Vogelgrippe: Aufstallgebot betrifft auch Hühnerhalter in Nachrodt-Wiblingerde

+
Die Hühner von Martina und Ede Holstein müssen zum Schutz vor der Vogelgrippe vorerst im Stall bleiben.

Nachrodt-Wiblingwerde -  Hahn Berlusconi hat schon vor geraumer Zeit das Zeitliche gesegnet. Nur das Namensschild hängt noch am Stall. Jetzt sind noch die „Bunga Bunga-Mädels“ da.

20 an der Zahl gackern fröhlich Martina Holstein entgegen, wollen ins Gehege. Doch auch die Hühner an der Klingestraße müssen im Stall bleiben. Wegen der sich ausbreitenden Vogelgrippe wurde ein sogenanntes Aufstallgebot auch für Nachrodt-Wiblingwerde erlassen. Auch Hobby-Tierhalter mit einer kleinen Anzahl sind angehalten, ihr Geflügel nicht mehr nach draußen zu lassen. Zudem muss es Desinfektionsmittel vor den Ställen geben. „Das ist bei uns alles kein Problem“, sagt Martina Holstein. Der Stall ist für 20 Hühner und Taube Quarks, die nicht mehr fliegen kann und sich mit den Hühnern gut arrangiert hat, sehr, sehr groß. Die Tiere treten sich nicht auf die Füße und sind, so sagt Martina Holstein, auch nicht gestresst, wenn sie nicht ‘rausdürfen. „Aber natürlich sind sie es gewöhnt. Wenn ich morgens komme, wissen sie, dass sie aufs Gelände können.“ 

"Leiden muss hier kein Tier"

Das Federvieh von Martina und Ede Holstein lebt ein glückliches Leben. „Leiden muss hier kein Tier. Und wenn die Mädels ihre Zeit hinter sich haben, dann bringe ich sie zum Schlachter“, sagt Martina Holstein. Dann werden aus ihnen Suppenhühner. Praktisch gedacht. Gekuschelt wird aber zuvor auch immer mal. „Es gibt Hühner, die lassen sich gern auf den Arm nehmen.“ Vor allem legen sie viele Eier. Braune und weiße. Tiere, die eine weiße Augenscheibe haben, legen weiße, mit einer dunklen Augenscheibe braune Eier – mit den Federn hat das also nichts zu tun. Angst vor der Vogelgrippe haben Martina und Ede Holstein nicht. Die Vorsichtsmaßnahmen für ihre Tiere finden sie indes gut und wichtig.

Stallpflicht kann Stress für die Tiere bedeuten

Links und rechts der Hühner leben noch weitere Tiere: die Kaninchen der „Familie Popolski“ und Wellensittiche sowie Wachteln in der Vogelvoliere. Dass die Stallpflicht durchaus Stress für die Tiere bedeuten kann, macht die Landwirtschaftskammer NRW deutlich und sagt: „Sind die Tiere den täglichen Auslauf gewohnt und nutzen diesen eifrig, bedeuten die geschlossenen Auslaufklappen für das Tier eine Einschränkung im täglichen Ablauf und ein Verlust an Beschäftigungsmöglichkeiten. Jedes Huhn führt etwa 15000 Pickschläge am Tag aus. Den überwiegenden Teil des Tages verbringt das Huhn mit dieser Verhaltensweise, die genetisch verankert der Futteraufnahme und zu geringen Anteilen Erkundungsverhalten der Lebensumgebung dient. Bei einem plötzlich veränderten Tagesablauf durch fehlenden Auslauf kann Langeweile und daraus resultierend Stress und Frustrationsverhalten auftreten, das sich in Federpicken und als dramatische Steigerung zum Kannibalismus untereinander – mit Todesfolgen – auswirken kann.“ 

Besitzer sollen achtsam sein

Federpicken beginnt sehr oft in der Region der Bürzeldrüse: auf dem Rücken. Die Tiere sehen optisch augenscheinlich gut aus, doch plötzlich sind bei einigen Hennen dort kleine, helle Gefiederstellen zu finden. Dies bedeutet, dass hier mindestens schon eine Deckfeder fehlt. Die Besitzer, so die Landwirtschaftskammer, sollen achtsam sein. Zudem wird eine Geflügelfachberatung angeboten – unter der Telefonnummer 02162/ 370 672. Geflügel in Iserlohn, Nachrodt, Schalksmühle und Halver sind aktuell von der Stallpflicht aufgrund der Vogelgrippe betroffen. Zusammen geht es um 211 Betriebe mit insgesamt 126278 Tieren – davon 92987 Hühner, 15350 Gänse, 9502 Enten, 6575 Puten und 480 Tauben.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare