Wildschweine an der Schmalsgotte

Wildschweine verwüsten Garten in Nachrodt

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Wildschweine haben einen Garten an der Schmalsgotte verwüstet

Nachrodt-Wiblingwerde - „Gott sei Dank habe ich keinen englischen Rasen“, sagt Martin Ganswind und nimmt es mit Humor, dass sein Garten wie ein alter Acker aussieht. Wildschweine haben seinem Grundstück an der Schmalsgotte einen Besuch abgestattet. „Meine ganze obere Wiese ist kaputt.“ Kein Einzelfall. „Die Jäger tun ihr Bestes“, versichert Ordnungsamtsleiter Axel Boshamer. Allerdings gibt es auch besorgte Bürger, die Schüsse hören und aus Sorge vor Terroranschlägen die Polizei rufen.

 Irgendwann in der Nacht müssen die Wildschweine bei Martin Ganswind gewütet haben. „Ich wohne nah am Wald. Da kann das schon mal passieren“, weiß der Nachrodter, dessen Grundstück etwa 900 Quadratmeter groß ist. Dass Wildschweine in der Gemeinde großen Schaden anrichten, ist nichts Neues. Auch die evangelische Kirchengemeinde hatte erhebliche Probleme auf dem Friedhof und deshalb einen Elektrozaun angeschafft.

So eine Maßnahme kommt für Martin Ganswind nicht in Frage. „Ich habe ja kleine Kinder.“ Die Wildschweine nehmen auf Rasen oder Gärten keine Rücksicht. Im vergangenen Jahr, so Martin Ganswind, hatte sein Nachbar Wildschweine in seinem schön angelegten Vorgarten.“ Lustig sei das alles nicht. „Aber dafür wohnt man auf dem Land, sonst könnte man ja auch nach Köln ziehen.“

Dass seine Kinder allerdings schon eine Begegnung mit einem Wildschwein hatten, verschweigt er auch nicht. „Das Wildschwein stand im Vorgarten und grunzte. Meiner Kinder sind dann schnell wieder ins Haus gelaufen.“ Da war die Kuh im Garten nicht ganz so unheimlich. Martin Ganswinds Frau hat nach dem jüngsten Vorfall die Hände über den Kopf zusammengeschlagen. „Es sieht ja auch wirklich heftig aus“, sagt der Familienvater, der sogleich die Gemeindeverwaltung benachrichtigte. Recht schnell wurde im Gespräch mit Ordnungsamtsleiter Axel Boshamer klar, warum sich die Schweine gerade die Schmalsgotte 8 ausgesucht hatten.

„Wir haben einen kleinen Apfelbaum an der Grenze zur Wiese. Einige Äpfel waren überreif. Das haben die Wildschweine gerochen. Die Äpfel haben ihnen so gut gefallen, dass sie die unteren abgefressen und sich dann auch die Wiese vorgenommen haben.“ Übrigens: Der Zustand der Wiese ist mehr oder weniger jetzt persönliches Pech für Martin Ganswind. Für die Schäden kommt niemand auf. „Ich habe versucht, mit der Schüppe die Löcher zu stopfen, aber da bin ich überfordert. Da muss ich einen Gärtner beauftragen.“ Gestern hat die Familie die restlichen Äpfel gepflückt, damit nicht weitere Wildschweine angelockt werden. Bürger hören Schüsse Wildschwein-Schäden gibt es augenscheinlich allerorts. „Viele Bürger bis runter zum Hermann Löns-Weg, am Tunnel, Opperhusener Straße melden sich“, sagt Ordnungsamtsleiter Axel Boshamer. „Die Jäger wissen das auch. Die Schweine werden von Obst, Äpfeln, Pflaumen und Walnüssen angezogen – das ist wie Mc Donalds für sie.“

Die Jäger seien sensibilisiert. Alleine Jäger Kocher habe von April bis Anfang August 30 Wildschweine geschossen. „Das ist eine große Strecke.“ Zudem gebe es revierübergreifende Drückjagden. Die Wildschweine, so sagt Axel Boshamer, haben ein riesengroßes Futterangebot. Eicheln und Bucheckern gibt es ohne Ende. „Die Buchen sind so voll, dass die Äste brechen. Dann brauchen die Tiere Eiweiß. Sie graben die Wiesen um, suchen und finden Würmer. Sie werden auch vom faulen Obst angelockt und gehen dann in die Gärten.“ Axel Boshamer rät den Bürgern zu zwei Maßnahmen.

 „Entweder muss man die Grenzen mit einem Verstänkerungsmittel belegen oder einen Elektrozaun anbringen.“ Das Mittel ist eine Art „Wildschweine-Nein-Danke-Spray“, das einen für die Wildschweine unangenehmen Geruch hat. „Allerdings hält es nicht so lange“, weiß Axel Boshamer. Ein Elektrozaun sei wirksamer. „Wenn die Schweine einen Schlag auf die Nase kriegen, dann merken sie sich das und kommen nicht wieder.“ Gerade jetzt sollten Gartenbesitzer auch ein Auge auf ihre Obstbäume haben. „Es reicht ein einziger reifer Apfel aus, dass sich eine ganze Wildschweinrotte auf den Weg macht.

Die Meldungen über Wildschwein-„Attacken“ gibt die Gemeinde an die Jagdpächter weiter, die ihrerseits in dem Bereich schießen, „wo sie schießen dürfen.“ Eine entsprechende Entfernung zu den Häusern muss natürlich eingehalten werden. Mittlerweile gab es zwei Polizeieinsätze, weil besorgte Bürger „einen Terroranschlag vermuteten, als sie die Schüsse gehört hatten“, erzählt Axel Boshamer. „Die Polizei traf einen Jungjäger an, der seine Jagd ausübte.“

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