Windkraft-Investoren: „Keine Renditehaie“

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Ulrich Vogel, Franz Spelsberg und Jörg Kohberg (v. links) stellten sich den AK-Fragen.

Nachrodt-Wiblingwerde -  Wer steckt hinter „Naturstrom Veserde“? Sind es Renditehaie, die das Örtchen Veserde verschandeln wollen? Und warum spaltet das Thema Windkraft die Menschen? Nichts zu verbergen haben Franz Spelsberg, Ulrich Vogel und Jörg Kohberg, die gestern im AK-Interview auf Transparenz setzten.

„Natürlich sind wir auf der einen Seite Investoren, aber nichtsdestotrotz haben wir auch eine Verantwortung gegenüber der regionalen Situation, dem Eingriff in die Natur und der Beeinträchtigung für die Bürger“, sagt Franz Spelsberg, Landwirt aus Veserde, der bereits zwei Windkraftanlagen (von den drei vorhandenen) betreibt. Er ist es auch, der am nächsten zu den zwei neu gewünschten Windrädern wohnt: „Ich hatte kein Interesse daran, so etwas an einen Fremdinvestor zu verpachten, sondern ich wollte es selbst mit Freunden und Bekannten machen.“ Und so besteht die für das Bauvorhaben verantwortliche Betreibergesellschaft jetzt aus insgesamt 26 gleichberechtigten Teilhabern zwischen 18 und 78 Jahren, wovon viele in der Doppelgemeinde wohnen.

„Es sagt überhaupt niemand etwas Negatives zu mir. Alle grüßen auch noch“, meint Franz Spelsberg auf die Frage, ob denn tatsächlich, wie auf der Bürgerversammlung behauptet, ein Riss durch Veserde gehe. „Von der Stimmungslage war es vor zwei Jahren wesentlich extremer“, findet auch Ulrich Vogel. Es seien zudem auch mehr Hohenlimburger als Veserder bei der Versammlung gewesen. Davon abgesehen, solle man sich auf die Fakten statt auf Emotionen konzentrieren.

Zum Vorwurf der „Windgegner“, warum es denn nicht auch kleinere Anlagen tun würden, entgegnen Spelsberg, Kohberg und Vogel: „Wir wollen doch keine 200 Meter hohen Anlagen bauen, um eine einvernehmliche und naturverträgliche Lösung zu schaffen.“ „Naturstrom Veserde“ habe es übrigens verhindert, dass ein Fremdinvestor aus dem Westfälischen, der zeitgleich einen Bauantrag gestellt habe, 200 Meter hohe Windräder hätte bauen können. „Wir haben ihm sozusagen den Bauantrag abgekauft“, sagt Ulrich Vogel.

Dass die Höhe eine nicht unwesentliche Rolle spielt, erklärt Jörg Kohberg: „Pro Meter macht das ungefähr einen halben Prozent Energieertrag aus. Wenn man 50 Meter höher bauen würde, wären das 25 Prozent. Wir haben also den anderen Fremdinvestor verhindert und uns auch selber beschränkt in der Höhe.“ Für den Bau der geplanten Anlagen könne man die Waldwege nutzen, man holze auch nichts ab. „Natürlich ist es ein Eingriff in die Natur, aber es hält sich im Rahmen“, sagt Franz Spelsberg. Auch die Ausgleichsflächen, die man zur Verfügung stellen müsse, seien positiv zu bewerten: Kyrill-Flächen würden gewandelt in Laubwald.

Sechseinhalb bis sieben Millionen Euro: Das ist die Summe, die die Betreibergesellschaft investiert. „Jeder von den 26 übernimmt den gleichen Anteil, alle haben das gleiche Stimmrecht.“ Es seien übrigens nicht die „reichen Leute“, die auf Kosten der Veserder-Idylle tätig würden.

Das Risiko? „Die Energieeinspeisevergütung wird stark reduziert und weiter runtergefahren. Und letztendlich ist man auch verantwortlich, den Strom, den man erzeugt, zu verkaufen“, erklärt Ulrich Vogel. Und Jörg Kohberg ergänzt: „Je später der Bauantrag genehmigt wird, umso weniger die Rendite.“ Wenn der Rat der Gemeinde ablehne und der Märkische Kreis ebenso, müsse man ins Klageverfahren. „Ich habe das alles schon mal durchgemacht mit meiner zweiten Anlage“, erzählt Franz Spelsberg. „Beim Oberverwaltungsgericht Münster hat es im Jahr 2004 die Entscheidung gegeben, dass der Kreis zustimmen muss.“ Und auch heute sei es rechtlich korrekt, was man anstrebe.

„Mein entscheidender Punkt ist: Ich weiß, dass wir viel Strom brauchen, und der muss irgendwo herkommen. Und ich bin absoluter Gegner von Kernkraft. Wir reden von Umwelt, von Umweltveränderungen, wir fahren alle Auto und sind alle keine Heilbringer, aber für so gravierende Maßnahmen wie Stromerzeugung müssen wir etwas tun und können es nicht immer weiter rausschieben. Ich stehe hinter der Windkraft“, erklärt Ulrich Vogel, der natürlich wie auch die anderen Investoren Geld mit dem Bau der Windräder verdienen möchte.

Nicht verstehen können die Investoren, dass es Windkraftgegner in der Gemeinde gibt, die „auf der einen Seite in Windkraftanlagen in Norddeutschland investieren, aber hier dagegen sind und sie nicht vor der Haustür haben wollen. Das ist doch wirklich schwer zu verstehen.“

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