Engagierte Debatte um Jugendzentrum

Rechts neben der Vorsitzenden Eckehard Beck, Fachbereichsleiter Jugend und Bildung beim Märkischen Kreis, und Mathias Sauerland vom Fachdienst für Jugendförderung.

Nachrodt-Wiblingwerde - „Entweder bleibt das Jugendzentrum offen, oder Sie müssen sich etwas einfallen lassen“ - ein vielleicht zehnjähriges Mädchen brachte in der Sozialausschuss-Sitzung zum Ausdruck, was die allermeisten der jungen Zuhörer gedacht haben mögen.

Auch Renate Riechwien als Leiterin des JZ meldete sich unter dem Punkt Anfragen und Anregungen zu Wort. Es sei „schrecklich und fatal“ wenn der Beschluss zur Schließung gefasst werde; eine andere Zuhörerin im Erwachsenenalter sprach von einem „Armutszeugnis“.

Tatsächlich waren es finanzielle Gründe, die für die Entscheidung angeführt wurden. Elfriede Sickhardt (CDU) wies darauf hin, dass es einen Haushaltssanierungsplan gebe und der Gemeinde die gesamte Problematik „von der Bezirksregierung auferlegt wurde.“ Michael Schlieck formulierte es so: „Wir können kein Geld ausgeben, dass wir nicht haben.“ Er innerte darüber hinaus an einen großen Finanzbedarf zur Sanierung maroder Straßen und die Tatsache dass man den Vereinen mittlerweile Gebühren für die Nutzung von Sportstätten abverlange. Hinsichtlich der Vereine war Schlieck sich einig mit Lars Wygoda, ebenfalls CDU: Dort werde sehr gute Jugendarbeit geleistet. Zur Rolle des Jugendzentrums sagte Wygoda: „Das Leben vieler Kinder und Jugendlicher findet woanders statt.“

Den Punkt Vereinsarbeit griff Sozialdemokrat Ronny Sachse auf: „Nicht jedes Kind möchte in einen Sportverein. Und wenn es nur um drei Kinder geht.“

Vorsitzende Susanne Jakoby (SPD) wunderte sich, dass es kaum Reaktionen gab, als die Pläne zur Schließung durch einen Zeitungsbericht bekannt wurden – selbst in sozialen Internet-Netzwerken wie Facebook habe sie nur wenig darüber gelesen. Das deute darauf hin, dass die Besucher des Jugendzentrums in der Doppelgemeinde „keine Lobby haben.“ Ihr Fraktionskollege Reinhard Kühn zeigte sich verärgert über die sich abzeichnende Bereitschaft, den Schließungsbeschluss zu fassen, ohne ein Konzept für die Zeit danach in der Hand zu haben. „Es kann doch nicht sein, dass wir hier raus gehen und keine Jugendarbeit mehr machen!“ Für andere Vorhaben sei Geld da.

Zu Gast in der Sitzung waren Eckehard Beck, Fachbereichsleiter Jugend und Bildung beim Märkischen Kreis, und Mathias Sauerland vom Fachdienst für Jugendförderung. Beck sagte, seine Dienststelle sei natürlich bereit, die Doppelgemeinde bei der weiteren Planung der Jugendarbeit zu unterstützen. Sauerland bezifferte die Zeit, um ein Konzept professionell zu erarbeiten auf etwa drei Monate. Im Beschlussvorschlag der Gemeindeverwaltung heißt es, es solle „zumindest gelegentliche Angebote für Jugendliche“ geben. Dabei sei der Kreis als Träger der offenen Kinder- und Jugendarbeit gefragt. - Thomas Keim

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