21-Jähriger wegen Kinderpornos verurteilt

Neuenrade - Wer kinderpornographische Darstellungen sammeln will, findet dafür im Internet ein unverändert reiches Betätigungsfeld. Diese Erkenntnis gehörte zu den erschreckendsten des Strafverfahrens gegen einen 21-jährigen Neuenrader im Amtsgericht Altena.

Von Thomas Krumm

In einem nicht mehr exakt feststellbaren Zeitraum, der am 10. September 2014 mit einer polizeilichen Durchsuchung seiner Wohnung endete, sammelte der junge Mann stattliche 5110 kinderpornographische Bilder und 137 Videodateien. Die Staatsanwältin sprach in ihrer Anklageschrift Klartext über die Art der Bilder. Die Spannweite reichte von aufreizend posierenden Mädchen ab sechs Jahren bis zu nur wenig älteren Kindern, die bei sexuellen Handlungen mit erwachsenen Männern fotografiert und gefilmt wurden.

Angesichts des reichen Beweismaterials, das die Ermittler auf einem Computer des Angeklagten sichergestellt hatten, gab es kaum eine Alternative zu einem umfassenden Geständnis. Kleinlaut gab der Angeklagte zu, „dass das so war“. Die Geschichte sei ins Rollen gekommen, nachdem ihm „jemand“ über den Kurznachrichtendienst ICQ Dateien mit kinderpornographischen Bildern geschickt habe. „14 Bilder aus dem Nichts“ seien eines Tages auf seinem Rechner aufgetaucht. „Ich habe sie - ohne mir etwas dabei zu denken - weiterverteilt“, gestand der 21-Jährige. „Es war mir nicht bewusst, was das für Konsequenzen hat.“

So etwas müsse man ja auch zulassen, bemerkte einer der beiden Schöffen angesichts der Tendenz des Angeklagten, die Bilder als etwas zu betrachten, was ihm irgendwie unverschuldet und in großer Ahnungslosigkeit zugelaufen war. Das Strafverfahren hatte den emsigen Sammler schon ein wenig aufgeklärt: „Ich bereue es zutiefst. Harte Sache, die ich da gemacht habe.“

Richter Dirk Reckschmidt erinnerte an die Opfer derartig aus dem Ruder geratener Lüste: „Da sind ja auch Kinder, die das wirklich ausführen. Das verursacht Schäden, die wir uns gar nicht vorstellen können.“ Sorgen machten nicht nur dem Richter, sondern allen Prozessbeteiligten die offenbar vorhandenen pädophilen Neigungen des Angeklagten.

Neben der zu verhängenden Strafe ging es deshalb vor allem um eine therapeutische Betreuung des 21-Jährigen durch den Verein „Die Brücke“ in Dortmund. Dessen Therapeuten bieten fachdiagnostische und therapeutische Hilfe für Sexualstraftäter und entsprechend Gefährdete. Drei Monate dauere dieser Prozess mindestens, hieß es.

Haft zur Bewährung ausgesetzt

Das Jugendschöffengericht machte sich seine Entscheidung nicht leicht und beriet lange. Neun Monate Jugendstrafe auf Bewährung lautete schließlich das Urteil, das zwischen dem Antrag der Staatsanwältin („ein Jahr“) und dem von Strafverteidiger Ralf Mitschke („sechs Monate“) lag. Vor allem die „nicht mehr nachvollziehbare Masse“ des Materials wirkte dabei strafverschärfend.

Auf der anderen Seite lag das uneingeschränkte Geständnis des Angeklagten in der Waagschale: „Es ist immer gut, wenn man sich dieses Material gar nicht erst anschauen muss“, sagte der Richter. Nun müsse geklärt werden, warum der 21-Jährige so etwas gemacht habe. Der entsprechende therapeutische Prozess wurde dem Angeklagten deshalb als Bewährungsauflage verordnet. Auch den daraus erwachsenden Empfehlungen müsse er nachkommen.

Der 21-Jährige nahm das Urteil sofort an. Da auch die Staatsanwältin auf weitere Rechtsmittel verzichtete, wurde die Entscheidung sofort rechtskräftig.

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