Marihuana für Eigenkonsum angebaut

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Ein Neuenrader wurde jetzt wegen des unerlaubten Anbaus von Marihuana in seinem Haus verurteilt.

Neuenrade - Schwere Rückenbeschwerden, eine überwundene Krebserkrankung, Hepatitis C, dazu psychische Probleme von Depressionen bis zu einer Angststörung – es gab einige Gründe für einen 35-jährigen Neuenrader, zu schmerzlindernden und angstlösenden Mitteln zu greifen.

Pech für ihn, dass der Konsum der von ihm bevorzugten Cannabis-Produkte in Deutschland immer noch weitgehend verboten oder unter Auflagen sehr teuer ist. So baute der ehemalige Maurer kurzerhand Marihuana-Pflanzen im Wohnzimmer, Schlafzimmer und Keller seines Hauses an.

Mitte Dezember 2014 verdarb die Polizei ihm das Weihnachtsfest und stellte den Ertrag von zwölf Pflanzen, insgesamt 292 Gramm Marihuana, sicher. Jäh beendet wurde auch das Wachstum von weiteren 14 Pflanzen, die einen Ernteertrag von etwa 350 Gramm erwarten ließen. „Auch diese Pflanzen wären vom Angeklagten gewinnbringend weiterverkauft worden“, warf Staatsanwältin Beatriz Föhring dem Neuenrader nicht nur Anbau und Besitz, sondern auch Handel mit der „weichen“ Droge in nicht geringer Menge vor. Der widersprach vehement: „Das ist für den Eigenkonsum bestimmt gewesen. Davon hat nie etwas das Haus verlassen.“ Die Plantage war von der Polizei mitsamt Zubehör beschlagnahmt und mitgenommen worden.

Vor Gericht entzündete sich ausgerechnet an der Frage der Rückgabe einer Enzyklopädie über Cannabis die Frage, ob der Angeklagte dem Marihuana-Konsum abgeschworen habe. Denn er bestand darauf, das Werk zurückzuerhalten: „Mein Buch will ich wiederbekommen.“ Die Staatsanwältin warf ihm daraufhin fehlende Einsicht in die Strafbarkeit seines Handelns vor.

Doch es war nicht der Tag, um dem Angeklagten mit der Drohung einer vollstreckbaren Haftstrafe eine Gesinnung aufzuzwingen, die er offenbar nicht hatte. Und das mit gutem Grund: Denn die dem Angeklagten derzeit aufgezwungene Schmerztherapie besteht aus regelmäßigen Methadon-Gaben – ein Stoff, der erheblich schädlicher ist als Marihuana. Auch die teilweise Freigabe von Marihuana für Schmerzpatienten helfe seinem Mandanten nicht, erklärte Rechtsanwalt Ulrich Schorner nach der Verhandlung.

Auch mit einer Ausnahmegenehmigung dürfe man Cannabis nicht selber anbauen. Die einzige Möglichkeit sei der sehr teure Ankauf. Dafür habe sein Mandant aber nicht die Mittel. „Ich kann es mir nicht erlauben“, beteuerte der 35-Jährige. „Das ist unmöglich wegen der Apothekenpreise.“ So endete ein Verfahren, das eine ärgerliche Gesetzeslage offenbarte, mit der Verurteilung des Angeklagten. Staatsanwältin Beatriz Föhring beantragte 18 Monate Haft ohne Bewährung. Sie sah angesichts von sichergestellten 1640 Konsumeinheiten den Handel mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge als erwiesen an. Außerdem hielt sie es für unwahrscheinlich, dass der Angeklagte in der Bewährungszeit auf den Konsum von Cannabis-Produkten verzichten werde.

Das Schöffengericht sah das anders, obwohl auch Richter Dirk Reckschmidt die fehlende Überzeugung des Angeklagten wahrgenommen hatte: „Zumindest das Gericht hat den Eindruck, dass in der Bewährungszeit keine weiteren Straftaten passieren.“ Ein Jahr und sechs Monate auf Bewährung lautete schließlich das Urteil.

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