Wiblingwerder Wehrleute sprechen über ihren Werdegang und ihre Motivation

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Am 6. Februar vergangenen Jahres ereignete sich ein besonders schwerer Unfall bei Veserde: Beide Fahrzeuge wurden durch den Aufprall auf eine Wiese am Rande der K 14 geschleudert. Die Feuerwehr rückte mit 20 Einsatzkräften an.

Nachrodt-Wiblingwerde - Dienstagabend 19.30 Uhr. Antreten am Feuerwehrgerätehaus. Technischer Dienst steht auf dem Programm, oder wie die Feuerwehrmänner liebevoll sagen: „Putz- und Flickdienst“. Im Gespräch mit der Redaktion berichten die Wehrmänner über ihren Werdegang und ihre Motivation.

Es ist immer eine Menge zu tun. Die rund 90 Hydranten in Wiblingwerde müssen kontrolliert werden. Zudem gibt es einiges zu besprechen. 18 aktive Mitglieder zählt die Wiblingwerder Löschgruppe derzeit – und fast alle sind gekommen. Sie sind schließlich ein Team. Jeder verlässt sich auf den anderen. Ein ganz besonderer „Verein“ eben.

Mitten in der Nacht geht der Melder. Aufstehen und Retten statt Schlafen und Erholen. Wenn Menschen Hilfe brauchen, sind sie binnen weniger Minuten da. Oft sind sie die ganze Nacht im Einsatz. Am nächsten Morgen müssen aber auch sie wieder ins Büro. Eine hohe Belastung.

Doch darüber denkt bei den Wiblingwerdern keiner nach. Für die Löschgruppenmitglieder ist es selbstverständlich zu helfen, egal wann, egal wem und egal wo. Gemeinsam haben sie schon viel erlebt, das schweißt eben zusammen. Das ist auch gut so, denn im Einsatz, wenn jede Sekunde zählt, muss sich jeder auf den anderen verlassen.

Pascal Nowak - stellvertretender Löschgruppenführer

Pascal Nowak gehört seit 17 Jahren zum Team.

„Hier kommen Menschen zusammen, die im normalen Leben eher nicht unbedingt miteinander zu tun hätten: Egal ob jung, alt, Chef oder einfacher Angstellter – das macht es eben so besonders“, sagt Pascal Nowak. Der 28-Jährige ist seit 17 Jahren Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr und mittlwerweile stellvertretender Löschgruppenführer. Seit der Gründung der Jugendfeuerwehr ist er dabei. „Natürlich, als Kind waren es die roten Autos und das blaue Licht, was mich faszinierte. Aber ich lernte schnell, dass Feuerwehr weit mehr ist. Retten, jede Menge Technik und vor allem Kameradschaft“, erzählt Nowak.

Der junge Mann übernimmt daher auch gerne Verantwortung – auch noch neben seinem Beruf in der Bank. „Natürlich ist es anstrengend. Im Einsatz habe ich viel Verantwortung und hoffe jedes Mal, dass alle wieder heile nach Hause kommen“, gibt er zu. Eine Situation habe ihn zum Nachdenken gebracht. Bei einem Kaminbrand drohte das Feuerwehrauto am Hang abzurutschen. Am Steuer sein Bruder. „Ja, das sind so Einsätze, über die man doch schon mal länger grübelt. Aber ich habe noch nie in Frage gestellt, ob das vielleicht nicht das Richtige für mich sein könnte“.

Die Feuerwehrmänner sind sich einig: „Durch die Arbeit bekommt man einen anderen Blick aufs Leben.

Patrick Douven - ein echter Quereinsteiger

Patrick Douven kam als Quereinsteiger dazu.

Das bestätigt auch Patrick Douven. Der 41-Jährige ist erst seit Kurzem Feuerwehrmann und ein echter Quereinsteiger. „Allein durch die Ausbildung bekommt man einen ganz anderen Blick. Sieht viel eher Gefahren“, erklärt Douven. Jedes Mal wenn sein Melder klingelt ist er hellwach. „Man ist aufgeregt, weil man nicht weiß, was kommt. Gleichzeitig hat man dennoch eine gewisse innere Ruhe.“

Den einen oder anderen größeren Einsatz hat Douven schon mitgemacht. Der bisher schlimmste war wohl der Unfall mit einem Bus und einem Kleinlastwagen in Veserde. Die Bilder der Verletzten musste der damals noch recht unerfahrene Douven erst einmal verarbeiten. „Wir sind ins Gerätehaus gefahren und haben einfach nur geredet. Das ist wichtig. Man muss sich dem stellen“, betont er.

Mittlerweile habe er, wie alle anderen erfahrenen Kollegen auch, eine gewisse professionelle Distanz. Schnell sind die schlimmen Bilder aus dem Kopf wieder verschwunden. Angst habe er daher keine – naja, zumindest fast nicht. „Das Schlimmste, wäre für mich ein Einsatz mit schwerverletzten Kindern.“ Doch bei wirklich schlimmen Einsätzen bekommen die Wiblingwerder psychologische Hilfe. Beispielsweise als sich eine junge Frau in Einsal vor die Bahn geworfen hatte. „Das sind Bilder, da sind selbst wir als erfahrene Kollegen schockiert. Dann bestellen wir das sogenannte PSU-Team mit seinen Notfallseelsorgern“, erklärt Löschgruppenführer Ralf Gottwald.

Sascha Panne - mit 33 Jahren ein alter Hase

Sascha Panne ist von Kindesbeinen an fasziniert.

Damals war auch Sascha Panne dabei. Der 33-Jährige ist trotz seines noch recht jungen Altes schon ein alter Hase. Als Zugführer im Höhendorf hat auch er viel Erfahrung. „Schon als kleiner Junge war ich begeistert von der ganzen Technik – und das ist auch heute noch so“, erzählt er lachend. Gerne opfert er seine Freizeit, um Menschen in Not zu helfen.

„Es ist das breite Spektrum, das mich fasziniert. Jeder Tag ist anders“, so Panne. Er hat schon viel erlebt, doch hat er nie daran gezweifelt, ob er das Richtige tut. „Als es beispielsweise bei Hegemanns auf dem Reiterhof brannte, zählte jede Sekunde. Ohne uns hätte das Feuer wahrscheinlich auf den Stall übergegriffen“, erinnert er sich. Das sei einer der Einsätze gewesen, die ihn in seiner Arbeit bestärkt hätten.

Sven Lüno - von der Tochter "angesteckt"

Sven Lüno kam durch seine Tochter zur Feuerwehr.

Das neueste Mitglied der Gruppe ist Sven Lüno. Der 30-Jährige ließ sich von der Begeisterung seiner Tochter anstecken, die aktiv in der Jungendfeuerwehr ist. Mehr als ein Jahr hat er überlegt, doch seit dem 1. September ist auch er dabei. Löschen und Retten steht für ihn allerdings noch nicht auf dem Programm. Er muss erst einmal lernen. Als Feuerwehrmannanwärter muss er sich das Grundwissen aneignen und die Abläufe kennenlernen. Dennoch ist er voll in die Truppe integriert.

Leute wie Lüno, die begeistert, teamfähig und zuverlässig sind, braucht die Wiblingwerder Feuerwehr dringend. Doch die Nachwuchssuche gestaltet sich schwierig. Kein Wunder, denn die Belastung ist hoch. Mitten in der Nacht, am Wochenende oder in aller Frühe: Wenn der Melder geht, lassen die Retter alles stehen und liegen. „Gerade zur Hauptarbeitszeit sind nicht immer alle erreichbar. Nicht jeder arbeitet hier in der Nähe“, sagt Nowak. Umso wichtiger sei es, auf einen großen Stamm zurückgreifen zu können. Die Wiblingwerder sind sich jedenfalls einig: „Die Kameradschaft und das Gefühl helfen zu können, sind es wert.“

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