Impulse aus Indonesien

Superintendent Klaus Majoress half, die Tücher des Batak-Volkes richtig zu wickeln und zu binden. -  Foto: Machelett

Nachrodt-Wiblingwerde - Für Superintendent Klaus Majoress war es ein Heimspiel. Wenn er in das Wiblingwerder Gemeindehaus kommt – auch, wenn er eigentlich für den Nachbar-Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg verantwortlich ist. Denn der Pfarrer stammt aus Veserde.

Entsprechend herzlich war die Begrüßung bei der Frauenhilfe. Dort sollte Majoress über die Partnerschaft zur indonesischen Toba-Batak-Kirche sprechen.

Doch bevor es Dias gab, wurde erst einmal ausführlich geredet. Einige der Frauen kannten den Superintendenten bereits als Kind, entsprechend innig ist die Bindung. Es war ein lockerer Nachmittag, es wurde viel gelacht und geklönt. Im Gepäck hatte Majoress kunstvoll gewebte Tücher. Sie alle haben indonesische Frauen in mühevoller Handarbeit hergestellt. Die Wiblingwerderinnen waren sichtlich beeindruckt.

Sie wissen, wie viel Arbeit in so einem Tuch steckt. Schließlich haben sie früher alle selbst noch die Kunst des Webens gelernt. Die prachtvollen Tücher werden von den Batak, einem Volk, das im Norden der indonesischen Insel Sumatra lebt, zu feierlichen Anlässen getragen. Wie sich das anfühlt, konnten die Frauen am eigenen Leib erfahren. Majoress half, die Tücher richtig zu wickeln und zu binden. „Die Frau trägt es meist gefaltet über der Schulter, der Mann um den Bauch. Man kann sich aber auch darin einwickeln“, erklärt Majoress.

Die Neugier der Frauen war geweckt. Viele wollten wissen, wie es sich anfühlt. Die gewebten Tücher waren schwerer als vermutet, aber warm und angenehm zu tragen. Ein Hauch von Indonesien wehte bereits nach wenigen Minuten durch den kleinen Saal des Wiblingwerder Gemeindehauses.

„Diese Tücher sind schön, aber die Weberinnen verdienen fast nichts daran. Die Materialkosten sind höher als der Arbeitslohn“, machte Majoress auf die Probleme des Inselvolkes aufmerksam. Er selbst war bereits mehrfach in Indonesien, nahm den zwölfstündigen Flug in Kauf, um die Menschen in der Partnergemeinde kennenzulernen. „Die Not der Menschen ist groß. Straßenkinder sind überall und umringen einen“, berichtete Majoress. Dabei würden bereits 30 Euro im Monat reichen, um eine Lebensgrundlage zu haben. Einmal habe er zwei Euro für eine Taxifahrt gezahlt. „Hinterher sagte man mir, dass sei der Lohn einer ganzen Woche. Aber mal ehrlich, weh getan hat es mir nicht, auch wenn ich übers Ohr gehauen wurde“, erzählt Majoress schmunzelnd.

Begeistert sei er von der Missionsarbeit. Wenn Bibelabende stattfinden, komme immer das ganze Dorf – vom Baby bis zum Großvater. Ein ungewöhnliches Erlebnis für den Superintendenten. „Wenn die Indonesier mal hier sind, zeigen wir ihnen immer unsere Einrichtungen und sind stolz auf das, was Kirche geschaffen hat. Aber dann fragte ein Gast: ,Und wo missioniert ihr, wo verkündigt ihr in der Stadt Gottes Wort?’ Das brachte mich doch zum Nachdenken“, gab Majoress zu. Denn genau das sei es, was vielleicht tatsächlich ein wenig zu kurz komme und woran Kirche definitiv arbeiten müsse. - Von Lydia Machelett

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