Kein Schwein in Sicht - Wildschweine bei Mittwochsklüngel nicht in Schussposition

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Traditionell beginnt die Jagd, die im Winterhalbjahr an jedem zweiten Mittwoch stattfindet, auf einem kleinen Parkplatz.

Nachrodt-Wiblingwerde - Es ist Mittwoch, 13.30 Uhr. Aus der Küche von Familie Cordt in Wörden dringen Stimmen, es riecht nach Kaffee und viele kleine Terrier wuseln umher. In der Küche haben sich eine handvoll Jäger versammelt.

Mit ihrer orangen Warnkleidung wollen sie gleich los. Der traditionelle Mittwochsklüngel steht auf dem Programm. Was nach einem gemütlichen Klönnachmittag klingt, ist eine kleine organisierte Jagd. Vor allem Wildschweine sollen so effektiv bejagt werden. Rund drei Stunden sind hierfür heute eingeplant. Mittlerweile ist es 13.50 Uhr. Aufbruch. Hunde ins Auto, die Waffen sicher verstaut und los geht’s. Traditionell beginnt die Jagd, die im Winterhalbjahr an jedem zweiten Mittwoch stattfindet, auf einem kleinen Parkplatz. Der ist schon gut gefüllt.

Mehr als 20 Jägerinnen und Jäger haben sich dort versammelt. Am Ende werden es mehr als 30 sein, die mitmachen. Und das obwohl es in Strömen regnet. Heute wird im Revier Holzrichter gejagt, also unterhalb von Rennerde. Dort haben die Wildschweine in den vergangenen Tagen massive Schäden auf den Wiesen angerichtet. Während Thomas Holzrichter die Jagdscheine und Schießnachweise kontrolliert, begrüßt Werner Holzrichter die Gäste. Er erklärt genau, wie gejagt werden soll. Schweine und Füchse dürfen an diesem Nachmittag geschossen werden. Dabei sei auf die Sicherheit zu achten und alle Regeln einzuhalten. Seine Frau Annette teilt anschließend die Teams ein, dann geht es los. 


Hunde sollen die Schweine aufspüren und aus der Deckung treiben

Schon nach wenigen Minuten ist der Standort von Heiko Cordt erreicht. Er steigt als erster aus dem Wagen. Nun geht es querfeldein die Böschung hinauf. „Hier ist ein klassischer Wildwechsel und wir erhoffen uns, dass die Sauen vielleicht hier vorbei kommen“, erklärt er. Etwa eine viertel Stunde dauert es, bis alle Jäger auf ihren Posten sind. Von der Becke bis zum Steinbruch wurden sie verteilt. Dann kommt das Startsignal. „Jetzt werden wir gleich die Hunde hören. Sie sollen die Schweine aufspüren und mit ihrem Gebell aus der Deckung treiben“, sagt Cordt. Sein Sohn Max mit seinen Terriern startet oberhalb von Cordt. Querfeldein geht es durch die Sträucher.

 Parallel starten andere Hundeführer am Steinbruch auf der anderen Seite des Bachs. „Scherenjagd nennt man diese Art zu jagen“, sagt Cordt. Jetzt heißt es warten. „Das Wetter ist nicht gut. Da liegen die Schweine irgendwo im Trockenen unter den Brombeersträuchern tief im Wald und Gestrüpp.“ Über Funk verständigen sich die Jäger. Cordt nimmt derweil auf einem kleinen Klappsitz Platz und lädt seine Waffe. Die Hunde bellen aufgeregt. Doch Cordt bleibt ganz ruhig. „Sie haben maximal eine Spur. Wenn sie ein Tier finden, klingt das anders.“ Zwei Hasen und ein Reh wurden offensichtlich aufgeschreckt. Sie laufen quer über die Wiese unten im Tal. Aber keine Spur von einem Wildschwein. Die Tiere sollen möglichst nicht in Panik weglaufen. Dann bekommt man sie auch nicht gut. Man sagt, man muss das Wild ansprechen können, bevor man es schießt“, sagt Cordt und erklärt, dass dies natürlich nichts mit einem Dialog zu tun hat. 

Jäger muss sichergehen, dass er das richtige Tier schiesst

Vielmehr müsse man als Jäger sicher gehen können, dass man auch wirklich das richtige Tier schießt und auf keinen Fall ein Muttertier. Zudem muss es so zu schießen sein, dass es sofort tot ist und nicht qualvoll verendet. Jäger ist er aus Leidenschaft. „Es ist nicht nur mein Beruf, sondern meine Berufung.“ Ihm gehe es nicht ums Tiere töten. Auch Wildschweine seien äußerst nützliche Tiere. „Sie halten unseren Wald sauber, lockern die Böden, sodass beispielsweise Naturverjüngung möglich wird, fressen die Schädlinge im Boden und Aas. Aber die Schweine haben nun einmal keinen natürlichen Feind“, so Cordt. Überpopulationen richten große Schäden an. 

Über Funk hört man, dass einige Wildschweine gesichtet wurden, allerdings nicht in Schussposition. Nach zweieinhalb Stunden wird die Jagd beendet. Ohne Erfolg. Enttäuscht ist niemand. „Wir sind das einfach auch unseren Landwirten und Grundstückseigentümern schuldig. Wir haben ein super Verhältnis, das liegt auch daran, dass wir unsere Sorgen und Probleme gegenseitig ernst nehmen“, so Cordt. Aber jetzt geht es erst einmal ins Warme zum gemütlichen Teil mit Bratwurst. „Kesseltreiben“ ist angesagt.

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