„Mein Körper gehört mir“ setzt auf Prävention gegen sexuellen Missbrauch

Die Theaterpädagogen vermitteln den Kindern, wie sie ihre Ja- und Nein-Gefühle richtig deuten lernen. Ja-Gefühle entstehen zum Beispiel beim Kuscheln mit den Eltern, Nein-Gefühle bei Schlägen und Streit.

Nachrodt-Wiblingwerde - Im richtigen Moment Nein sagen, sich jemandem anvertrauen oder Hilfe holen – das ist es, was die Nachrodt-Wiblingwerder Grundschüler im Rahmen des Projekts „Mein Köper gehört mir“ lernen sollen. Seit vielen Jahren ist das Programm zur Prävention von sexuellem Missbrauch bereits fester Bestandteil des Lehrplans. Am Dienstagabend durften zunächst die Eltern das dreiteilige Theaterstück sehen.

„Normalerweise ist es so, dass das Thema die Kinder sehr bewegt. Da ist es wichtig, dass sie sich zuhause mit jemanden darüber unterhalten können“, erklärten die Schauspieler zu Beginn. Sie sind Teil des Ensembles der Theaterpädagogischen Werkstatt Osnabrück und spielen „Mein Körper gehört mir“ schon seit vielen Jahren.

Daher wissen sie bereits recht gut, was die Kinder beschäftigt, denn meist wird es direkt zu Beginn schon recht ernst. Dann nämlich geht es um die entscheidende Frage: „Habe ich ein Ja- oder Nein-Gefühl?“ Ein Ja-Gefühl haben viele Kinder beim Kuscheln mit den Eltern, Geschichten vorlesen oder Erlebnissen wie Eis-Essen. „Ein Nein-Gefühl verspüren sie bei Schlägen, Streit – aber auch wenn sich die Eltern trennen möchten oder sie ganz einfach nur ihr Zimmer aufräumen sollen. Die Aussagen sind an diesem Punkt äußerst vielfältig“, erklärt das Ensemble.

„Mein Körper gehört mir“ ist ein Mitmach-Theater. Die Kinder werden immer wieder aktiv eingebunden. An drei Tagen kommen die Schauspieler in die Grundschule. Es wird getanzt, gesungen und gespielt. Denn die Freude am Mitmachen darf hierbei nicht fehlen, denn der Grundsatz der Schauspieler lautet: „Wer mit Freude dabei ist, lernt auch mehr.“

Am ersten Tag geht es erst einmal allein darum, zu lernen, was ein Ja- und was ein Nein-Gefühl ist. Beim nächsten Mal steht dann die Absicherung auf dem Plan. Denn grundsätzlich sollte immer jemand wissen, wo das Kind gerade ist. Abschließend lernen die Kinder, wo sie Hilfe bekommen, wenn sie sie brauchen.

Vielen Eltern falle es schwer, mit ihren Kindern über so etwas zu sprechen und ein solches Thema kindgerecht zu vermitteln. Dabei ist das gar nicht so schwer: „Wenn du ein Mädchen bist, und jemand fasst dir an deine Brust oder an deine Scheide oder an deinen Po und du bekommst dabei ein Nein-Gefühl, weil du merkst, dass da etwas komisch ist, dann ist das sexueller Missbrauch“, erklären die Schauspieler. Natürlich gibt es diese Definition auch für Jungen. „Ihre Kinder sollten mitnehmen, das wenn sie ein Nein-Gefühl haben, egal wobei, ein Recht haben, Nein zu sagen und zu einem Menschen ihres Vertrauen gehen sollten und es ihm erzählen“, so die Schauspieler.

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