„Mut tut gut“: Letzte Klasse kommt aus Wiblingwerde

Nachrodt-Wiblingwerde - Ein Kreis hat sich in dieser Woche geschlossen: Die vierte Klasse des Grundschul-Standorts Wiblingwerde war zwei Tage lang in der Jugendbildungsstätte des Märkischen Kreises, nahm als 400. und letzte Klasse am Seminar „Mut tut gut – vertragen und nicht schlagen“ des Kreis-Fachbereichs Jugend und Bildung teil.

Dass dieser Lehrgang zur Gewaltvorbeugung überhaupt für Schülerinnen und Schüler angeboten wurde, ging vor rund 20 Jahren auf eine Initiative ebenfalls aus der Doppelgemeinde zurück.

Für die Wiblingwerder Grundschüler gab es als Überraschung einen Auftritt des Zauberkünstlers Mr. Foley sowie Kuchen und Getränke. Die wurden auch den Gästen der Jubiläums- und Abschlussveranstaltung serviert, mit der der erzieherische Kinder- und Jugendschutz, eine Abteilung des Fachbereichs Jugend und Bildung, die „Mut tut gut“-Reihe beendete. Allerdings werde das Thema Gewaltprophylaxe weiter behandelt, betonte Kreis-Mitarbeiterin Andrea Henze: Seit 2013 läuft die neue Seminarreihe „Genau so – mit Kindern fängt der Frieden an“, die für dritte Klassen entwickelt wurde und einzelne Elemente aus „Mut tut gut“ beinhaltet.

Insofern stimmten Andrea Henze und ihr Chef, der Fachbereichsleiter Eckehard Beck, überein, als sie meinten: „Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist.“

Eckehard Beck staunte angesichts der langen Laufzeit: „Ich weiß nicht, wie viele Kinder an dieser Seminarreihe teilgenommen haben.“ Andrea Henze und der inzwischen im Ruhestand befindliche Manfred Prass erinnerten sich an die Zeit zurück, als sie „Mut tut gut“ entwickelten – und dabei Pionierarbeit leisteten.

In der Mitte der 1990er-Jahre sei Gewalt an Schulen ein großes Thema gewesen. Material für die Gewaltprävention habe es in den Lehrerzimmern aber nur spärlich gegeben, meinte Henze und erntete viel Zustimmung bei den Pädagoginnen und Pädagogen, die sich zu „Mut tut gut“-Moderatoren haben fortbilden lassen und die in die Jugendbildungsstätte an die Sedanstraße in Lüdenscheid gekommen waren. Allerdings sei das Seminar zuerst für Gruppen aus der Kinder- und Jugendarbeit gedacht gewesen. Doch die schieden unter anderem deshalb aus, weil in ihnen in der Regel Mädchen und Jungen mehrerer Jahrgänge vereinigt sind. Siegfried Müller, langjähriger Schulleiter der Gemeinschaftsgrundschule Nachrodt-Wiblingwerde, fragte dann auf Anregung aus der Elternschaft nach, ob „Mut tut gut“ nicht etwas für Viertklässler sein könnte. Konnte es – und war es 1996 erstmals für Kinder aus der Grundschule Herscheid-Hüinghausen, die am Premieren-Seminar teilnahmen.

Zum Abschied also waren es aktuelle Viertklässler aus Wiblingwerde, die auf spielerische Weise den Wert von Vertrauen oder Zusammenarbeit erfuhren. Denn, so erklärte Evelin Schöffer, die beim erzieherischen Kinder- und Jugendschutz die Nachfolge von Manfred Prass angetreten hat, genau darum ging es, wenn ein Kind die Augen schließen musste und von einem durch den Raum geführt wurde oder wenn die Klasse sich auf einer Holzfläche aufstellte und diese nach und nach verkleinert wurde, so dass alle immer enger zusammenrücken mussten. Wichtig, so Schöffer, war auch immer das anschließende Gespräch über die eigenen Gefühle.

Im Snoezelen-Raum ging es zudem um Entspannung, im sogenannten Aggressions-Raum wurde mit dick gepolsterten Keulen aufeinander eingeschlagen. „Raufen, ringen, kämpfen, das steckt in jedem drin, gerade in Jungen. Aber es ist wichtig, Regeln einzuhalten“, betonte Evelin Schöffer.

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