27 Monate Haft für Asylbewerber - 19 Verurteilungen seit 2005

Nachrodt-Wiblingwerde - Elf Jahre Zeit hatte ein heute 28-jähriger Mann aus Guinea, um Regeln und Sprache seines Gastlandes zu lernen. Doch das ging gründlich schief.

19 Verurteilungen kassierte der Asylbewerber aus Nachrodt seit 2005 – zumeist wegen Diebstählen. Die Haftstrafen, die irgendwann nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt wurden, summierten sich im Laufe der Zeit auf mehrere Jahre. Erst im Frühjahr 2015 wurde er nach einer längeren Haftstrafe entlassen.

Dass der Mann überhaupt noch in Deutschland bleiben darf, verdankt er offenbar vor allem seinen beiden kleinen Kindern, die bei ihrer Mutter in Lüdenscheid leben. Doch auch die Aussicht, diese nach seiner möglichen Abschiebung nach Guinea nicht mehr sehen zu können, veranlasste den 28-Jährigen nicht, endlich mit dem Klauen aufzuhören.

Kinder leben in Lüdenscheid

So verurteilte das Amtsgericht Iserlohn ihn am 16. Dezember 2015 zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und acht Monaten wegen räuberischen Diebstahls und zweifachen Diebstahls mit Waffen: Am 11. Mai hatte er in einem Verbrauchermarkt in Letmathe Kräuterlikör und anderes im Wert von 35,64 Euro gestohlen und versucht, die Beute gegenüber zwei Verkäuferinnen zu verteidigen. Eine von ihnen erlitt dabei einen Bluterguss und eine Prellung am Knie, als er ihr einen Einkaufswagen gegen das Bein schob. Bei zwei weiteren Diebstählen führte er ein Taschenmesser griffbereit bei sich: Am 6. August versuchte er Kaffee im Wert von 80 Euro aus einem Markt in Iserlohn zu stehlen, am 15. August räumte er die Parfümerie in einem Kaufhaus in Hagen aus. Auch hier blieb die Beute im Wert von rund 740 Euro letztlich vor Ort. Angesichts der zahlreichen Vorstrafen sah das Schöffengericht in Iserlohn keinen Grund für Milde und verhängte eine Strafe, die selbst unter diesen Umständen recht hart war: zwei Jahre und acht Monate. Dabei war ein weiterer Diebstahl in der beim Angeklagten offenbar sehr beliebten Kaufhaus-Parfümerie noch nicht einmal mitangeklagt worden. Flacons im Wert von 1122,80 Euro hatte er wegschleppen wollen.

Keine guten Voraussetzungen

All das waren keine besonders guten Voraussetzungen für eine Überprüfung dieses Urteils vor einer Berufungskammer des Landgerichts. Die beiden Schöffen und der Vorsitzende Richter Wilhelm Kaiser minderten dennoch das Urteil um fünf Monate auf zwei Jahre und drei Monate. Mit der Beschränkung der Berufung auf das Strafmaß habe der Angeklagte ein umfassendes Geständnis abgelegt, suchte der Richter das Positive. Das Diebesgut sei sichergestellt worden, die Verletzungen der angegriffenen Markt-Mitarbeiterin gering. Und der Angeklagte? Nach den vielen Verurteilungen hatte er mit seinen vollmundigen Beteuerungen, dass er „damit aufhören“ und „sowas nicht wieder machen“ wolle, kaum eine Chance, auf gläubige Ohren zu stoßen. „Es ist ungewiss, ob der Angeklagte überhaupt in Deutschland bleiben darf“ sagte seine Anwältin Julia Kusztelak in ihrem Plädoyer und beantragte eine Haftstrafe von zwei Jahren.

Bewährungsstrafe verwirkt

Dass eine Bewährungsstrafe unerreichbar war, wusste auch sie. „Die lange Haftstrafe hat dazu geführt, dass er über sein zukünftiges Leben nachgedacht hat“, berichtete sie. Papa wird allerdings mehr tun müssen als nachdenken, wenn er zukünftig noch in Reichweite seiner beiden Kinder bleiben will. Äquatorialafrika ist sehr weit weg von Nachrodt.

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