Muttertag - ein Tag, eben nicht wie jeder anderer

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Der Klassiker zum Muttertag: Als Geschenk gibt es oft einen Strauß Blumen, doch ist der Tag selbst heiß umstritten.

Nachrodt-Wiblingwerde - Kaffee ans Bett, ein Sträußchen Blumen daneben: In vielen Familien wird morgen der Muttertag mit liebevollen Gesten gefeiert.

Und doch: Kaum ein Tag ist so umstritten – besonders bei den Frauen selbst. Beklagt wird in erster Linie die „Geschäftemacherei“ – denn zu keinem anderen Zeitpunkt im Jahr werden mehr Blumen verkauft.

Auch die Werbung zieht alle Register, kaum jemand, der den Muttertag auch nur im Ansatz vergessen könnte. „Es gibt durchaus einen Druck von außen“, sagt auch Kämmerin Gabriele Balzukat. Nüchtern betrachtet gibt es für Mütter übrigens wenig zu feiern. Nicht nur, weil die Differenz bei den Löhnen für Männer und Frauen in Deutschland so groß wie in kaum einem anderen europäischen Land ist.

Durchschnittlich verdienen Frauen 21,6 Prozent weniger als Männer. Und Mütter haben in der Gesellschaft einen schweren Stand. Sind sie zu Hause und kümmern sich um den Nachwuchs, gelten sie landläufig als „Hausmütterchen“, arbeiten sie Vollzeit, kümmern sie sich zu wenig um ihre Kinder.

Haben sie einen Teilzeitjob, dürfen sie sich nicht selten mit einem Verdienst rund um Steuerklasse 5 und einem „Appel und Ei“ zufriedengeben. Knapp 4,2 Millionen Frauen waren 2014 in Teilzeit mit einer Arbeitszeit von bis zu 20 Stunden pro Woche beschäftigt, knapp 1,3 Millionen waren befristet beschäftigt, weitere 1,8 Millionen Frauen geringfügig beschäftigt und rund 200000 Frauen hatten Leiharbeitsverträge. Viele haben Angst, dass die Rente nicht reicht.

Und die Sorgen sind berechtigt. Das AK hat einige bekannte Frauen aus Nachrodt-Wiblingwerde zum Muttertag befragt.

Die Meinung der Nachrodter

Morgen wird bei Sonja Hammerschmidt gefeiert, aber nicht Muttertag, sondern die Kommunion des Sohnes. Das „ganze Blumengedönse“ mag Sonja Hammerschmidt nicht, wohl aber die kleinen gebastelten Geschenke ihrer Kinder. „Meine Kinder freuen sich und verstecken die Geschenke ganz aufwändig“, erzählt die UWG-Vorsitzende. „Wir sind auch schon mal weggegangen, aber eigentlich alles unspektakulär.“

Der Frühstückstisch wird gedeckt und es gibt kleine Aufmerksamkeiten: „Ich finde es eigentlich schön, dass es diesen Tag gibt“, sagt Kathrin Püschel. Es sei die Wertschätzung für Mütter, die mit diesem Tag zum Ausdruck gebracht werde. „Aber die sollte man natürlich auch an anderen Tagen zeigen.“ Für die CDU-Ratsfrau ist es wichtig, dass „Traditionen fortgeführt werden, ohne das übermäßig zu zelebrieren.“

„Muttertag ist nicht der Tag, an dem ich von meinen Sohn irgendwie geehrt werden möchte oder man etwas zelebrieren muss“, sagt Susanne Jakoby und glaubt auch, dass ihr Sohn den Muttertag vergessen wird, „wenn ihn seine Freundin nicht daran erinnern wird.“ Die SPD-Fraktionsvorsitzende verbringt den Tag mit ihren Freundinnen und „wir feiern für uns. Aber nicht so abgedroschen mit Bollerwagen.“

Nicht so wirklich wichtig findet Lotte Glasow den Muttertag. „Früher, als die Kinder klein waren, haben sie mir etwas gebastelt“, lacht sie. „Das war sehr schön.“ Lotte Glasow hat drei Kinder, zwei Enkelkinder und ein Urenkelkind und sagt: „Meine Kinder bereiten mir das ganze Jahr Muttertag, sie sind immer aufmerksam. Und im Grunde genommen ist Muttertag doch Geschäftemacherei. Ich sehe keinen großen Sinn darin.“

„Ich habe eher ein gespaltenes Verhältnis zu Muttertag“, sagt Gabriele Balzukat. Die Kämmerin der Gemeinde findet „die restlichen 364 Tage wichtiger.“ Auch habe ihre Mutter nie einen besonderen Wert auf diesen Tag gelegt, „aber trotzdem hat es immer etwas zu Muttertag gegeben, weil wir Töchter uns auch irgendwie verpflichtet gefühlt haben. Es gibt durchaus einen Druck von außen“, findet Gabriele Balzukat.

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