, der dieses Bild mit Original-Autogramm besitzt.“

Doch sein wertvollster Schatz ist das für ihn nicht: „Wenn ich mal in Not gerate, verkaufe ich das alles – außer den Tassen“, stellt er klar. Viele Euros könnte Pfeiffer dann wohl auch für sein erstes Schalke-Trikot verlangen. Es stammt aus den 70er-Jahren, zeigt das Vereins-Logo und sonst nichts: „Rückennummern und Sponsoren gab es damals noch nicht.“

1975 – Pfeiffer war 13 Jahre alt – „war ich erstmals im Stadion: 5 zu 1 gegen Rot Weiß Essen“. Ein Nachbar hatte ihn mitgenommen. Weder Vater noch Opa hatten seinen Fußballgeschmack geprägt. „Wo das her kommt, weiß ich nicht, aber ich war schon in der E-Jugend Schalker.“

Urlaub für eine Tour zu internationalen Spielen nimmt sich Pfeiffer nicht. Doch auch so war er schon in Berlin, oder etwa bei einem Freundschaftsspiel in Amsterdam. Sein Team im Stadion zu unterstützen, gehört für ihn dazu. „Damals das 6 zu 6 im Pokal, der kleine Zweitligist gegen die großen Bayern, das war mein schönstes Spiel“, schwärmt er noch vom 2. Mai 1984.

Bereits in der Saison 1980/81 erlebte er das für ihn wohl kurioseste Spiel: ein Derby gegen die schwarz-gelben Erzrivalen. Nach dem Spiel gab es viele Schlägereien. Und als Pfeiffer zu seinem Wagen zurück kehrte, fehlte seinem ersten Auto, einem Kadett C, die Windschutzscheibe, die war eingeschlagen, wohl wegen des blau-weißen Wimpels am Rückspiegel.

„Ich ging zur Polizeiwache, aber die meinten, sie hätten keine Zeit für mich, ich sollte nach Hause fahren, mich dort auf der Wache melden“, berichtet der Affelner. „Die Polizeistation in Gelsenkirchen hatte seinerzeit Flügeltüren. Davor standen Beamte, die schmissen da in einer Tour Fans beider Lager durch. Drinnen standen Polizisten, die stießen die dann – je nach Fanlager – weiter nach links oder rechts.“

Also begab sich Pfeiffer mit seinem 52-PS-Gefährt auf die Autobahn Richtung Sauerland. „Mein Beifahrer legte seine Beine raus auf die Motorhaube. Immer, wenn wir einen überholten, sahen wir offen stehende Münder und staunende Gesichter“, amüsiert sich der Schalke-Fan noch heute.

- Von Michael Koll

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