Bosbach in Veserde und "die Kanzlerin rettet die Welt"

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Klaus-Martin Kesper (links) begrüßte Wolfgang Bosbach (2.v.l.) als Gastredner. Vorstand Paul Krampe (2.v.r.) wurde verabschiedet. Sein Nachfolger ist Marco Kückmann (rechts)

Nachrodt-Wiblingwerde - „Herr, lass es Abend werden“ – nein, das hat entgegen der Vermutung von Wolfgang Bosbach gestern niemand gedacht. Im Gegenteil: Stundenlang hätten die 200 Gäste der Volksbank Hohenlimburg dem CDU-Bundestagsabgeordneten weiter zuhören können. Da hätte das Büffet ruhig kalt werden können. Denn kurzweiliger, amüsanter und tiefgründiger kann Politik kaum sein. Und so wurde das Kundenfest im Schlosshotel Holzrichter zu einer ganz besonderen Veranstaltung.

 Notizzettel oder ein Konzeptpapier machen Wolfgang Bosbach nur nervös. „Aus der Hüfte“ sprach der langjährige Vorsitzende des Innenausschusses unter anderem über die Hoffnung auf Frieden und Freiheit nach dem Mauerfall, über die 40 Nationen, die die Truppen des Islamischen Staates bekämpfen („das ist nicht nur eine Terrororganisation. Der IS versteht sich selber als Staat und exportiert den Terror in die ganze Welt“) und über Zuwanderung.

 Dass alle die gleiche Rechte- und Werteordnung in Deutschland haben müssen – und nicht nur sollten – stellte Bosbach ebenso heraus wie die Ansicht, dass man trotz der „millionenfach gelungenen Integration“ nicht die Augen vor dem Gegenteil verschließen dürfe. Die Debatte, „was zu unserer Gesellschaft gehört“, könne Politik nicht allein führen.

Und: „Unabhängig von der Frage, wie viele Menschen wir aufnehmen, belastet mich, dass 70 bis 80 Prozent der Flüchtlinge keine Papiere haben.“ Das traurigste Kapitel trage aber im Moment den Titel „Europa“, „wenn fünf Länder mehr als 80 Prozent der Flüchtlinge aufnehmen“ – und Deutschland mehr als alle 27 Staaten zusammen. Bei den Ländern, die sich weigern, würde es sich um die handeln, die Milliardenhilfe für ihren Haushalt bekommen.

 Dass Wolfgang Bosbach im kommenden Jahr nach mehr als 20 Jahren nicht wieder für den Bundestag kandidieren will, war übrigens nicht Thema. Nur am Rande hörte man, dass die Bundeskanzlerin sich dazu noch nicht geäußert hat. „Die muss gerade die Welt retten“, schmunzelte Wolfgang Bosbach, der in Deutschland auf Bildung, Bildung und Bildung setzt. „Wer nichts im Boden hat, muss was in der Birne haben.“

Dass aus Ideen marktreife Produkte geschaffen werden müssen und Deutschland viel innovationsfreudiger werden sollte, steht für Bosbach außer Frage. Dabei werde die Digitalisierung das Zukunftsthema sein. Volksbank-Vorstandsvorsitzender Klaus-Martin Kesper hatte mit dem Ehrengast einen Volltreffer gelandet. Gleichermaßen war die  Festveranstaltung auch eine schöne Gelegenheit, den ehemaligen Vorstand Paul Krampe zu verabschieden und Nachfolger Marco Kückmann vorzustellen.

 In seiner Abschiedsrede sagte Krampe: „Es geht nicht darum, dass hier ein Vorstand geht und ein anderer kommt. Das Wichtigste ist die Volksbank Hohenlimburg und das sind unsere Kunden, Mitglieder, Amtsinhaber und Eigentümer. Zwei Vorstände stehen auf der Brücke und 58 rudern, was das Zeug hält.“ Die Bilanzsumme stieg vom 31. 12. 1999 bis zum 31.12.2015 von 179 Millionen auf 458 Millionen, das Betriebsergebnis von 1,97 Millionen auf 4,63 Millionen. „Das Entscheidende ist, es gehört uns. Das ist doch traumhaft, dass wir nicht für die Scheichs von Katar und Kuwait schuften müssen.“

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