Sabrina Schwarz hat keine Zeit für Heimweh

Von Nachrodt ging es für Sabrina Schwarz zunächst nach Costa Rica. Die Studentin arbeitete dort mit an einem Umweltschutzprojekt. Unter anderem verschaffte sie sich ein Überblick über die Müllentsorgung, die längst nicht so modern ist, wie in ihrer Heimat.

Nachrodt-Wiblingwerde - Von Nachrodt um die Welt: Sabrina Schwarz wandelt auf den Spuren des Umweltschutzes. Die Studentin reiste Anfang des Jahres zunächst nach Costa Rica. Mittlerweile ist sie in St. Petersburg angekommen. Lydia Machelett sprach mit der 20-Jährigen über neue Erfahrungen, Heimweh und das Leben in einer Metropole.

Sie reisen derzeit sehr viel. Wo sind Sie jetzt gerade?

Sabrina Schwarz: Seit drei Wochen bin ich in Russland. Ich lebe derzeit in einer WG in St. Petersburg.

Was machen Sie dort?

Schwarz: Ich bin in Russland, weil ich hier zuerst an einem Sprachkurs teilnehme und danach ein Praktikum bei einer Umweltschutzorganisation machen werde.

St. Petersburg ist eine riesige Stadt. Kein Vergleich zu Nachrodt. Wie finden Sie sich dort zurecht und wie verständigen Sie sich?

Schwarz: Bis jetzt hatte ich noch keine Schwierigkeiten. Mit der Metro kommt man überall hin und bisher habe ich mich noch nicht verlaufen. Ich verständige mich bis jetzt noch auf Englisch, da mein Russisch noch nicht so gut ist. Ich verstehe zwar schon ein paar Alltagsbegriffe, aber das Sprechen ist noch schwierig. Wenn es sein muss, nuschle ich etwas vor mich hin und werde damit meistens verstanden.

Wie gefällt Ihnen Russland? Gibt es Momente, in denen Sie Heimweh haben? Was vermissen Sie am meisten?

Schwarz: Es gefällt mir sehr gut, die Stadt ist wunderschön und die Menschen sind freundlich. Bisher hatte ich noch kein Heimweh. Morgens bin ich in der Sprachschule und nachmittags und am Wochenende erkunde ich auf eigene Faust das Stadtzentrum, treffe Freunde oder bin bei von der Schule organisierten Exkursionen. Für Heimweh hatte ich also noch gar keine Zeit! Ich bin mir aber sicher, dass das noch kommt. Allerdings vermisse ich meinen Freund. Und Currywurst! Ich hätte gerne Currywurst.

Wie sieht Ihr Alltag derzeit aus?

Schwarz: Mein Sprachunterricht ist wochentags von 9.30 bis 12.45 Uhr. Ich muss also nicht ganz so früh aus dem Bett und habe danach noch Zeit für mich oder für Exkursionen oder dafür, die ganzen Informationen aus dem Unterricht zu verdauen. Es ist sehr viel Input auf einmal. Abends muss ich noch Hausaufgaben machen.

Was studieren Sie und was hat das mit Russland zu tun?

Schwarz: Ich studiere Green Business Management. Das lässt sich wohl am ehesten mit „Umweltmanagement” übersetzen. Wir reden im Studium viel über globale Themen, wie zum Beispiel den Klimawandel. Ich hoffe, hier zu lernen, wie in anderen Ländern mit dem Thema umgegangen wird. Inwiefern sich die Menschen damit auseinandersetzen. Ob es andere Probleme gibt als in Deutschland und welche Lösungen möglich sind.

Was haben Sie außerhalb des Studiums schon erlebt?

Schwarz: Ich habe angefangen, Russisch zu lernen, habe Museen besichtigt und russisches Essen probiert.

Andere fahren nach Neuseeland, Australien oder die USA. Warum sollte es Russland sein?

Schwarz: Also, erst einmal sind das natürlich alles weit entfernte Ziele. Ich wäre sehr weit von meiner Familie weg und außerdem wären allein schon die Flüge unheimlich teuer. An den USA zum Beispiel reizt mich überhaupt gar nichts. So eine lange Zeit in der australischen Sonne zu verbringen, könnte ich mir ebenfalls gar nicht vorstellen. Ich mag es lieber etwas kühler. Außerdem möchte ich gerne eine neue Sprache lernen. Englisch kann ich ja schon.

Russland steht sehr in der Kritik. Vor allem politisch. Was bekommen Sie davon mit?

Schwarz: Wenig bis gar nichts. Ich habe versucht, mit Freunden über das Thema zu sprechen. Sie sind sich darüber einig, dass keine russischen Soldaten in der Ost-ukraine sind, zumindest nicht auf Befehl der Regierung. Ob das stimmt oder nicht, kann ich nicht beurteilen. Weiter habe ich nicht nachgefragt, auch weil ich es unangebracht finde, in ein fremdes Land zu kommen und mit erhobenem Zeigefinger über Politik zu diskutieren. Von Putin kann man halten, was man möchte und auch hier gibt es unterschiedliche Meinungen. Aber der kleine Teil dieses Landes, den ich bisher sehen durfte, erscheint mir nicht so bedrohlich, wie Russland in den westlichen Medien dargestellt wird. Ich denke, es ist wichtig, zwischen der Bevölkerung und der Regierung zu differenzieren.

Sie waren Anfang des Jahres schon in Costa Rica. Was haben Sie dort gemacht?

Schwarz: Ich war mit meinem Studiengang in San José. Wir haben drei Wochen lang an der Universidad Latina studiert. Ob es mir gefallen hat, ist schwer zu sagen. Die Wochen an der Uni waren extrem anstrengend, dank unverhältnismäßig vieler Hausarbeiten. Da blieb kaum Zeit, etwas vom Land zu sehen und die letzte Woche hat nicht gereicht, um alles anzuschauen. Das Land an sich ist einerseits wunderschön und ich hätte gerne mehr Zeit gehabt, um alles zu erkunden und auch noch etwas länger mit meinen Freunden am Strand von Manuel Antonio zu bleiben. Aber andererseits ist der Unterschied zu Deutschland wirklich enorm groß, viel größer als der zwischen Nachrodt und St. Petersburg.

Wann kommen Sie zurück?

Schwarz: Voraussichtlich Ende Juli oder Anfang August.

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