Seltenes Jubiläum: 50 Jahre in einem Unternehmen

In Präzisionsarbeit hat Wolfgang Michel 50 Jahre lang Ziehsteine für die Drahtindustrie angefertigt. Jetzt steht er vor dem Eintritt ins Rentenalter, will aber seinen Nachfolger noch einarbeiten. Foto: Griese

Nachrodt-Wiblingwerde - „Von Ziehsteinen muss mir keiner etwas erzählen“, versichert Wolfgang Michel. Man darf es dem 64-Jährigen glauben, dass er alles darüber weiß. Seit 50 Jahren fertigt er solche Umformwerkzeuge für Drahtzieher an. Am Mittwoch feierte er in der Firma M+S Kayser in Nachrodt sein goldenes Arbeitsjubiläum.

Von Volker Griese

An seinen ersten Arbeitstag bei der Firma Wilhelm Kayser KG in Nachrodt hat Wolfgang Michel keine Erinnerung mehr. Kein Wunder, liegt der doch schon ein halbes Jahrhundert zurück. Als 14-Jähriger hat Michel seine Ausbildung zum Diamantziehsteinmacher bei dem Unternehmen begonnen, dem er bis zu seinem Renteneintritt die Treue halten wird. „Klar habe ich mich zwischendurch auch einmal geärgert, aber eigentlich hat es mir hier immer gefallen“, blickt er zurück. Michel, nach eigenen Worten ein „Ur-Nachrodter“, hat alle Höhen und Tiefen seines Arbeitgebers mitgemacht: Die Expansion des Unternehmens in den 1960er und 70er Jahren, den Umzug in den Neubau an der Altenaer Straße, aber auch die spätere Insolvenz im Jahr 2006 und den Verkauf an den neuen Investor, verbunden mit der Umfirmierung in M+S Kayser. Mittlerweile hat Michel mit Geschäftsführer Jürgen Siedler den vierten Chef, und er hat „200, vielleicht auch 300 Kollegen“ kommen und gehen sehen. Genau kann der Mann, den seine Freunde und Kollegen „Bobby“ nennen, das nicht sagen. 50 Jahre sind eben eine lange Zeit.

Wolfgang Michel hat bei der Firma Wilhelm Kayser eine fundierte Ausbildung erhalten. „In den drei Lehrjahren habe ich alles gemacht, was ein Werkzeugmacher eben so machen muss“, sagt er und meint damit, dass sich seine Lehrjahre eben nicht auf die typischen Arbeiten des Ziehsteinmachers beschränkt haben. Vielleicht ist ihm das später zugute gekommen. „Ich habe mich dann zu einem Spezialisten für Profilziehsteine gemausert“, blickt er nicht ganz ohne Stolz auf seine berufliche Entwicklung zurück. Unzählige Ziehsteine für Drähte zwischen 0,5 und 90 Millimeter Stärke hat er in fünf Jahrzehnten angefertigt. „Zum Schluss ist ist das immer noch Handarbeit, das kann keine Maschine“, sagt Michel, der sich jetzt ganz allmählich auf seinen Ruhestand vorbereitet. Noch gut ein Jahr, vermutet er, werde er noch arbeiten gehen. Auf der beruflichen Zielgeraden will er noch seinen Nachfolger einarbeiten. Christopher Bastian heißt der junge Kollege, der einmal Michels Job übernehmen soll. Ein Arbeitsjubiläum, wie es sein Vorgänger feiern konnte, wird er wohl nicht erreichen.

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