63-Jährige wegen Betrugs verurteilt

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Mehrere Verfahren wurden gegen eine 63-Jährige eingestellt, da es noch weitere, wichtigere Vorwürfe gab.

Altenaffeln - „Geflüchtet“ aus Neuenrade, „glücklich geschieden“ und „nichts mehr mit Tieren zu tun“ – einiges hatte sich geändert im Leben einer 63-Jährigen, die einst in Altenaffeln einen Reiterhof betrieben hatte. Beschwerden von Anwohnern, dass die Pferde auf dem Hof nicht artgerecht gehalten würden, sorgten dafür, dass sich das Kreisveterinäramt in die Angelegenheit einschaltete.

Auch der Tierschutzverein Plettenberg engagierte sich. Die damals erhobenen Vorwürfe wurden jetzt allerdings endgültig zu den Akten gelegt: Richter Dirk Reckschmidt stellte im Amtsgericht Altena das Verfahren wegen eines angeblichen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz ein, weil es andere, gewichtigere Tatvorwürfe gegen die Angeklagte gab.

Oberstaatsanwalt Dr. Gerhard Pauli fasste kurz zusammen, was damals passiert war: „Es entsteht der Eindruck, dass die Angeklagte mit den Dingen, die sie ins Leben gerufen hatte, überfordert war.“ Der Ankläger kritisierte allerdings auch die Kampagne gegen die ehemalige Pferdehof-Betreiberin: „Sie wurde verfolgt von Tierschützern, die ihr das Leben schwer machten.“ Die 63-Jährige berichtete von einer regelrechten „Flucht“ aus Neuenrade, von Knüppeln, die ihre Gegner ihr noch beim Verkauf des Hofes zwischen die Beine geworfen hätten.

Neben dem angeblichen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz warf ihr die Anklage auch Betrug vor: Obwohl sie nicht mehr in Altenaffeln wohnte, habe sie über die dortige Adresse noch Sozialleistungen bekommen – insgesamt knapp 11 800 Euro. Die Angeklagte rechtfertigte sich. Sie habe zwischen Februar 2012 und August 2013 zwar nicht mehr dauerhaft auf dem Hof gewohnt, aber dort noch eine Wohnung mit zwei Zimmern gehabt.

Auch dieses Verfahren wurde schließlich eingestellt mit Blick auf einen weiteren Betrug, den die Angeklagte ungeteilt einräumte: Um die Pferde an ihrem neuen Wohnort Grevenbroich unterbringen zu können, mietete sie dort am 1. April 2012 eine Wohnung und Stallgebäude an.

Sie hätte allerdings wissen müssen, dass sie als Bezieherin von öffentlichen Sozialleistungen nicht 1500 Euro Miete monatlich würde zahlen können. So blieb es bei vereinzelten Zahlungen an den Vermieter, der bis April 2014 auf einem Fehlbetrag von rund 20 000 Euro sitzenblieb. „Sie wussten, dass Ihre finanzielle Lage angespannt war, als Sie den Hof anmieteten“, stellte der Oberstaatsanwalt fest und fragte besorgt nach: „Haben Sie noch etwas mit Tieren zu tun?“ Die Antwort der 63-Jährigen war eindeutig: „Nein!“

Richter Dirk Reckschmidt folgte schließlich dem Strafantrag des Vertreters der Anklage und verurteilte die Angeklagte zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 20 Euro. Die 63-Jährige akzeptierte das Urteil und verzichtete auf weitere Rechtsmittel.

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