Krisenmanagement im ganz großen Stil

Der stellvertretende Gemeindebrandinspektor Mark Wille (l.) hatte die Einsatzleitung übertragen bekommen.

Nachrodt-Wiblingwerde - Boshaftigkeit hatte Gemeindebrandinspektor Michael Kling nicht zu jenem Horrorszenario veranlasst, das die Feuerwehr Nachrodt-Wiblingwerde am Samstag einmal komplett üben musste: Das schwere Zugunglück im Einsaler Tunnel mit Toten und Schwerverletzten verlangte allein dem Stab außergewöhnliche Ereignisse im Feuerwehrgerätehaus alles ab.

Geröll und Erdreich haben sich aus dem Hang vor dem Einsaler Tunnel gelöst, ein mit 150 Passagieren besetzter Abellio entgleist in der Folge. Der Führer eines entgegenkommenden Güterzugs kann eine Kollision nicht verhindern. Geladen hat er Mineralöl, Edelstahl und zwölf weitere Waggons mit Stückgut. Schnell steht fest: Diese Katastrophe kann die Nachrodt-Wibingwerder Feuerwehr nur mit Hilfe ihrer Kollegen aus dem Umland meistern.

Allein an der Unfallstelle werden sich im Laufe des Tages 1000 Einsatzkräfte einfinden, um die Menschen aus den Zügen zu retten, Verstorbene zu bergen und Rettungswege zu bilden. Da sind auch sämtliche verfügbaren Hilfsorganisationen wie DRK und Johanniter gefordert, Mitarbeiter der Deutschen Bahn und chemisch geschulte Helfer, die vor Ort Gefahrstoffanalysen durchführen können.

Im Feuerwehrgerätehaus Nachrodt hat sich sich aus den Feuerwehren Nachrodt-Wiblingwerde, Herscheid, Altena, Meinerzhagen, Menden und Iserlohn schnell ein Team aus 45 Personen gefunden, das den Stab für außergewöhnliche Ereignisse bildet. Der stellvertretende Gemeindebrandinspektor Mark Wille, der mit der Einsatzleitung an diesem Samstag betraut ist, müsste bei einem realen Unglück wohl auf Katastrophenalarm umschalten und die Einsatzleitstelle gegebenenfalls in größere Räumlichkeiten verlegen, vielleicht sogar in eine andere Kommune, wenn die Lennehalle zur Personenbetreuung benötigt würde.

Bislang kommt der Krisenstab mit der schnell geschaffenen Infrakstruktur im Gerätehaus aus: Das Kartenmaterial an den Wänden wird umgehend aktualisiert, so dass jeder Anwesende in der Koordienierungsstelle sehen kann, welche Einsatzkräfte sich aktuell wo befinden. Telefone, Computernetzwerke und Funkverbindungen halten die weitere interne und externe Kommunikation am Laufen. Nicht zu vernachlässigen ist die Öffentlichkeitsarbeit in solch einem Szenario: Bürgermeisterin Birgit Tupat, die mit Ordnungsamtsleiter Axel Boshamer die Gemeindeverwaltung in der Stabsübung vertritt, stellt sich auf Pressekonferenzen im Halbstundentakt ein, damit die Bevölkerung über Schutzmaßnahmen und Sperrungen informiert ist.

Im Laufe des Tages kommt es zur Entscheidung großflächiger Gebietsevakuierungen aufgrund giftiger Dämpfe. Feuerwehr-Pressesprecher Frank Gelhausen steht Birgit Tupat zur Seite und erklärt mit ihr gemeinsam, was zu tun ist. Auch das Stabsbüro wird aufgrund der Gefahrenlage nach Wiblingwerde umziehen müssen.

Ein nicht zu vernachlässigendes Thema ist die Dienstablösung: Nach mehreren Stunden werden auch die letzeten ortkundigen Nachrodt-Wiblingwerder Feuerwehrleute außer Kräften sein. „Man muss bei jeder Ablöse noch jemanden dahaben, der sich in Nachrodt-Wiblingwerde auskennt“, erklärt Mark Wille. Dass er niemals wirklich mit einem solchen Unglück konfrontiert wird, hofft er inständig. Aber er ist froh, es mit vereinten Kräften geschafft zu haben: Michael Kling, der sich die Einsatzlage ausgedacht hatte, zeigte sich in der Abschlussbesprechung sehr zufrieden mit dem Nachrodt-Wiblingwerder Krisenmanagement.

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