Mit offenen Ohren auf der Pirsch am Lenneufer

Friedrich Petrasch (vorne links) und Dietrich Daub (vorne rechts) nahmen Interessierte am Freitagabend mit auf einen vogelkundlichen Spaziergang durch die Lenneauen. Foto: Hornemann

Nachrodt-Wiblingwerde - Stock- und Reiherente sind häufige Gäste an der Lenne. Ganze Familien von Kanada-Gänsen lassen sich hervorragend von der Dümplerleie aus beobachten. „Die Wasseramsel und den Eisvogel zu erwischen, ist allerdings Glückssache“, weiß Dietrich Daub. Er und sein Nabu-Kollege Friedrich Petrasch hatten für Freitagabend zu einem ornithologischen Spaziergang ein – fernab der üblichen Spazierstrecken eingeladen.

Von Ina Hornemann

Wenig einladend präsentiert sich die Fußgängerbrücke an den Walzwerken Einsal. Eine riesige Mückenbrut ist ausgeschwirrt, doch die zehn Teilnehmer halten trotzdem mit Ferngläsern und Kameras inne, als es auf der Lenne Enten zu entdecken gibt. Hinter den Walzwerken geht’s rechts ab in Richtung Obergraben. Am linksseitigen Waldhang wünschen sich diverse Vögel einen guten Abend. Darunter die Mönchsgrasmücke und der Zilpzalp. Das Duo Petrasch und Daub, immer in der Natur unterwegs, kann anhand der Töne sofort bestimmen, um welche gefiederten Bewohner der Flussaue es sich handelt. Da müssen sich die geflügelten Freunde gar nicht optisch zu erkennen geben.

Der Fußweg zum Obergraben führt in Richtung Naturschutzgebiet. Die Teilnehmer staunen über die Blütenpracht einzelner Bäume, die zwar ganz nah an der vielbefahrenen Bundesstraße liegen, aber doch im Alltag kaum wahrgenommen werden. „Renaturierung“, erklärt Friedrich Petrasch. Weil der Mensch nicht eingreifen darf, sucht sich die Natur ihren Weg. „Das hat aber nicht nur Vorteile”, ergänzt er und weist die Gäste an, im hohen Gras auf ihre Schritte zu achten.

Ausgerechnet da, wo es was zu sehen gibt, haben sich die Wildschweine zu schaffen gemacht: Ein kleines Kaulquappen-Habitat, durch die Frühlingssonne arg vom Austrocknen bedroht, liegt nun in einer matschigen Kuhle, die nur am Rand überquert werden kann, ohne dass die Gruppe einsinkt. Friedrich Petrasch füllt den mitgebrachten Plastikeimer mit Lennewasser und gönnt den Jungtieren einen Schuss Frischwasser. „Vielleicht schaffen sie’s ja!“

Weiter geht’s über die Brücke des kleinen Turbinenwerks. Denn am Steilhang dahinter gibt es das Nest der selten gesehenen Wasseramsel zu entdecken. Es hängt unkomfortabel zwischen den Steinen, recht knapp über der Wasseroberfläche. „Die Jungen fallen direkt ins Wasser, wenn sie flügge werden”, erklärt Dietrich Daub. Er hat beobachtet, dass die Nester mehrjährig genutzt werden.

Über der Gruppe zieht der Bussard seine Kreise, andere Arten lassen auf sich warten. Generell besteht die Möglichkeit, Blesshühner anzutreffen und auch die Gebirgsstelze. Ein wahrhaftig unbequemer Abzweig führt in ein Sumpfgebiet, wo der Sumpf- und Teichrohrsänger und die Rohrammer sich gern aufhalten.

Auch der Kiebitz war hier oft beheimatet. „Der hat aber leider abgenommen”, erklärt Friedrich Petrasch. Woran es liegt, lässt sich nicht immer sagen. Die Graugans beispielsweise lässt sich an der Lenne gar nicht mehr blicken, fühlt sich aber an der Ruhr sehr wohl, weiß Dietrich Daub. Die Art büchste einst aus Privathaltung aus und siedelte sich wieder in der Natur an. Auf Wanderungen haben die Tiere aber keine Lust.

Ganz im Gegenteil zu den Teilnehmern, die ihren naturkundlich gut geschulten Gastgebern Daub und Petrasch fast zwei Stunden an den Lippen hängen. Sie werden demnächst die Nachrodter Natur viel bewusster wahrnehmen und den heimischen Vögeln auf der Spur sein. Wo sie sich aufhalten könnten, ist ja nun bekannt.

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