Demonstration der leisen Töne im Kreishaus

Die 15 syrischen Männer wurden von V. Langfeld, Mitarbeiter der Ausländerbehörde, in seinem Büro angehört. Verständnisvoll erklärte er ihnen die aktuelle Situation. Foto: Reichelt

Nachrodt-Wiblingwerde - Es war eine Demonstration der leisen Worte. Eine ohne Drama, aber mit ernstem Hintergrund. Und eine, die tatsächlich gehört wurde: 15 Syrer aus Nachrodt-Wiblingwerde suchten gestern in der Ausländerbehörde im Kreishaus Lüdenscheid das Gespräch. Ihr Anliegen: Seit Monaten in Deutschland, halten sie bis auf ihre Erstregistrierung nichts in den Händen. Andere dagegen, die in anderen Städten untergebracht sind, haben ihrer Meinung nach längst Asylanträge gestellt oder sind sogar anerkannte Flüchtlinge. Fakt ist: An ihrer Situation kann die Ausländerbehörde nichts ändern. Fakt ist aber auch: Die Syrer konnten ihre Sorgen loswerden.

„Es ist schlecht, dass kein Dolmetscher dabei ist. Die Amtssprache ist Deutsch“,war die erste Reaktion von V. Langfeld, Mitarbeiter in der Ausländerbehörde. Doch er nahm sich der 15 Aylbewerber an und holte sie in sein Büro. In der anschließenden Unterhaltung auf Englisch versuchte er den Flüchtlingen die Situation zu erklären. „Auch wir können nur warten“, so V. Langfeld. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge sei für die 15 Neu-Nachrodter zuständig. Dort müssten sie erst registriert werden und eine Nummer erhalten. Und dann komme irgendwann ein Brief mit der Einladung zur Anhörung – das „Interview“, auf das die 15 Männer warten.

Warten. Das können und wollen einige der Syrer nicht mehr. „Unsere Familien warten auf uns“, sagt Wagih Jungbullat verzweifelt. In Syrien sei Krieg und für seine Angehörigen werde es immer gefährlicher. Verständnis für das lange Warten kann er nicht aufbringen.

Für die Männer ist es schwer nachvollziehbar, warum nur sie in Nachrodt keinen Ausweis haben. Doch V. Langfeld machte deutlich, dass sie nicht alleine sind. Dass es nicht an der Gemeinde Nachrodt-Wiblingwerde liegt. „In Menden sind Asylbewerber, die seit 15 Monaten warten“, wusste er.

Das alles sei eine Sache der Organisation. Die Anträge der Nachrodter Asylbewerber lägen wahrscheinlich beim Bundesamt auf einem Stapel. Die Akten von Neuankömmlingen würden vielleicht einfach oben drauf gelegt. „So rücken die Anträge immer weiter nach hinten“, mutmaßte der Mitarbeiter der Ausländerbehörde.

Das Kreishaus stehe in Kontakt mit dem Bundesamt. V. Langfeld hofft, dass die Männer im April oder Mai ihre Anhörung bekommen. Versprechen könne er allerdings nichts. „Ich entscheide das nicht. Aber ich hoffe es für Sie.“ Teils niedergeschlagen, teils aufgebracht, aber dankbar verließen die 15 Syrer die Behörde. Dankbar, dass ihnen einer zugehört hatte. Auch wenn sie nichts ausrichten konnten, wissen sie nun ein wenig mehr. Sind ein kleines Stück weiter.

Achim Schirmer, Leiter der Ausländerbehörde, hat Verständnis für die Flüchtlinge. „Aber uns sind die Hände gebunden.“ Dass sie ungehalten sind, sei verständlich. Vor zwei Wochen habe es schon einmal eine Gruppe Asylbewerber gegeben, die in der Behörde nach Antworten suchten. „Die Welle ist groß, aber wir können keinen Einzelfall vorziehen.“

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