Blauäugige Gepflogenheiten

Nachrodt-Wiblingwerde - Das Kopfschütteln über die überraschend blauäugigen Gepflogenheiten mancher Kapitalanleger bleibt dem Verfahren im Amtsgericht Altena treu. Jetzt berichteten zwei weitere Zeugen, wie sie wem in bar bis zu 5000 Euro für eine dubiose Kapitalanlage zur Verfügung stellten.

Einer von ihnen sah sein Geld sogar wieder. 5000 Euro habe er zurückbekommen, 1000 Euro, die er der ersten Zahlung hinterhergeschickt hatte, allerdings nicht, berichtete der 56-jährige Wuppertaler. Damit dürfte er im Vergleich der Anleger relativ gut davongekommen sein. Warum er sein Geld – ohne die versprochenen riesigen Erträge - weitgehend zurückbekommen hatte, blieb allerdings rätselhaft. „Eines Tages kam ein Nachbar zu mir“ – so fing diese Geschichte einer angeblichen „Supersache“ an. „Ich sollte fünf Verträge unterschreiben“, erinnerte sich der Zeuge an einen Vertragsabschluss, dessen schriftliche Fassung auch er offenbar gar nicht gelesen hatte.

Die 5000 Euro wurden in bar übergeben – wohl immerhin im Tausch gegen eine Quittung. Geschlossen wurden diese Verträge allerdings mit einem Untervermittler, der offenbar im Auftrag des 56-jährigen Angeklagten tätig geworden war. Er habe die Verträge auch gleich wieder mitgenommen, berichtete der Zeuge. „Ich hatte gar nichts zuhause.“

Ein 47-Jähriger aus Gevelsberg hatte weniger Glück gehabt. Nachdem er sogar einen Kredit für die dubiose Geldanlage aufgenommen hatte, sah er nie wieder etwas von seinem Geld. Er wartete zunächst noch auf die Versicherungspolice, forderte zunächst diese und schließlich auch seine in bar übergebenen 5000 Euro ein, doch nichts passierte. „Mir wurde niemals irgendwelches Geld überwiesen – bekommen habe ich gar nichts.“ Immer wieder sei er vertröstet worden, erinnerte sich der Zeuge, der sich deswegen auch noch mit seinem Bruder verkrachte. Der hatte ihm angeblich die „lukrative“ Geldanlage nahegelegt.

Rechtsanwalt Michael Aßhauer sagte dem Zeugen, was er bereits anderen Geschädigten gesagt hatte: „Es gibt nach wie vor ein Konto in der Schweiz, auf dem erhebliche Gelder liegen.“ Dass diese Auskunft regelmäßig auf skeptische Mienen trifft, kann nicht verwundern.

Das Schöffengericht beschloss die Ladung des Untervermittlers, der gegenüber diesen beiden Zeugen tätig geworden war, für den nächsten Verhandlungstag.

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