Freiluft-Pfingstgottesdienst

Johannisborn hat seine Bestimmung zurück

Emily Fahnert wurde wie alle Kinder mit vereinten Kräften getauft. Eltern und Paten hielten das Wasser aus dem Johannisborn bereit, das Pfarrer Tom Mindemann den Täuflingen sanft über den Kopf träufelte.  Foto: Hornemann

Nachrodt-Wiblingwerde - „Talare sind eine Maßanfertigung. Da passt sogar eine Regenjacke drunter“ scherzte Pfarrer Tom Mindemann, der gestern die evangelische Kirchengemeinde Wiblingwerde am Johannisborn begrüßte, um dort einen außergewöhnlichen Pfingst- und Taufgottesdienst zu feiern. Damit ist dem mittlerweile eingefassten Brunnen seine ursprüngliche Bestimmung zurückgegeben worden.

Die frühmittelalterliche Taufszene, die Fritz Korte in den 50er Jahren zum Dekor des Brunnens anfertigte, zeigt ein ganz ähnliches Bild von dem Taufritual, das Tom Mindemann gestern an Emily Fahnert, Justus Roeder und Pia Hohage durchführte. Schon vor Jahrhunderten wurden Dorfbewohner und Reisende am Johannisborn christianisiert. Erst war die Quelle Kult-, dann Kirchstätte und später Namenspatronin für die spätromanische Dorfkirche, die als Johanneskirche eingeweiht wurde. Auch, als sie bereits im Dorfkern stand, kam das Taufwasser noch aus der ursprünglichen Quelle.

So leicht ist heute da nicht mehr ranzukommen, wie die Gemeinde gestern schmunzelnd feststellte. Drei Schöpfgänge brauchte es mit dem Eimer am Seil, um genügend Wasser zur Füllung des mobilen Taufbeckens zu gewinnen. Zudem ist die eingefasste Quelle im Alltag nicht zugänglich und fest verschlossen.

Weil unter anderem aus diesem Grund Taufen am Johannisborn selten geworden sind, zog es gestern zahlreiche Gläubige zum Gottesdienst in freier Natur. Holzbänke bildeten die Sitzreihen, der CVJM-Posaunenchor ersetzte die Kirchenorgel und ein kleiner Tisch inklusive Holzkreuz bildete den improvisierten Altar. Im Mittelalter dürften die Geistlichen eine schlechtere Ausstattung gehabt haben.

Nicht nur die drei Kindstaufen, sondern auch das Pfingstfest waren am gestrigen Montag natürlich Thema von Tom Mindemanns Ansprache. Eigentlich passte es vorzüglich, dass der Gottesdienst nicht im Kirchgebäude stattfand, denn der Feiertag steht vor allem für eines: „Der Heilige Geist ist überall!“ Nach christlichem Glauben auch in den Regentropfen, die zeitweilig vom Himmel fielen. „Dann werden wir heute eben alle getauft“, schmunzelt der Pfarrer.

Paten hatten allerdings nur Emily, Justus und Pia mitgebracht. Sie versprachen, ihr Amt mit Gottes Hilfe anzunehmen und die Täuflinge ins Leben zu begleiten. Am Ende packten viele Hände an, um den schmalen weg nach Sassenscheid wieder für den fließenden Verkehr und Wanderer freizugeben.

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