Hilfe, bevor der Rettungswagen kommt

Nachrodt-Wiblingwerde - Elf Tagesaordnungspunkte stehen an – jetzt kommt ein zwölfter für die Sitzung des Rates am kommenden Montag hinzu: Die SPD-Fraktion bittet, das Thema „Helfer vor Ort – Ersthelfer-System“ öffentlich zu beraten und am besten gleich zu beschließen. Denn Ersthelfer können Leben retten.

Notfall- oder Ersthelfer haben die Aufgabe, am Notfallort qualifizierte Erstmaßnahmen bei schwer Verunglückten oder akut Erkrankten durchzuführen bis der alarmierte organisierte Rettungsdienst am Einsatzort eintrifft. Denn wenn man abgelegen wohnt, vielleicht in der vielzitierten Pampa, kann es manchmal länger dauern, bis der Rettungsdienst eingetroffen ist.

„Bei uns im Dorf wurde das Thema diskutiert. Wir haben keine Feuerwehr mehr in Veserde, der Rettungsdienst ist nicht mehr so nah. Doch es geht nicht allein um Veserde, sondern flächendeckend für die ganze Gemeinde“, sagt Gerd Schröder, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD.

Das Ersthelfer-System ist als Ergänzung zum öffentlichen Rettungsdienst in abgelegenen Ortsteilen zu sehen – zur frühzeitigen Einleitung lebenserhaltender Maßnahmen.

Im Märkischen Kreis, so heißt es in der Begründung des Antrags der Sozialdemokraten, gibt es seit längerem Ersthelfer-Systeme in den Städten Balve, Neuenrade, Plettenberg (alle durch die Freiwillige Feuerwehr betrieben), Kierspe und Herscheid (beide vom Deutschen Roten Kreuz). Die dort gemachten Erfahrungen würden für die Ersthelfer-Systeme sprechen.

Voraussetzungen sind die Festlegung des möglichen Einsatzbereiches durch die Gemeinde und Prüfung, wer sich zum Betrieb eines Ersthelfer-Systems bereit erklärt. Zudem muss auch die möglichen Finanzierung abgeklärt werden. „Der Erfolg hängt sicher davon ab, wie viele Freiwillige gefunden werden“, sagt Gerd Schröder. Und betont: „Wir werden in Zukunft für die gesamte Infrastruktur zunehmend auf Menschen zurückgreifen müssen, die sich freiwillig engagieren. Was man heute schon sieht: in der Flüchtlingsarbeit, im Gartenhallenbad und in vielen anderen Bereichen.“

 Notfallhelfer, so steht es im Erlass des Ministeriums für Gesundheit, Soziales, Frauen und Familie, müssen mindestens 17 Jahre alt sein, geistig, körperlich sowie gesundheitlich zur Erfüllung der Aufgaben, die sie freiwillig übernehmen, geeignet sein und eine 50 Unterrichtseinheiten einschließlich Prüfung umfassende Ausbildung zum Notfallhelfer nachweisen. Voraussetzung

 für die Ausbildung zum Notfallhelfer ist eine Erste-Hilfe-Ausbildung, die nicht länger als ein Jahr zurück liegen darf. Aufbauend erhalten die Teilnehmer eine Ausbildung zum Notfallhelfer, die sich aus einer sanitätsdienstlichen Ausbildung und einer Einweisung in die Frühdefibrillation zusammensetzt. Ein umfassendes Fallbeispieltraining soll den Notfallhelfer auf seine Aufgabe vorbereiten.

Wie sinnvoll der Einsatz von Ersthelfern ist, die in vielen Städten „First Responder“ genannt werden, zeigt ein Beispiel aus dem Hönnetal. Dort wurde im Mai eine Fahrschülerin aus Hemer verletzt, die mit ihrem Motorrad auf der Kreuzung Balve-Hemer-Menden von Hemer aus in Richtung Menden abbiegen wollte. Dabei kam sie mit der Maschine von der Fahrbahn ab und prallte mit dem Zweirad gegen eine Leitplanke. Bis zum Eintreffen der Rettungskräfte übernahmen zwei Ersthelfer die Versorgung der Verletzten – zwei First Responder aus Volkringhausen. Oder: Zu 166 Einsätzen rückte der Löschzug Stadtmitte der Freiwilligen Feuerwehr Neuenrade im vergangenen Jahr aus. 55 davon waren Löscheinsätze, in den übrigen 111 Fällen waren die Feuerwehrleute als First Responder – also als Notfallhelfer – gefragt. Ersthelfer überbrücken also die Zeit zwischen dem Notfall und dem Eintreffen der Rettungskräfte.

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