"Für Fehler der EZB sollen alle haften"

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Nachrodt-Wiblingwerde - Mehr als 16 Jahre hat Paul Krampe als Vorstand der Volksbank Hohenlimburg solide Ergebnisse vorweisen können. Auch im Niedrigzinsjahr 2015 ging das Unternehmen mit einem Gewinn aus dem Geschäftsjahr heraus. Am 30. Juni geht Krampe in die Ruhephase der Altersteilzeit – „während die EZB jeden Tag mehr Benzin in den brennenden Finanzmarkt wirft”, brachte es Uwe Fröhlich am Mittwochabend im Schlosshotel Holzrichter auf den Punkt.

 Der Präsident des Bundesverbands der Volks- und Raiffeisenbanken war als hochkarätiger Gastredner der ordentlichen Vertreterversammlung geladen. Und er sieht eine unkontrollierbare Gefahr in den Blüten, die die Europäische Zentralbank aktuell treibt. ,,In dieser Woche war es so weit: Staatsanleihen, die heute gekauft werden, sind in zehn Jahren weniger wert. Und davon hat die EZB jede Menge!” Jede kleine Bank muss ihren Kunden Einlagensicherung garantieren, die EZB mache es sich einfach: Für ihre Fehler sollen alle haften - auch die Kleinsparer aus Nachrodt-Wiblingwerde, die ihre Einlagen bei der Volksbank Hohenlimburg jahrzehntelang sicher angelegt wussten.

,,Es kann nicht sein, dass anständig geführte Banken wie Ihre für die unverantwortlichen Spekulationen international agierender Großbanken aufkommen sollen. Wir wehren uns dagegen - und zwar mit aller Kraft!” Paul Krampe müssen solche Worte wie Balsam über die Seele laufen. In seinem vorletzten Tätigkeitsbericht – 2017 trägt er letztmalig Verantwortung für das erste Geschäftshalbjahr 2016 – betonte Krampe wie so oft: ,,Nein zur Fusion!” Dass sich eine weniger gut laufende oder gar verantwortungslos handelnde Bank an die Fersen der Volksbank Hohenlimburg heftet, hat Krampe immer zu verhindern gewusst.

Jegliche Versuche hat er abgelehnt, obwohl der Fusionstrend bundesweit weiterhin nach oben schießt: ,,Für 2016 haben wir 50 laufende Fusionsanträge”, erklärte Uwe Fröhlich den 60 Vertretern im Schlosshotel Holzrichter. Und betonte auch: Nicht jeder Volks- und Raiffeisenbank in Deutschland gehe es so gut wie der in Hohenlimburg.

Allerdings plagen auch dort Team und Aufsichtsrat Sorgen: In 2017 wird eine Reduzierung des Jahresüberschusses von bis zu 700 000 Euro erwartet – geschuldet ist es der Nullzinspolitik auf dem europäischen Finanzmarkt. Der Regulierungswahn, der mit der gegenseitigen internationalen Verantwortung für den Euro einhergeht, kostet nicht nur Nerven, sondern bares Geld.

Die Volksbank tut, was aktuell auch viele Kunden machen: sie investiert: Die Hohenlimburger Hauptstelle wird aktuell komplett barrierefrei umgebaut und auch eine verbesserte Parkplatzsituation wird geschaffen. Zudem geht das Unternehmen mit beim Digitalisierungstrend. Über das Online-Banking hinaus können künftig Geldgeschäfte per Videokonferenz von überall auf der Welt aus erledigt werden. Hinter der Entscheidung stehen Aufsichtsrat und Vertreter.

Alle sprachen dem Vorstand geschlossen ihr Vertrauen aus. In diesem Zuge stellte sich auch Marco Kückmann als Nachfolger von Paul Krampe vor. Der 46-Jährige gehört seit drei Jahren zum Hohenlimburger Team. Ernst-Ulrich Pühl, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender, wünschte Glück und gute Zusammenarbeit.

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