Großes CDU-Plakat geht SPD auf die Nerven

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"Wir haben keine Wahlwerbung aufs Plakat gezimmert", sagt Lars Wygoda

Nachrodt-Wiblingwerde - Von vorn Jens Philipp Olschewski, von hinten Lars Wygoda. Oder umgekehrt – es hängt davon ab, von welcher Seite man am Nachrodter Feld vorbei fährt. Das große Plakat mit den beiden CDU-Ratsherren direkt an der B236 ist nicht zu übersehen. Die CDU-Fraktion wirbt für ihren Facebook-Auftritt. Davon sind allerdings wahrlich nicht alle begeistert.

 „Natürlich geht mir das Plakat auf die Nerven“, sagt Susanne Jakoby, Fraktionsvorsitzende der SPD. „Ich war überhaupt nicht dafür. Ich finde, es ist sehr nahe an der Grenze zur Wahlwerbung“, so die Sozialdemokratin. Auch, wenn es augenscheinlich Werbung für den Facebook-Auftritt sein solle, sei es natürlich trotzdem von der CDU. Aber eben diese versteht die Aufregung überhaupt nicht.

Die UWG nimmt den Auftritt in Überlebensgröße direkt an der Bundesstraße gelassen. „So lange es erlaubt ist, habe ich damit kein Problem“, sagt UWG-Vorsitzende Sonja Hammerschmidt. Man merke aber durchaus, dass CDU und SPD nächstes Jahr Wahlen hätten – „und wir nicht.“ Auch UWG-Fraktionssprecherin Petra Triches zeigt sich entspannt: „Mich regt das nicht auf. Ich dachte allerdings im Vorfeld, dass die kleinen Plakate genommen würden, nicht die großen.“

 Fakt ist: Rechtlich gibt es keine Bedenken. Das sagt Ordnungsamtsleiter Axel Boshamer. „Von der Größe her war es auch vorher bekannt und die Fraktionen wussten alle Bescheid“, erklärt der stellvertretende Bürgermeister. „Wahlwerbung ist das nicht.“ So sehen es auch die Kritisierten selbst. „Wir weisen ausschließlich auf den Facebook-Auftritt hin und treten eindeutig als CDU-Fraktion und nicht als Partei oder Ortsverband auf“, so Lars Wygoda, Fraktionsvorsitzender der CDU. Die Kritik der Sozialdemokraten erklärt er sich so: „Die SPD merkt, dass wir erwacht sind.“ Das Plakat komme in der Bevölkerung auf jeden Fall gut an. „Wir werden öfter darauf angesprochen.“

 Dass solch eine Präsentation auch nach hinten losgehen kann, findet hingegen Susanne Jakoby. „Ich stelle mir ganz persönlich die Frage, was denn Herr Wygoda mit dem erhobenen Zeigefinger der Bevölkerung mitteilen möchte“, witzelt sie. Und dass man so einen Hype um einen Facebook-Auftritt mache, sei ohnehin merkwürdig. „Facebook hat die SPD schon sehr lange.“

Aus allen Rohren schießt Lars Wygoda dagegen: „Wir sagen ja auch nichts, wenn Frau Freitag ihr Gesicht überall in die Kamera hält.“ Zudem habe Susanne Jakoby öffentlich zugegeben, dass man den Kulturschock gegründet habe, weil man „als Partei nichts machen konnte.“

Der „Stein des Anstoßes“ jedenfalls steht für einen Monat am Nachrodter Feld. Und würde der Gemeinde sogar etwas Geld einspielen. „Wir hätten auch eine private Fläche nehmen können“, sagt Lars Wygoda. Zudem habe man bei den politischen Mitstreitern von SPD und UWG im Vorfeld angefragt. „Ich habe zweimal gemailt und einmal auf Mailbox gesprochen. Aber von der SPD kam keine Reaktion“, erzählt Lars Wygoda. Das Okay von der UWG dagegen hätte er nach einem Tag gehabt. Die CDU möchte mit den Bürgern ins Gespräch kommen. „Und da ist es wichtig, mehrere Kanäle zu bespielen. Wir haben auch eine neue Homepage“, schwärmt der CDU-Fraktionsvorsitzende, der noch betont: „Wir haben keine Wahlwerbung aufs Plakat gezimmert.“

 Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte? Die Unabhängige Wählergemeinschaft, die ihr Okay für das große Plakat gegeben hat, merkt zwei Dinge an: „Man muss sagen, dass es einfach eine gute Idee war. Aber erreicht man da wirklich jemanden mit? Oder passiert vielleicht auch das Gegenteil?“, fragt sich Sonja Hammerschmidt. „Ich weiß nicht, ob das jeder so toll findet, wenn man so groß in Nachrodt erscheint. Für die UWG käme das wahrscheinlich nicht in Frage. Ich bin ziemlich sicher, dass meine Mitstreiter in der UWG nicht dafür wären. Von den Kosten ganz zu schweigen. Und so sind wir ganz entspannt.“

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